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Der Israelit · 1897-11-15 · Heft 90 (15.11.1897) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 90 (15.11.1897)
Date
1897-11-15
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1717 anwenden würde, wenn es zu Gunsten der Juden spricht. Das Bedauerliche bei dieser Besetzung ist nicht der Umstand, daß ein christlicher Oberlehrer ernannt wird, sondern das allmähliche Zurückgehen der Gemeinde. Ist aber aber auch diese numerisch geschwächt, hat sie auch durch Todesfälle und Übersiedlungen starke Verluste erlitten, so ist sie noch immer eine achtunggebietende Gemeinde und ihr Conservatismus dürfte schwerlich von einer mährischen Gemeinde übertroffm werden. Dank d.r gewissermaßen ererbten Frömmigkeit der hiesigen Bevölkerung, dem unermüdlichen Eifer des hiesigen Rabbiner D r. David Feuchlw ang, der beständig für die Erhaltung jüdischer Sitten und Gebräuche eintritt, und nicht in letzter Linie dem konservativen Vorsteher mit dem seine Majorität nach konservativen Cultusausschuß haben wir und jeder konservative Jude Grund mit der hiesigen Gemeinde zufrieden zu sein. Kein einziges Geschäft ist hier am Sabbat offen, in der weitaus überwiegenden Mehrzahl der Häuser wird noch gottlob gewirthschaftet. Der Tempelbesuch ist am Sabbat und Feiertagen ein sehr reger und selbst an Wochentagen kann man ohne reichlich Minjan bekommen. Nicht ein einziger Student, nicht ein Schüler der hiesigen Bürgerschule schreibt am Sabbat. Der Religionsunterricht wird durchgehends von konservativen Lehrkräften ertheilt und der diesbezüglich von Dr. Feuchtwang verfaßte Lehrplan kann auch den strengsten Orthodoxen befriedigen. Auch wird von Letztgenanntem begabten Schülern des hiesigen Gymnasiums, sowie von einem Volksschullehrer Schülern der hiesigen Volks- und Bürgerschule Talmudunterricht ertheilt, so daß wir Nikolsburg in religiöser Beziehung noch immer ein vm *r? nennen können. ** Czernowitz, 7. Nov. Bekanntlich hat der Vorstand der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde im Vereine mit dem Rabbinat eine anerkennenswerthe Aktion zu Gunsten der Errichtung eines Waisenhauses eingeleitet. Dank dem regen Wohlthätigkeitssinne der Bevölkerung ist nun verhältnißmäßig sehr rasch eine Summe gezeichnet worden, die zwar in ihrer gegenwärtigen Höhe noch lange nicht genügt den edlen Zweck zu verwirklichen, die aber doch schon hinreicht, um mit Sicherheit zur Berathung der Grundzüge, über Bau, Einrichtung und Erhaltung des Waisenhauses zu schreiten. Aus diesem Grunde haben die Veranlasser die erfreuliche Anregung, im Einvernehmen mit dem vom Cultusrathe delegirten Dreier-Comite, den Beschluß gefaßt, schon in den allernächsten Tagen an diese Berathung zu gehen und alle diejenigen mit Stimmrecht einzulaven, die bis zum BerathungStage Spenden geleistet oder gezeichnet haben werden. Die Gesammtheit der Beisteuernden wird also jene Grundzüge berathen und Beschluß über die Wetterführung der Aktion fasten. Mit Rücksicht aus den großen Geldbedarf einer derartigen Institution, sowie auch insbesondere auf den Umstand, daß das Wnfenheim zum ewigen Andenken an das 50jährige Negierungsjubiläum Sr. Majestät unseres Kaisers eröffnet werden soll, wäre zu wünschen und ist auch zu hoffen, daß weitere Spenden reichlich einfließen werden. England.? London. Die Federation of SynagogueS beschäftigte sich-,mit der Frage, ob man nicht durch Vermittelung des Oberrabbiners eine Organisation schaffen könne, um den jungen Lenten, besonders Kaufleuten, welche den Sabbat halten wollten, Stellungen zu verschaffen, da sie jetzt häufig sehr großen Schwierigkeiten dabei begegneten. Eine dahingehende Resolution fand schließlich einstimmige Annahme. Rußland.? Petersburg. Nach den Berichten der Stiftung für jüdische Handwerker und Ackerbauer sind allein 5502 jüdische Familien mit dem Bau von Gemüse k. beschäftigt, ohne die zahlreichen Familien zu rechnen, welche in der Tabak- und Weinpflanzungen beschäftigt sind. Dies Resultat einer eingehenden Untersuchung ist nicht ohne Interesse, es bestätigt, daß die Zahl der landwirthschaftlich beschäftigten Juden in Rußland viel größer ist, als man gewöhnlich denkt. — In dem Petersburger Institut für weibliche Mediziner ist festgesetzt worden, daß nicht mehr als 5 pCt. rrichtchristliche Studentinnen und davon nicht mehr 3 pCt. jüdischer angenommen werden dürfen; die Zahl der jüdischen Studentinnen ist also abermals beschränkt worden.? Sibirien Die Tomsker Provinzialbehörde hat angeordnet, vaß die Juden, welche nicht da» Recht des Aufenthalts in Tomsk haben, aus dieser Stadt vertrieben werden sollen. Diese Maßregel trifft ca. 800 Familien, größtentheils aus Rußland Verbannte, welche sich in Tomsk angekauft hatten und nun in große Noth gerathen. Nicht einmal in dem unwirthlichen Nordlande läßt man den Juden Ruhe. Dabei arbeiten an der Sibirischen Eisenbahn eine ganze Anzahl jüdischer Ingenieure, die man genöthrgt war, anzustellen, da in Rußland nicht genug fähige Ingenieure christlicher Religion zu finden waren und fremde d. h. ausländische Beamte nicht angestellt werden sollen. So hat man denn seit dem vorigen Jahr Juden angestellt und wird auch damit fortfahr reu muffen, da das riesige Unternehmen der Sibirischen Transversalbahn immermehr Arbeitskräfte erordert. Portugal.? Lissabon. Das jüdische ComitS, welches ich hier v»r einigen Monaten gebildet hat, um die antisemitischen Angriffe abzuwehren, hat auch schon

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