Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 90 (15.11.1897)
- Date
- 1897-11-15
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1710 herrlich schöne Trostesworte und condolirte überdies auch persönlich im Trauerhause. lieber den Verlauf der Beerdigung haben hiesige Tagesblätler ausführlich berichtet, um begnüge ich mich damit, ein Ercerpi aus d u „Bremer Wad); richten" vom 3. November zu reproduzieren: Herr Gerson Block, der am Samstag plötzlich verstorbene Vorsteher der hiesigen jüdiscken Gemeinde, wurde gestern Nachmittag beerdigt. Um 3 Uhr fand eine kurze Trauerfcierkichkelt im Hause deS Entschlafenen an der Kasiersteatze statt; hier hielt der Rabbiner Dr t'. Nosenak eine kurze warm empfundene und zrl Herzen gehende Ansprache, in derer besonders das warme mitfühlende We cn des Entschlafenen schilderte Kurz ba nur setzte sich der Leichenzug nach dem israelitischen Friedhof in Haücdt in Bewegung. Es mar ein sehr imposantes Trancrgefolge von Verwandten, Gemcindemitgliedern und vielen christlich n Freunden, die deu Verstorbenen im Leben lieb gewonnen hatten, das ihm die letzte Ehre erwies. Es mögen etwa dreißig Wagen geweseil fein, die in langer Reihe seinem Sarge folgten. In der Kapelle des Friedhofes, die bei weitem nicht die Zahl der Trauergästc faßte, sprach Herr Dr. Roscnak die Predigt Er halte ihr die Worte zu Grunde gelegt: O wehe, wehe, wehe der Gemeinde, die ihren Führer verloren, wehe dem Schiff, das seinen Steuermann verloren In bewegter Rebe schilderte er den harten Verlust, der in dem Tode des Verstorbenen die Gemeinde betroffen- Gerson Bloch erinnert an das Bild eines gerechten Mannes aus der bciligeir Schrift, an No ch, von dem cs heißt: Dies sind die Erzeugnisse des Noah. Noah war ein gerechter Man», vollkonrmcn in seinem Wandel, ging er stets mit Gott. Es war nichts Falsches, ivdU3 Unedles an dem Verdorbenen; sein Herz war lauter und er führte einen rechtschaffenen Lebenswandel Diese seine guten Eharaktereigenschaften waren die Frucht einer guten Erziehung, die er als Kind einer rechtschaffenen Familie genossen hatte. Treu und mit veinlichster Sorgfalt hat er die Pietät gegen seine Eltern geübt; und ebenso treu hat er feine Gattin geliebt und die Kinder, hat er für die Gemeinde gelebt, dreißig Jahre lang für ihren inneren Frieden, sn. die Erreichung des gemeinsamen Zieles gestrebt. Er hat geholfen, so weit sein Arm reichte, er hat getröstet, so viel er konnte, er hat, wenn ciiicr im Unglück sich an ihn wandte, ihm feine Unterstützung angedeihen lassen, wenn er cs eben konnte. Und darum trauern um diesen Edlen viele heute an seinem Sarge. Möge die Hoffnung auf Gott ihnen ein Trost sein. Nach der ergreifenden Predigt wurde der Sarg zur Gruft getragen und dort unter Gebet der Erde übergeben. Möge die Fülle der Thatkraft, mit welcher der Hingeschiedene für das religiöse Gemeinwesen einzutreten wußte, noch recht lange als nachhaltig sich bewähren und möge das Andenken an diesen „Gerechten" unserer Gemeinde zum Segen gereichen! Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien, 6. November. (Srum fei er). Einer schönen und für jeden wahrhaften Jehudi und Thorafreund erhebenden Feier hatten wir Gelegenheit gestern ptwrio rn beizuwohnen, nämlich einer b'pti di’d in dem mit der „Schifsschnl" verbundenen Beth Hamidrasch B"n p nm Ich stehe noch ganz unter dem mächtigen Eindruck dieser Feier, die durch die zahlreiche Betheiligung der meisten hiesigen h*ti und anderer illustren Persönlichkeiten Wiens einen geradezu glänzenden Verlauf nahm. Wir bemerkten u. a die beiden Mitglieder des Vorstands der Cultusgemeinde, deren Vicepräsident Landesschulrath Dr. Gustav Kohn und Dr. Marcus Spitzer. Es war eine NM brp nnvrr», wie sie hier noch nie in so schöner Weise gefeiert worden war; sie wird allen Theilnehmern unvergeßlich bleiben, und deren Veranstaltern, die sich uni das Zustandekommen derselben und des sich daran schließenden fürstlichen Festmahles so sehr verdient machten, zur höchsten Ehre gereichen. Eine lvahre NM bv» nnipB, paßletl auf sie in hohem Maße die Thoraworte i^axn jix nrw. Als wir Abends halb 8 Uhr die zum prachtvollen Bankettsaale umgewandelten Lokalitäten des «man m betraten, da entrang sich uns unwillkürlich ein Ruf der Ueberraschung. Ern wahres Lichtmeer strahlte uns entgegen von den blendenden, mit Tannenreisig und Blumen unrwundenen, mit elektrischem Lichte versehenen Lnstren, von der auf einer unübersehbaren Reihe prachtvoller funfarmiger, silberner Girandolen besindlichen Unzahl von brennenden Kerzen. Unser Auge ergötzte sich an den mit Reisig und Blumenguirlanden und mit reichen goldgestickten Thoravorhängen und Draperien geschmückten Wänden des großen und anstoßenden kleineren Festsaales, gefüllt von den festlich gekleideten Mitgliedern des Beth Hamidrasch und anderer geladenen Feftgäste, aus deren Antlitz helle Freude über die gelungene und animirte Siumseier leuchtete. Dieses alles war geeignet, jeden Freund der mefa rrempn mir mit Befriedigung, ja mit wahrer Freude zu erfüllen. Beim Eingänge hatte sich ein Komitee junger Männer postiert, die als Festordner den ankommenden Festgästen ihre Plätze anwiesen. Nachdem die Festgäste an der großen, eine n bildenden Tafel Platz genommen, begann der zweite Vereinsrabbiner und fyaaxja’ia "or rra am pn mit dem dpd des letzten Traktates mz tidbb. Vorher jedoch ließ er noch in welligen aber eindringlichen Worten seinen Blick znrückschweifen ans die segensreiche Wirksamkeit dieses Beth Hamidrasch seit dessen Gründung amr» w»a, zu welcher Zeit, also vor 44 Jahren, die erste xröBB mala von bcm unvergeßlichen pby mo puan am b”M w:w noch im kleinen tsrnen jva in der ehemaligen Ankergasse vorgetragen und begonnen wurde und dann eine ganze Reihe von Jahren von ihm die Talmudvorträge allabendlich fortgesetzt wurden, gedachte des seligen Gründers, des verdienstvollen ma b1”! DnxöBw® aH pnar % der auch früher im Beth Hamidrasch 'wv'-Vorträge gehalten, kam auf die Zeit seiner eigenen „bescheidenen" Thätigkeit zu sprechen, der Zeit, in welcher er mit den v'L>-Vorträgen betraut wurde, bis zu dem Moment, wo ihm das Glück zu Theil wurde a"aa zu sein. Nach der Erklä-