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Der Israelit · 1897-11-08 · Heft 88 (8.11.1897) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 88 (8.11.1897)
Date
1897-11-08
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1676 ewigen Ruhe abgerufen war. Eine Trauerrede hatte der Beglichene, dessen Bescheidenheit, seinem großen Wissen entsprach,".sich verbeten, p3N"V *?y?dh Vermischtes. Wien (Tie Uebersetzungen der Bibel.) Die Frage, in wie viel sprachen der Welt die Bibel übersetzt ist, hat der Lrecretär der britischen und ausländischen Bibelgesellschaft, I- G. Watt, kürzlich zu beantworten gesucht. Er bat. wie die Res. Ziirchzlg mitthcilt, eine^ Liste zusarnnlengcftellt, nach welcher bis jetzt die Heilige Schrift in vollnändiger Ausgabe in 40 europäischen, 4! asiatischen, 14 asrikanischen, 10 australischen, beziehentlich oceanischen, und 3 amerikanischen sprachen erschienen ist, insgesamml also in 108 Sprachen. Die Zahl der Uebersetzungen einzelner Tbeile der Bibel übersteigt diese Zahl um das Vierfache Während die Bibel noch nie vollständig ins Chinesische übersetzt wurde, sind z. B. in 10 verschiedenen chinesischen Mundarten Uebersetzungen eiuzelucr Schrifttheile vorhanden Feuilleton. Die Stunde der Vergeltung. Von Paul Gotthelf. 10) (Alle Rechte Vorbehalten.! „Run das ist ja gut, und was würden Sie dann thun?" „Was ich thun würde? Ach, Nichts,' ich kann ja nicht: diese verd—" „Stille sein, mein Lieber; nicht ungeduldig werden; was Gott schickt, muß man ertragen." „Das ist eine billige Philosophie." „Billig mag sie sein, aber sie ist trotzdem gut." „Ja, wer noch solch' kindlich gläubiges Gemüth bat, wie Sie es haben, sür den sind alle Zufälle, die ihn treffen, göttliche Fügungen und er tröstet sich mit dem Spruch: „Was Gott thnt, das ist wohlgcthan." Ach, jene naive Zeit ist bei mir längst vorbei. Wer die Natur mit dem Secirmesser studiert, für den ist es zu Ende mit dem Glauben. Er findet nichts Göttliches in deren Wirken. Alles offenbart sich als Ursache und Wirkung, und sür die Existenz einer göttlichen Macht hat die Wissenschaft keine Beweise." „So glauben Sie an keinen Gott V „Gewiß glaube ich an einen 'Gott, aber wer und was dieser Gott ist, das kann ich Ihnen nicht sagen." „Und in dem Studium der Natur finden Sie keinen Beweis für das Dasein eines Gottes?" „Auch das, aber ich kann mir meinen Gott nicht so vorstellen wie Sie. Denken Sie sich die Größe der Welt. Millionen und aber Millionen Wellen, die Sterne, die am Firmamente kreisen und deren Bewohner vielleicht bessere Wesen sind als wir, sie alle machen Anspruch aus die Fürsorge Gottes, sie alle soll er führen unö teilen und da sollen wir glauben, daß er in das Schicksal eines jeden Menschen, der doch ein Nichts ist in der Schöpfung, da die Erde selbst nur ein „Dropsen am Eimer", thätlg eingreife? Nein, Alice, schon dieser Gedanke könnte mich zum Zweifler machen." „Ich bin vielleicht ein unwissendes Mädchen, aber ich denke mir die Sache doch anders. Glauben Sie, daß wenn ein Vater zwölf Söhne hat und diese sich nach allen Richtungen der Windrose zerstreuen, glauben Sie, daß der Vater das Interesse an einem seiner Söhne verliert?" „Das kommt daraus an; Zeit und Entfernung thun gar vieles!" „Das ist recht; eine bessere Antwort konnten Sie mir nicht geben. Zeit und Entfernung thun gar vieles. Wie lange ist es her, daß Sie zum letzten Mate zu Ihrem Vater im Himmel gesprochen'? Wie weit ist sein Haus von Ihrem Hause entfernt, daß Sie den Weg zu ihm nicht finden? Ihr Vater im Himmel hat Sie nicht vergessen, aber Sie haben seiner nicht gedacht, und da schickt er seine Boten, die Sie an ihn erinnern sollen." „Und dieser Bote war der Franzose? Er hat seinen Botenlohn sofort erhalten." „Wenn ich nun dieser Bote wäre?" „Das ließe ich mir eher gefallen." „Denken Sie, ich sei solcher Gottesbote und sei gesandt, Sie an Gott zu erinnern." „Und wenn ich das denken würde?" „So würden Sie bald den rechten Glauben und das wahre Glück wiedersinden." „Und welchen Vortheil hätte ich davon?" „Welchen Vortheil? Ruhe des Gemütbes, Vertrauen in die Zukunft, die Liebe und Achtung aller Menschen; übrigens glaubt man nicht um irgend eines Vortheiles halber. Sehen Sie, als ich Sie aus dem Schlachtselde fand, da versprachen wir uns gegenseitig, gute Kameraden zu sein, und ich erinnere Sie heute an jenes Versprechen; wir können nicht Kameraden sein, wenn wir in solchen Kardinalpunkten nicht denken, einer wie der andere." „So wollen Sie mir die Kameradschaft kündigen." „Nein, gewiß nicht. Ich meine es mit Ihnen gut. Sie sind mir lieb und theuer, wie —" „Nun, wie?" „Sagen wir, wie ein Bruder." „Damit bin ich nicht zufrieden." „Sie sind auch unbescheiden." „Rein, liebe Alice, mit der Kameradschaft ist es aus. Ich kann es nicht länger ertragen; ich liebe Dich mit der ganzen Kraft meiner Seele und Dein

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