Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 90 (15.11.1897)
- Date
- 1897-11-15
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XXIVlil Jahrgang. Beilage ju M 90 des Jlsraritt“. Zeitungsnachrichten nud Corvespondenzerr. Deutschland. R. Bremen 10. Noo. Ahlwardt hat auch unsere Stadt mit einem Vorträge über das Judenthum in der alten und in der neuen Welt heimgesucht. Etwa 500 Personen haben der Einladung Folge geleistet und je 30 Pfg. als Eintrittsgeld entrichtet. Neues hörten sie freilich nicht, dafür aber die sattsam bekannten gehässigen Ausfälle gegen das Judenthum. Die „faule Eiergeschichte" wurde aufgetischt und die geplatzte Hosennath wurde zum Besten gegeben und so gings weiter bis zum Schluß, nichts wie leeres Stroh ist da gedroschen morden. Zum Schlüsse jedoch, da, wo die Diskussion begann, fing es auch an, interessant zu werden. Ein Vertreter der Arbeitervereinigung der Vereinigten Staaten eröffnet die Diskussion Nämlich damit, daß er vorweg erklärt, er sei Jude. Er spreche nicht, wie Ahlwardt, der selbst nicht weiß, woher er stammt, für Geld- Als Vertreter der Arbeiterpartei müsse er die niederträchtigen Schmähungen des Vorredners zurückweisen. Ahlwardt sei ein Geschäftsredner, er habe infame Lügen gesagt. Dieser verwahrt sich dagegen, als sei er ein Geschästsredner, er verfolge blos sein Ideal, dem er Vermögen, Amt und Familienglück geopfert Hat, um die Einnahmen kümmere er sich nicht, diese fließen in die gemeinsame Kasse Mehrere Herren wenden sich noch gegen die Ausführungen Ahlwardts, worauf dieser noch einmal in einer Suada Sturm zu laufen beginnt, wobei er Pastor Schwalb den Vorwurf macht, er sei ein getaufter Jude,- als hierauf große Unruhe und Tumult entsteht, wendet Ahlwardt seine Diplomatie an und bezeichnet Schwalb als den einzigen Juden, den er wegen seiner Offenheit ehre. Zum Schluß kam das, was wohl für ihn die Hauptsache bildete: er empfiehlt eine am Ausgange ausgelegte Brochürc zum Ankauf und vergißt auch nicht die Tellersammlung zum Besten der Sache den Versammelten an's Herz zu legen. Hoffentlich hat Ahlwardt die Ueberzeugung gewonnen, daß Bremen kein geeignetes Feld für seine Schmähungen und boshaften Ausfälle ist O e sterr.-Ungar. Monarchie. ** Wien (Gesellschaft für Sammlung und Conservirung von Kunst- und hi st orischenDenkmälern des Judenthums.) Dem Berichte über die Thätigkeit der Gesellschaft in den Jahren 1895 und 1896 entnehmen wir folgende Daten: Zu Anfang des Jahres 1893 war eine Anzahl von Männern zusammengetreten, welche sich in der Liebe zur Kunst und Wissenschaft, sowie in der Pietät für die Vergangenheit des jüdischen Volkes vereinigt haben. Diese Männer hatten sich als Ziel die Gründung eines Museums gesetzt, in welchem die historischen Denkmäler, sowie die Erzeugnisse der Literatur, Kunst und Wissenschaft, insoweit dieselben auf die politische und Kulturgeschichte der Juden Bezug haben, gleichviel ob sie von Angehörigen des Judenthums oder von solchen anderer Völker stammen, gesammelt und ausbewahrt werden sollen. Diese» Museum soll eine Lücke in den öffentlichen Sammlungen Wiens ausfüllen; denn während die öffent« lichen Museen in manchen anderen Großstädten, wie in London, Paris und Berlin, auch viele Schätze jüdischer Alterthümer bergen, haben wir in Wien, mit Ausnahme der kostbaren Sammlung hebräischer Handschriften in der kaiserlichen Hofbibliothek, welche einen alten Ruhmestitel des kaiserlichen Hauses bildet, und der erst jüngst angelegten und rühmlichst bekannten Sammlung „Papyrus Erzherzog Rainer" — welche eine größere Anzahl von hebräischen und arabischen Documenten enthält, die dem Gebiete der jüdischen Literatur und Geschichte angehören — von werthvollen Kunst- und historischen Denkmälern so gut wie gar nichts. Diesem Mangel abzuhelfen, hat sich die neugebildete Gesellschaft zur Aufgabe gemacht. Am 2. Februar 1895 erfolgte die Eonstituirung der Gesellschaft; in dieser Sitzung wurden gewählt: zum Präsidenten Herr k k. Baurath Wilhelm Süaßny; zu Biceprästdenten die Herren Adolf Ritter von Sonnenthal und Professor Dr. Politzer; zum Schriftführer Herr Architekt Max Fleischer; zum Cassaverwalter Herr Baurath Theodor Ritter von Goldschmidt; zum Eassacontrolleur Herr k. k. Ober-Baurath Sigmund Tausstg; außerdem wurden die Herren Dr. Moritz Güdemann, Oberrabbiner und Professor Ignaz Brüll, Tonkünstler, als Mitglieder des Kuratoriums cooptirt. Schon in der ersten Zeit ihres Bestandes wurden der Gesellschaft von verschiedenen Seilen zahlreiche werthvolle Gegenstände gespendet; insbesondere war es der Vieepräsident Herr Prof. Dr. Politzer, welcher dem Museum theils aus seinen eigenen Samrnlungen geeignete Objekte widmete, theilS auf seinen Reisen interessante Gegenstände erwarb, um sie sodann in großmüthiger Weise der Gesellschaft zu überlassen. Zur Ausnahme der Sammlungen wurden im November 1895 ein geeignetes Lokal im Hause I., Rathhausftraße Nr. 13, gemiethet und mit den erforderlichen Sicherheilseinrichtungen ausgerüstet. Am Schluffe des Jahres 1896 zählte die Gesellschaft fünf Stifter und 63 ordentliche Mitglieder, seither hat sich der Stand der Stifter und Mitglieder in erheblicher Weise vergrößert. Obwohl die Geldmittel, welche bisher zu Gebote standen, nur beschränkte waren, ist doch schon eine Anzahl von künstlerisch werthvollen und historisch denkwürdigen Gegenständen gesammelt worden, deren Besichtigung demnächst einem größeren Kreise von Personen, uno zwar vorerst den Gesellschaftsmitgliedern zugänglich gemacht werden soll.