Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 89 (11.11.1897)
- Date
- 1897-11-11
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2448705-2448788--44877-2493993- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
1692 KeuMeto«. Dajan der United SynagogueS mit einem Gehalt von 4600 M. erwählt. — Wir haben hier immer noch die lebhafteste Diskussion der Judensrage in den Tagesblätlern; in der ,,Pall Mall Gazette" und in der „Centemporary Review" setzt Arnold White seinen judenfeindlichen Feldzug fort, jedoch jetzt mit der Modification, daß er in erster Linie die reichen Juden angreift, die zur Besserung der Lage ihrer Brüder im Osten gar nichts oder nicht genug thun. Eigentlich greift er bei dieser Gelegenheit alle Reichen heftig an, denn alle diese leisten nach ihm auch nicht annährend das, wozu sie verpflichtet wären. Dagegen werft rrn „Daily Chrvnicle" Fächer Ignatius, der bekannte zionistische Mönch, wieder auf die Judenstaatsidee als die einzige Hülfe hin. Als Kuriosum verdient noch erwähnt zu werden, daß die „Pall Mall Gazette" aus einer Seitung in Manchester die Tartarennachricht übernimmt, die Juden in Amerika sammelten bereits Baumaterial toftbarfter Art für die Neuerrichtung des Tempels. Dänemark. 8. Kopenhagen, 7. Nov. Hier hielt gestern Abend Herr Dr. Heinrich L o e w e aus Jaffa in einer Versammlung oerckoeckislc Forening for Palästinas Colonisation einen sehr zahlreich besuchten Vortrag über jüdischen Ackerbau im Heiligen Lande. Nachdem der Redner in großen Zügen ein Bild des Landes und seiner Geschichte entrollt hatte, zeigte er die Entstehung und Entwicklung, welche der jüdischpalästinische Koloniftengedanke in den fünfzehn Jahren dieser Thätigkeit genommen hatte. Während die drei er,len Kolonien im Jahre 1862 ohne alle Hilfsmittel gegründet wurden von Leuten, denen der Ackerbau völlig fremd und unbekannt war, nämlich Rischon-l'Zion, Schuron und Rosch-Pinah hat inzwischen drcse landwirthschaftlichckulturelle Thätigkeit einen so gewaltigen Aufschwung genommen, wie man es selbst dann nicht von vornherein hätte erwarten dürfen, wenn die Kolonisten von jeher Bauern gewesen und unter dem Schutze europäischer Macht ihre civilisatorische Arbeit begonnen hätten. Um so großartiger ist der Erfolg, wenn auf einer Ausstellung in Hamburg, wo Wein wirklich eines der am meisten gehandelten Produkte ist, und wo man deßhalb durchaus kritisch jedem neuen Weinprodukte gegenübersteht, die Weine von Rischon-l'Zion mit einer Medaille von der Jury bedacht wurden. Der Vortrag, der lebhaft an das jüdische Gefühl der Hörer appellirte, wurde mit reichem Beisalle gelohnt, und trägt dazu bei, daß recht viele neue Mitglieder der Joedisk Forening for Palaestinas Colonisation beitreten. Die Stunde der Vergeltung Bon Paul Gotthelf. 16) sAlle Rechte Vorbehalten.^ Vater und Sohn umarmten und küßten sich und nun sagte der Erstere: „Aber wo ist mein Kutscher?" Chörie antwortete, was er wußte, was er gesehen und daraufhin leitete er langsam den Wagen zu der Stelle zurück, wo der Kutscher vom Wagen herabgesprungen sein mußte. Sie suchten beide überall, konnten aber außer einer Blutspur, die in's Feld führte, nichts entdecken. Beide riefen nun aus Leibeskräften und als sie trotz aller Mühe keine Antwort erhielten, fuhren sie ins nächste Dorf zurück um dort auszuruhen und zu übernachten. Kurz vor dem Dorfe begegnete ihnen eine Militärpatrouille, deren Anführer den Wagen mit argwöhnischen Blicken musterte. Dem jungen Manne erbebte das Herz, und als der Unteroffizier an den Wagen herantrat und „Halt" rief, hielt er sich verloren. Stramm blieb er auf dem Bocke sitzen, seine Aufmerksamkeit scheinbar den Pferden widmend, doch verlor er kein Wort der Unterredung zwischen seinem Vater und dem Unteroffizier. „Verzeihung, mein Herr," sprach dieser, „darf ich um Ihren Namen bitten?" „Mein Name ist Alphonse Cohen," entgegnete der alte Mann in deutscher Sprache. „Haben Sie einen Paß?" „Ja, mein Herr," und er zeigte einen vom Generalkommondo ausgestellten Passierschein, der den Soldaten befriedigte. Doch warf er einen mißtrauischen Blick auf den jungen Mann und fragte: „Und das ist Ihr Kutscher?" „Ja, mein Herr," entgegnete der Alte, „ein treuer Knabe, der in meinem Hause geboren und erzogen wurde und wie ein Sohn an mir hängt. Nicht wahr Chtzrie?" „Monsieur?" „Ja so," entgegnete lächelnd der alte Herr, „er spricht nur französisch und versteht kein Wort unserer Unterhaltung." „Und wie heißt er?" „Claude Chörie," entgegnete vorsichtig der alte Mann; „doch weßhalb inquiriren Sie so genau mein Herr? Es ist das erste Mal, daß mir das auf deutschem Boden passiiert?" „Ja," versetzte der Unteroffizier, „es sind ver-