Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 88 (8.11.1897)
- Date
- 1897-11-08
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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WWWWWWMWWWDWM^WMBWWMW MMWWff 1675 halten, so lange die Weinlese dauert, weil durch die jüdischen Händler höhere Preise für den Wein zu erzielen sind.? Petersburg. Bekanntlich ist es seit 1882 den Juden verboten, auf den Dörfern zu wohnen, trotzdem behielten eine ganze Menge ihre Wohnsitze dort. Ein neues Gesetz vom Jahre 1887 ordnete daher an, daß Diejenigen, welche von 1882—87 auf den Dörfern Wohnsitz genommen hatten, dort bleiben dürfen, nur sneue Ansiedelungen sollten nicht gestattet werden. Die Polizei kümmert sich aber nicht viel um dies Gesetz, und treibt auch solche aus, welche schon lange vor 1887 in den Dörfern ansässig waren. Auf die Appellation eines von solcher Ausweisung Betroffenen, beschäftigte sich jetzt der Senat mit dieser Angelegenheit und entschied zu Gunsten des Klägers. — Ein Petersburger Gelehrter, M. Pereferkowitsch, giebt jetzt unter dem Titel „Der Talmud, sein Inhalt und seine Geschichte", eine Übersetzung der Mischnah in das Russische, heraus. Bisher ist der Traktat „Seraim" erschienen, das erste Buch dieser Art in russischer Sprache. Riga, 29. Okt. (Zur Judenfrage.) In Petersburg ist vor einiger Zeit die Frage aufgeworfen worden, ob jüdische Setzer berechtigt sind, in der Residenz zu wohnen. Der Stadthauptmann macht nun eine Verfügung des Ministers des Innern bekannt, nach welchen Setzern mosaischer Confession bis zur Entscheidung der Frage, ob ihnen gestattet werden soll, überall im Reiche frei zu wohnen, der unbehinderte Aufenthalt in Petersburg zu gestatten ist. Literarische Hlotiz. Wilhelm Jensen hat eine neue Auflage seiner'„Die Juden zu Köln" veranstaltet. Die Novelle ist vor mehr als 30 Jahren zum ersten Male erschienen und daher in jüdischen Kreisen bekannt. Es interessirt aber gewiß die Leser des „Israelit," was der greise Dichter dieser Auflage als Vorwort vorausschickt. „Als ich diese Erzählung aus dem Mittelalter niedersckrieb, war ich noch sehr jung, und sehr jugendliche Fassung gab ihr meine Feder. Mich trieb eines frisch empfänglichen Gemüthr tiefe Empörung über die Barbarei vergangener Zeiten, stürmischer Widerwille gegen die Heuchelei, die unter dem Banner der Religion aus Habgier tausendfältig Schmach und Schande auf den deutschen Namen gehäuft. Die Juden waren mir ein geschichtlicher Begriff . . . meine Erzählung trug dar Eigentliche der Dichtung in sich, sie war ein Gebilde der Phantasie, nur aus dieser am historischen Anhalt geschaffen." Der Verfasser fährt fort, indem er sagt, seine Novelle würde heute nach Inhalt und Form, hauptsächlich nach letzterer, anders ausfallen. Man möge sie nicht mit neueren, trefflicheren Darstellungen aus dem jüdischen Leben in Vergleich ziehen. Er habe sich gegen die Neuauflage gesträubt. „Trotzdem habe ich der an mich gerichteten Aufforderung willfahrt, und zwar von einem ähnlichen Impuls getrieben, der mich vor mehr als dreißig Jahren dies Buch schreiben ließ, nur heute nicht von der Vergangenheit, sondern von der Gegenwart mit Emvärung erfaßt. Damals dachte wohl kaum Jemand, das Raubthiergelüst des 14. Jahrhunderts könne, von Pfaffen mit und ohne Kutten genährt, wieder im deutschen Volk aufwachen, dem „Cultur"-Jortschritt gemäß in der Tonart des 19. Jahrhunderts nach seiner alten Beute zu brüllen. Damals glaubten wir überhaupt nicht, das anbrechende helle Tageslicht der Erkenntniß könne wieder von Trug, der Heuchelei und Dummheit mächtig verdunkelt werden. Wir haben Vieles damals nicht mehr für möglich gehalten, was uns heute als wirklich vor Augen und Ohren steht." Auch das poetisch-schöne Vorwort zur ersten Ausgabe ist wieder dem Buche beigegeben, es enthält Blitze der Erkenntniß, und die Bezeichnung, die Jensen 1865 selbst diesem seinem Jugendwerke gab, faßt auch heute noch Alles zusammen, was über den Inhalt zu sagen ist: „Diese Erzählung ist die Darstellung eines einzelnen acuten Falles am Krankenbette der Menschheit." Wersonatien. Berlin, 5. November. Am 4. Oktober wurde auf dem Friedhofe der israelitischen Synagogen-Gemeinde (Adatz- Jisroel) Herr Meier Löwenthal, welcher in Birnbaum und Neustadt b Pinne als Rabbiner gewirkt und vor elf Jahren sich in Berlin niedergelassen hat, um seinen Lebensabend der Beschäftigung mit der Thorah zu widmen, zu Grabe getragen. In Labischin (Posen) im Jahre 1819 geboren, wurde er schon als junger Knabe der heiligen Lehre zugeführt; sein Vater, ein Schüler des „Lißaer Raw" nahm mit ihm die'ltalmudischen Anfangsgründe durch Nach Erlangung einiger Belesenheit hörte er die Schiurim des berühmten Talmudgelehrten R. Dow-Joel in Labischin und ging dann im Alter von 14 Jahren nach Wrcschen auf die Jeschibab des berühmten Malbim, der z. Z. in Wreschen wirkte. Er folgte diesem seinem Lehrer auch nach Kempen, bezog dann als 17jähriger junger Mann die Jeschrbah des berühmten Rabbiners R. Joske Spiro in Jnowrozlaw, lernte bei demselben 6 Jahre lang und erhielt von ihm auch die DiOD mnn. Von dort zog er noch Birnbaum, einem Orte, wo damals jüdisches Wissen blühte, verblieb daselbst mehrere Jahre, zuerst unter Mitwirkung an Entscheidungen des damaligen Rabbinats, dann indem er das Rabbineramt selbst bekleidete und trat dann im Jahre 1874 die Nabbinerstellc in Neustadt b Pinne an, die er <> Jahre lang führte. Hieraus zog er nach Gartz, wo cs ihm vergönnt war, gemeinsam mit dem jüngst dahingcgangenen R. I. Karger!?"? Thorah zu lernen. Krankheit zwang ihn, diesen Aufenthalt mit Berlin zu vertauschen, wo er, soweit sein Zustand es ihmlgeftattete, fleißig dem Thorahlernen oblag, bis er zur