Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 89 (11.11.1897)
- Date
- 1897-11-11
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1691 nardirektors Rabbiner Dr. Plato, welcher allen Mitwtrkenden an dem großen und schönen Werke der Menschenliebe, die sich dem vornehmsten Ziele gemeinnütziger Thätigkeit, der Veredelung der jugendlichen Menschenblüthen, widmet, den tiefgefühlten Dank aussprach. Der ehrwürdige greise Redner schloß seine geistvollen Ausführungen mit dem Segen, den er der Anstalt und allen Förderern ihrer edlen Bestrebungen ertheilte. Herr Stadtverordneter Liebmann verbrei tete sich über die Entstehung der Anstalt, die im Jahre 1890 von vier Damen ins Leben gerufen wurde. Dem Vorstande, der jetzt aus 9 Damen besteht, ist ein Beirath von 5 Damen beigegeben. Der Verein besitzt heute 500 Mitglieder. Auf dem Hause lastet noch eine Hypothek von 25,000 Mark, welche edle Wohlthäter tilgen helfen möchten. Seitens der Stadt wurde der Anstalt ein Zuschuß von 250 M. jährlich bewilligt, womit sie deren edle Bestrebungen offiziell anerkannt hat. Zum Schluffe seiner begeisternden Ansprache gedachte Redner mit besonderer Wärme des höchsten Beschützers aller guten und schönen Bestrebungen im Lande, des Mehrers des Wohlergehens seiner Unterthanen, unseres erhabenen Kaisers und seiner hohen Gemahlin, der Kaiserin, dem leuchtenden Vorbilde aller edlen deutschen Frauen in ihren, dem Wohle der Hülfsbedürftigen und Schwachen gewidmeten LiebeSwerken. Mit hoher Begeisterung stimmte die Festoersammlung dreimal in das Hoch ein, welches Redner dem geliebten Kaiserpaare darbrachte. Nunmehr nahm Herr Stadlschulrath Dr. Brandenberg das Wort zu einer bedeutsamen Ansprache, in welcher er zunächst hervorhob, wie es ihn mit besonderer Freude erfülle, als Vertreter des Herrn Oberbürgermeisters bei der Feier zu erscheinen, er sei aber auch als Vertreter des städtischen Erziehung«- und Schulwesens gekommen, um zu bekunden, wie sehr er die auf die Vorbildung der später in die Elementarschule eintretenden Kinder gerichtete Wirksamkeit der Kinder - Bewahranstalten schätze. Mit dieser Anstalt sei auch eine Kochschule verbunden, durch welche die jungen Mädchen im HauShaltungSwesen ausgebildet und zu tüchtigen, sparsamen Hausfrauen erzogen werden. StädtischerseitS, und namentlich soweit es in seinen Kräften stehe, werde die Anstalt stets die wirksamste Unterstützung finden. Er begrüße es freudig, daß die Anstalt nunmehr ein eigenes Heim gefunden, einen festen Sitz, von welchem aus sie für alle Zeilen ihre segenbringende, gemeinnützige Thätigkeit entfalten möge. Das walte Gott! Die Worte des Herrn Stadtschulraths waren von packender Wirkung und fanden begeisterte Aufnahme. Ein reizendes Festspiel, gedichtet von Frl. Katharina Roßbach—Köln, dargeftellt von Frl. Seligmann und mehreren, als Heinzelmännchen kostümirten Kindern der Anstalt, gereichte der begabten Dichterin und den Milwirkenden zur hohen Ehre. Es klappte ganz vortrefflich und gab dem Danke der Kinder an ihre Wohlthäter poetischschönen Ausdruck. Ein Schlußchor des Fillerfchen Gesangvereins beendete die in allen Theilen auf das würdigste verlaufene erhebende Feier, deren Eindruck auf alle Theilnehmer sichtlich von tiefgehender Wirkung war. Wie wir erfahren, hat u. a. Herr Leonhard Tietz zur Erwerbung des Vereinshauses eine reiche Beisteuer geleistet, ebenso erwarb sich Herr Isidor Dülken um das Zustandekommen des edlen Werkes große Verdienste. Den Vereinsmitgliedern, welche zu der Einweihungsfeier einzuladen die Raumverhältnisie nicht gestatteten, will der Vorstand in den nächsten acht Tagen Gelegenheit bieten, die Anstalt zu besichtigen. England. B. London Am 29. Okt. fand eine Sitzung des Komitees für den Religionsunterricht statt, bei welcher Gelegenheit außer geschäftlichen Dingen ein wichtiger Punkt zur Sprache kam. Herr Elkan Adler constatierte, daß eine Menge von Schulen existirten, deren jüdische Schüler aus Mangel eines geeigneten Religionsunterrichtes, den Unterricht in der christlichen Religion mitnehmen. Viele jüdische Eltern befinden sich in dem Glauben, sie seien garnicht berechtigt, ihre Kinder vom christlichen Religionsunterricht zu dispensieren. Der Oberrabbiner theilte mit, daß ihm eine ganze Reihe von Fällen bekannt sind, in denen jüdische Kinder Preise für ihre ausgezeichneten Leistungen in der christlichen Religion erhalten haben. Mit Recht bezeichnet der Oberrabbiner einen solchen Zustand der großen Londoner jüdischen Gemeinde unwürdig. Das Exekutiv-Komitee wird beauftragt, Schritte in dieser Angelegenheit zu thun, insbesondere wird ein Circulair versandt werden, in dem die jüdischen Eltern daraus aufmerksam gemacht werden, daß sie durchaus berechtigt sind, jederzeit ihre Kinder von dem christlichen Religionsunterricht dispensiren zu lasten. Ferner wurde beschlosten, denjenigen Kindern, die am jüdischen Religionsunterricht regelmäßig theilnehmen, Medaillen zu verleihen, und zwar für regelmäßigen Schulbesuch während zweier Jahre weiße Medaillen, für desgl. wahrend vier Jahren bronzene Medaillen und für regelmäßigen Schulbesuch während voller sechs Jahren silberne Medaillen. Ein Abänderungsantrag, Bücher zu verleihen, wurde abgelehnt. Die ungenügende Versorgung mit Religionsunterricht kam auch in der Versammlung der United Synagogues zur Sprache und auch hier wurde beschlosten, geeignete Schritte zu thun, um diesem Mangel abzuhelfen. Freilich bleibt abzuwarten, mit welchem Erfolg. In derselben Versammlung wurde Rev. Sußmann Cohen zum ary M