Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 89 (11.11.1897)
- Date
- 1897-11-11
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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1690 Zettimg-itach*ichteit utt* Eorrefporrdenze« Deutschland. ER. Berlin, 7. Nov. Die heutige Sitzung der R e p r ci f c n t a n t e u bec jüdischen Gemeinde wurde mit der Mittheilung des Gemeindevorstandes betreffend Schriftwechsel mit oen Behörden in Sachen des jüdischen Religionsunterrichts eröffnet. Das Polizeipräsidium gibt hierin die Namen der jüdischen Kinder, welche hier Schulen besuchen und keinen Religionsunterricht haben, an, mit dem Ersuchen Weiteres zu veranlassen. Die Versammlung nahm von dem Schriftwechsel Kenntniß und beschloß außerdem zur Regelung der Angelegenheit eine gemischte Commission von drei Vorstehern und sechs Repräsentanten mit Kooptation einzusetzen. Vom Vorstandötische wurde in Aussicht gestellt, daß seitens der Gemeinde-Aeltesten eine so hohe Zahl von Deputirten abgelehnt werden würde. Ein Antrag Tiktin die betreffenden Mitglieder der Versammlung gleich zu wählen, wurde abgelehnt. Zur Revision der Kassen und des Depositori werden die Herren Julius Oppenheim, Direktor Isidor Sachs, Süßkind und Moritz Neufeld gewählt. In die gemischte Commission zur Berathung der Neugestaltung des jüdischen Krankenhauses werden die Herren Prof. Baginsky, Geheimrath Senator, Joseph Fraenkel und Rudolf Mosse gewählt. Die Vorlage betreffend die Satzungen des Waisenhauses Pankow wird vertagt. Als dringlich werden 2000 M. für Pflasterung eines Weges an der südwestlichen Seite des Friedhofs in Weißensee bewilligt. K. Berlin. Erfreuliche Resultate hat die Thätigkeit des „E S r a"-V e r e i n zur Unterstützung ackerbautreibender Juden in Palästina und Syrien in der letzten Zeit gehabt. Durch seine Initiative gelang es gemeinsam mit einigen anderen Vereinen für die schwer geprüfte Kolonie Mischmar-Hajarden endlich die Kaufbriefe über das Land zu beschaffen. Damit war für das Gedeihen dieser Kolonie die schwierigste Frage gelöst, da die Bauern endlich auf eigenem Grund und Boden sitzen und nicht mehr in der Gefahr schweben von ihrem Gläubiger, dem sie noch den Kaufpreis für Grund und Boden zum größteu Theil schuldeten, von Haus und Hof vertrieben zu werden. Alsdann gelang es dem „Esra", der seinerseits noch die Ordnung der bisherigen Schulden der Kolonie übernahm, eine kapitalkräftigere Gesellschaft zu sinden, welche die Reorganisation von Mischmar im großen Style übernehmen wird. Damit ist nun endlich auch für die schwergeprüften Kolonisten in diesem Dorfe die Zeit der Besserung gekommen, und in nicht allzu ferner Zeit wird Mischmar zu den best gedeihensten der jüdischen Kolonien in Palästina gerechnet werden können. Diesen Fortschritt haben die Kolonisten in erster Linie der opferbereiten Initiative des „Esra" zu danken. Auch aus der kleinen Kolonie, welcher der Verein bei Rechowoth angelegt hat, und die seinen Namen trägt, kommen sehr erfreuliche Nachrichten. Der Häuserbau ist beendigt und die Vertheilung hat stattgefnnden. Eifrig sind die angesiedelten Familien bei der Arbeit ihre Pflanzungen einzurichten und die ganze Anlage ist so viel versprechend, daß der Esra, so bald seine Mittel ihm dies gestatten, unzweifelhaft eine Erweiterung und abermalige Ansiedlung einiger Familien unternehmen dürfte. Diese Erfolge des Esra zeigen, was auch mit kleinen Mitteln erreicht werden kann, und in welcher Weise die Kolonisation Paläftina's praktisch gefördert werden kann, ohne daß man sich dabei auf das Gebiet der hohen Politik einzulassen braucht, denn der Esra ist bekanntlich nur ein Unterstützungsverein, der keinerlei Politik treibt, also weder zionistisch noch antizionistisch ist, sondern sich darauf beschränkt nach seinen bescheidenen Kräften Gutes zu thun. Wie es heißt, beabsichtigt der Esra eine kräftige Propaganda in diesem Winter zu veranstalten, um seine Mitgliederzahl zu vergrößern. Wir wünschen dem segensreich wirkenden Verein dabei viel Erfolg! N. Köln, 10. Nov. (Einw eih ungs fe i e r.) Zur Einweihung seines neu erworbenen Hauses, Bayardsgasse 3, des Vereins für die Israelitische Kinderbewahr-Anstalt und Kochschule in Köln, hatte sich am vorigen Sonntag Vormittag eine stattliche Anzahl Herren und Damen in den auf das sinnigste und schönste geschmückten Räumen des neuen Vereinshauses eingefunden. Die Festfeier, welche in dem geräumigen Konferenzsaals der Anstalt ftattfand, nahm einen überaus schönen, erhebenden Verlaus. An der Stirnseite des Saales hatte man ein Podium errichtet, die Wand schmückte das reichbekränzte Bild unseres Kaisers, während der Schmuck der längsseitigen Wand aus einem großen Bilde Kaiser Wilhelms des Großen bestand. Unter den Ehrengästen bemerkten wir als den Vertreter des Herrn Oberbürgermeisters und der Schulbehörde Herrn Stadtschulrath Dr. Brandenberg, ferner die Herren Seminardirektor Rabbiner Dr. Plato, Rabb. Dr. Rosenthal, Stadtverordneter Liebmann, den Vorsitzenden des Vorstandes der Synagogengemeinde, Herrn I. de Jonge, Mitglieder des Vorstandes und des Repräsentanten- Kollegiums der Synagogengemeinde und Vertreter der israelitischen Wohlthätigkeils - Anstalten. Die Feier wurde durch das vom Filler'schen Männergesangverein klangschön vorgetragene „Bundeslied" von Mozart stimmungsvoll eingeleitet. Der junge Verein leistete unter Kapellmeister Fillers Leitung ganz Ausgezeichnetes. «Eslfolgte die gedankenreiche, nach Form und Inhalt meisterhafte Weiherede des Herrn Semi-