Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 90 (15.11.1897)
- Date
- 1897-11-15
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2448705-2448789--44902-2494019- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
1716 Wenn der Gesellschaft ausreichendere Mittel zufließen sollten, dann wird sie im Sinne des Statutes daran gehen, Reisende und Gelehrte zu unterstützen, deren Bestrebungen auf Erforschung jüdischer Alterthümer und Kunstdenkmäler gerichtet sind. Die Gesellschaft wird ferner selbstständig oder im Anschlüsse an bestehende Vereine an Ausgrabungen zu archäologischen oder kunsthistorischen Zwecken, das Judenthum betreffend, betheiligen. Sie wird insbesondere eine umfaffende wiffenschaftliche Erforschung des heiligen Landes anstreben und zu fördern trachten. Endlich wird . sie periodische Mittheilungen, welche auf die Geschichte der Wissenschaft und Kunst im Judenthum Bezug haben, Herausgeber! und wissenschaftliche Vorträge veranlassen. Der Vorstand richtet daher an die Mitglieder der Wiener CultuSgemeinde, welche Interesse für die Wissenschaft und Kunst des Judenthums, sowie an alle Diejenigen, welche warmen Sinn für historische Denkmäler und Alterthümer besitzen, die Bitte, bie neue Schöpfung, sei es durch Widmung von Objekten, welche in den Rahmen der Sammlungen passen, fei es durch den Beitritt der Gesellschaft zu unterstützen und dadurch zur Gründung einer Sammelstelle für jüdische Kunst und Alterthümer beizutragen. Der Katalog der Sammlungen, welcher bent Berichte beigegeben ist, hat folgende Eintheilung: I. Geographische Darstellungen. 1. Darstellungen nach der heiligen Schrift. 2 Darstellungen aus dem religiösen und bürgerlichen Leben der Juden. 3. Abbildungen von plastischen Werken des Alterthums und der neueren Zeit. 4. Abbildungen von Bauwerken für rituelle uns communale Zwecke. 5. Landkarten und Stadtpläne. 6. Grabfchriften und Abklatsche von Grabsteinen. 7. Portrait». II. Plastische Darstellungen. 8. Inschriften in Stein oder in GypSabgüssen, Modelle in Ton oder GypS ‘J. Büsten und Portrait-Medaillen. III. Gegenstände für rituelle Zwecke. 10. Arbeiten in Metall: Silber, Bronce, Messing. 11. Arbeiten in Fayenc, Majolica, Porzellan, Thon. 12. Teilarbeiten. IV, Münzn und Medaillen. 13. Münzen und Medaillen. V. Handschriften. 14. Handschriften zu rituellen Zwecken. 15. Handschriften zu allgemeinen Zwecktn l 6. Hebraica UNd Juvaica. 17. Zeitschriften. 18. Bücher von jüdischen Autoren. 19. Publicatronen von jüdischen Gemeinden. 20. Publicationen von jüdischen Vereinen. 21. Musikalien. 22. Diverse Bücher, Zeichnungen, Stiche. Eine Zierde des Berichtes bilden die wissenschaftlichen Beiträge: Neben einer kleinen interessanten Abhandlung von Abraham Epstein: „Ueber eine Simeon-Münze", welche sich im Besitze des Verfassers befindet und aus der Zeit des Aufstandes unter Hadrian herrührt, lesen wir eine überaus kostbare und wichtige Untersuchung von Professor Dr. David Kaufmann : „Zur Geschichte der Kunst in den Synagogen I, Die Löwen unter der Bundeslade von Aseoli und Pejaro. II. Besprechung eines Gutachtens des 1611 verstorbenen Rabbiners von Mailand, Samuel Archkvotti, über Pflanzenornameute an Synagogenwänden. III. Die Kunst in den Holzsynagoqen Polens. ** Lemberg, 8. Nov. Der hiesige Landes¬ und Gerichtsadvokat Dr. Ritter v. S zalei erschien beim hiesigen Oberrabbiner Dr. Schmelkes mit dem Ansuchen, derselbe möge in einem Rechtsstreite, welchen Herr Dr. Szalei mit einem hiesigen angesehenen Kaufmanne auszufechten hat, das Amt eines Schiedsrichters annehmen, da ihm dessen Unparteilichkeit sowohl gegenüber Juden als Christen und bessert Rechtlichkeit bekannt sei. Herr Obtirabbmer Dr. Schmelkes hat diesem Ansuchen Folge gegeben, das Schiedsgericht jedoch des Samstags wegen aus Dienstag den 2. November angesetzt. Als bei bttfor Gelegenheit die Rede auf den Antrag Neumayer kam, verdammte Herr Szalei denselben mit dem Bemerken, daß ihm in seiner ganzen Proris nie der Fall vorgekommen sei, daß ein Jude einen Meineid geschworen habe. Ja, es habe sich wiederholt ereignet, daß ein Jude lieber seine gerechten Ansprüche fallen ließ, ehe er sich überhaupt zur Eidesleistung entschloß. Was sagt Herr Dr. Neumayer, dazu, daß ein hochgeachteter Christ, wie Dr. Szalei, in solcher Weise über seinen Antrag urtheilt und einen jüdisch n Rabbiner zum Schiedsrichter wählt? ck. Nikolsbrrrg, 12. Nov. Die seit längerer Zeit provisorisch besetzt gewesene Oberlehrerstelle an der hiesigen politisch selbstständigen Jscaelitengemeinde wurde dem Lehrer Paul Grybek '-ib'v *6 new snsyn btfinitio verliehen. Der Grund dieser sonderbaren Erscheinung, daß in der einstigen so großen Juvengemeinde Nikolsbucg, dem mehrhunderljährigen Sitze der LandeSrabbinen, welche der Stolz eines jeden Jehudi war, eine christliche Lehrkraft als Oberlehrer angestellt wurde, liegt in der stetigen Abnahme der hiesigen isr. Bevölkerung, welche nach Wien, Brünn und in die Stadtgemeinden überstedeln. Die sreigewordenen Wohnungen wurden an christliche Mitbürger vermiethet, welche nun die die Mehrheit der Bevölkerung in diesem noch vor 30 Jahren ausschließlich von Juden bewohnten Stadttheile bilden. Da nun die Kinder der christlichen Eltern die Schule der JSraelitengememde besuchen, o bildeten sie die Majorität der Schüler in der Schule, weßhalb nach der Schulgesetznovelle vom Jahre 1883 eine katholische Lehrkraft als Schulleiter angestellt werden mußte. Nun wollen wir als vorurtheilsfreie Bürger den letzteren Fall nicht beklagen, das dürfen und wollen wir auch nicht; nur würden wir wünschen, daß die Behörde auch dort das Gesetz so prompt