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Der Israelit · 1897-11-11 · Heft 89 (11.11.1897) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 89 (11.11.1897)
Date
1897-11-11
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1697 seinem Reiche gründlich zu besiern. So soll es den Juden, die einen akademischen Grad erlangt haben, gestattet werden, sich in allen Städten Sibiriens anzusiedeln und allen jenen jüd. Geschäftsreisenden wieder. die tn Bodenprodukten, besonders aber in Hopfen machen, soll der freie Uebertritt nach Rußland erlaubt werden. Die Hopfenhändler Rußland haben Nämlich die Regierung darauf aufmerksam gemacht, daß, seitdem die jüdischen Geschäftsreisenden die russische Grenze nicht mehr frei überschreiten können, ihr Geschäft ganz darnieder liege, da der Hopfen nicht mehr so lebhaft, wie früher gesucht wird, und bl-ibe ihnen daher ihr Hopfenvorrath auf dein Halse. R u m ä n i e n. ** Ploefti, 8. Rov. (Officieller Anti- ) e witis m u s.) Gestern wurde hier ein den Kriegern von 1877 gewidmetes Denkmal in Gegenwart des Königs, der Minister, der Spitzen der Civil- und Militärbehörden und sämmlicher privater Vereine enthüllt. Der Fonds zur Anschaffung dieses Denkmales wurde durch öffentliche Subscripnonslisten aufgebracht und in Berücksichtigung des Umstandes, daß die hiesi.en Juden verhältnißmäßig mehr beisteuerten, als die Stockiumänen, fand sich das betreffende Jnitialiv-Comite veranlaßt, auch unseren Rabbiner und den Präfis des Vereines heimischer, der Militärpflicht uachgekommener Israeliten offiziell zur Festivität einzuladen. Programmgemäß sollte dem Vereine eine gleichartige Participarion wie den anderen hierortigen Corporationen eingeräumt werden. Als man jeboä) Herrn S turdza das Festprogramm zur Einsicht vorlegte, fand unser Premier in seiner bekannten Hebräphobie nichts Befferes zu thun, als die Juden gänzlich zu eliminiren mit dem Bemerken: „Wir brauchen diese Leute nicht." Man denke sich unsere Empfindung.' Wir gaben nicht nur unser Geld her, sondern in dem betreffenden zweiten Jägerbataillon dienten zur Zeit des Krieges von 1877 mehrere hiesige Glaubensgenoffen und bei der Erstürmung der Grivitzaredoute, die das errichtete Monument verewigen sollte, sind einige unserer Kinder den Heldentod gestorben. Nicht wahr, eine schöne Ermunterung sür unsere Jugend, ihr Gut und Blut pro patria herzugeben. Türkei. § Bimfsa lieber Anempfehlung des Großveziers hat der Sultan unseren Chacham-Baschi zum permanenten Mitgliede des Verwaltungsrathes unserer Provinz ernannt. Bedenkt man, daß der Vermaltungsrath (Meojliß) nur aus wenigen Mitgliedern besteht, die fast durchwegs zu den Notablen der Provinz gehören, so wird man leicht einsehen, welche Ehre unserem Chacham-Baschi mit dieser Ernennung widerfahren ist. Afrika.? Algier. Unser neuer General-Gouverneur Lupine hat, wie man anerkennen muß, sofort energisch Stellung genommen gegen die antisemitischen Wühlereien, welche den Frieden unserer Provinz bedrohen. Das von ihm erlaffene Manifest, das wir im Wortlaute wiedergeben, hat sehr beruhigend gewirkt. Dasselbe lautet wie folgt: „Leute von Algier! Eine Friedensmlffion hat mir die Regierung der Republik anvertraut. Sie sendet mich, damit ich mit Euch gemeinsam am Wähle dieses schönen Landes arbeite und an dem Fortschritte seiner Kultur Das ökonomische Problem, dem Boden der Provinz seinen wahren Werth zu verleihen, welches uns seit 60 Jahren beschäftigt, harrt noch immer seiner definitiven Lösung. In den Untersuchungen, die ich darüber anstellen werde, hoffe ich d'e Arbeiten meiner ausgezeichneten Vorgänger benutzen zu können, ebenso wie die Rathschläge aller Euerer Repräsentanten aus den verschiedensten Klassen und ich rechne auf die Hilfe, welche Erfahrung und Wissenschaft meiner Arbeit gewähren können; aber die erste und wichtigste Bedingung des Erfolges liegt in Euren Händen. Macht ein Ende den nutzlosen Agitationen, den Nassen- und Parteikämpfen, welche die allgemeine Sicherheit täglich in Frage stellen, die genau so nothw ndig ist für die landwirthschaftlichen Geschäfte, wie für die and-ren Unternehmungen. Zählt auf mich bei der Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung und des öffentlichen Friedens. In dem Konflikt der Einzel-Interessen verlangt von der Regierung nichts weiter, als die Vertretung der Allgemeinheit und die strengste Unparteilichkeit, denn in erster Linie schuldet die Regierung Jedermann gleiche Gerechtigkeit, den Kolonisten sowohl, wie den Eingeborenen. Die Regierung der Republik, als deren Beauftragter ich zu Euch komme, garantirt Jedermann den friedlichen Gebrauch der öffentlichen Rechte und sie wird überall den nöthigen Respekt erzwingen vor der Autorität de§ allgemeinen Stimmrechts, dessen Entscheidungen weder beeinflußt werden dürfen, noch bestritten werden können. Ich werde ganz gewiß die Gewissensfreiheit sichern und erkläre feierlich, daß, so lange ich Gouverneur bin, Jedermann m Algier frei feine Religion ausübcn darf, ohne Jemand Rechenschaft zu schulden. In Parteistreitigkeiten will ich mich nicht mischen, ich will mich keiner Richtung ansch!letzen und will meinem Amte die absolut nothwendlge Unabhängigkeit von allen Parteien erhalten. Von ganzem Herzen widme ich mich der Thatigkeit sür Algier und werde ihr alle meine Kräfte weihen, welche meine lange öffentliche Dienstzeit mir übrig gelassen hat. Der Gouverneurgeneral Löpine. Zunächst wenigstens hat diese Erklärung ein wenig Ruhe geschafft, wir würden es indeffen sehr bedauern, wenn unsere Glaubensgenossen in Algier sich in eine falsche Hoffnung einwiegen ließen. Die Antisemiten finden immer neue Ermunterung in den eigenthümlichen Urtheilen, welche die Gerichte gegen die Rädelsführer der Judenhetze fällen. Es sind die Redakteure und Herausgeber des „Antijuif" in einer Reihe von Fällen ganz besonders schwerer Verläumdungen gegen Mam. Manton nur zu -Geldstrafen verurtheilt worden, allerdings zu Frcs. 2800, obwohl Jedermann bei der Schwere der Verläumdungen Ge-

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