Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 88 (8.11.1897)
- Date
- 1897-11-08
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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1680 ihre Ueberzeugung dahin aus, daß die Betheiligung deutscher Israeliten in größerer Anzahl an der heimischen Landwirthschaft mit allen zu Gebote stehenden Kräfte erstrebt werden muß" wird in folgender Fassung angenommen: „Die Konferenz will zu diesem Zwecke s.) um die Erziehung der Jugend zur Bodenbewirthschaftung und den sonstigen ländlichen Gewerben zu fördern, 1. für die kräftige Unterstützung und Hebung der Israelitischen Erziehungsanstalt in Ahlen eintreten; 2. die Errichtung von Schulgärten bei allen israelitischen Knaben-, Mädchenschulen und Waisenanstalten herbeizuführen suchen; 3. die Lehrer veranlassen, in den Sommerferien Gartenbaukurse zu absolviren; 4. auf die Einrichtung obligatorischen Unterrichts in Obst-, Gemüse- und Blumenpflege in allen israelitischen Lehrer-Seminarien Deutschlands hinwirken.- — Eine recht lebhafte Diskussion schloß sich noch an die Berathung des Punktes 5, in welchem bestimmt wird, „eine Erforschung über Eignung und Lust der Juden zu den ländlichen Beschäftigungen zu veranlassen." Nach lanaer Debatte, an der sich auch drei Landwirthe betheiligen, erhält Nummer 5 in folgender Form die Genehmigung der Versammlung : d) um in zweckmäßiger Weise in der Gegenwart bereitdie Vermehrung der Seßhaftigkeit auf dem Lande einzuleiten, 5. die erforderlichen Ermittelungen anzustellen, insbesondere über die Erfahrungen jüdischer Landwirthe und die Möglichkeit, jüdische Arbeitskräfte bei ihnen einzustellen." Punkt 6. betreffend die Herbeiführung von Niederlassungen in Einzel- und Gemeindewirthschaften wird vom Vorsitzenden zurückgezogen. Zu Punkt 3 endlich wird von der Versammlung zur Durchführung der von ihr bekundeten Absichten die Errichtung eines „Vereinzur Beförderung der Bodenkultur unter den Juden Deutschlands" beschloffen. Zur provisorischen Leitung des Vereins werden mit dem Rechte der Kooptation folgende Herren gewählt: Gustav Tuch, Rechtsanwalt Heinemann, Alphonfe Jacobson, A. M. Simon, Oberamimann Cohn, Rabbiner Dr. Plaut, Eugen Rosenstiel und Rechtsanwalt Dr. Horwitz. ** Berlin, 2. Nov. (Jüdischer Religionsunterricht.) Die Direktoren der höheren Mädchenschulen, die Rektoren der Gemeindeschulen, sowie die Vorsteher der Privatschulen in Berlin erhielten folgendes von der städtischen Schuldeputation hier unter dem 14. Oktober 1897 datiertes Schreiben: „Der Herr Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal-Angelegenheiten hat angeordnet, daß sich die Leiter der Schulen von jedem die Schule beuchenden Kinde jüdischer Religion innerhalb des schulpflichtigen Alter? eine bescheinigte Nachweisung darüber erbringen lassen, daß und von wem dasselbe Religionsunterricht in seinem Glauben erhält. Im Anschluß an diese Anordnung veranlassen wir Sie im Aufträge deS königlichen Provinzial-Schulkollegiums, ein Verzeichniß derjenigen jüdischen Kinder, welche die von Ihnen geleitete Anstalt besuchen und keinen jüdischen NeUzivnsunterricht erhalten, hierunter aufzustellen und binnen sechs Tagen an uns einzureichen." Berlin, 5. Nov. („Judenflinten"?) In Dortmund hielt am Freitag Abend Abg. Ahlwardt eine Versammlung ab, in der er behauptete, daß von den Flinten, die der Staat von Löwe für 50 Millionen Mark gekauft habe, keine einzige mehr in der Armee zu finden sei. Man erzähle sich, daß in Hörde ganze Wagenladungen von diesen Flinten ankamen und im „Feurigen Elias" ihr Ende fänden. Gestern hielt Ahlwardt in Berlin eine sehr stark besuchte Versammlung in Martens Salon ab, in welcher er mit Bezug hierauf bemerkte: In Hörde kommen jetzt täglich ganze Wagenladungen zerbrochener Gewehre mit dem „Stempel Ludwig Löwe" an. Diese, die neu 58 M. das Stück kosten, seien für 15 Pfg. pro Stück erhältlich. Sie werden in Hörde umgeschmolzen, und in glühendem Zustande werde diese Metallmasse per Eisenbahn wegbefördert. Niemand wisse, woher diese Gewehre kommen, und wohin die Metallmasse befördert werde. Er sei noch heute der festen Ueberzeugung: er hätte Recht mit seiner Behauptung, daß die Löwe'schen Gewehre kriegsuntauglich seien. — Wir legen diesen Behauptungen Ahlwardts, so schreibt die ultramontane „Germania", nicht den geringsten Werth bei. Was von Fachmännern hinsichtlich des Gewehres M. 88 zugestanden wird, beschränkt sich darauf, daß die Construction deffelben, gleich derjenigen aller bisher eingeführten kleinkalibrigen Mehrlader sehr empfindlich ist und nicht an die relative Kriegstauglichkeit des Zündnadel- und Mausergewehres heranreicht. In Folge dessen hat jetzt schon die dritte Auswechselung der Friedensgarnitur zu umfassenden Reparaturen ftattgefunden. O e ft e r r. - U n g a r. Mo n a r ch i e. § Trieft, 31. Oktober. Der „Israelit" hat gemeldet, daß die hohe Statthalterei das neue Statut für unsere CultuSgemeinde und ihr Gebiet sanctionirt hat, in Folge dessen die Vollmachten unseres bisherigen Vorstandes erloschen sind und wird derselbe daher sein Amt mederlegen. Die Neuwahlen werden in einigen Tagen statlfinden, doch ist es vorauszusehen, daß unser bisheriger Vorstand, der wirklich NUl größtem Eifer seinen Amt-spfluchten oblag, neuerdings aus der Wahlurne hervorgehen wird. Während der Feiertage starb hier der emeritirte Rabbiner von Görz, Rabbi Salomon Gentill i. Derselbe war ein Zögling des Paduaner Rabbmer- Gerninars, dabei aber von conservaüver Gesinnung. Vor einigen Jahren legte er freiwillig sein Amt nieder und zog sich hieher zurück, wo er nun als bescheidener Privatmann lebte. Auch sein Leichenbegängniß war einfach und bescheiden. a'nrr *n*wt3 mnat wotw rrn.