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Der Israelit · 1897-11-08 · Heft 88 (8.11.1897) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 88 (8.11.1897)
Date
1897-11-08
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1674 tung des Gladston'schen Organs berühren, welches offen sagt: wenn die Juden nicht die liberale Partei, Fraktion Gladstone, unterstützen, sondern die Konservativen und die liberalen Unionisten, so verdienen sie die Emanzipation nicht, sondern sollten wieder in das Ghetto gesperrt werden. Vor der Erregung durch solche Ausbrüche alten Judenhasses tritt alles andere in den Hintergrund, auch die frühere Diskussion über den Zionismus. Die Zionisten hielten in der letzten Zeit zwei Versammlungen ab. Die Hauptsprecher führten aus, daß die praktische Arbeit der Kolonisation langsam, aber sicher zum Ziele führe. Eine Menge neuer Mitglieder sind in dieser Versammlung den Chowawe Zion beigetreten. Für die praktische Arbeit der Kolonisation erhebt auch Rev. Gaffer seine einflußreiche Stimme in der „Asiatic Quaterly Review" und die Gründung einer Import- Gesellschaft für die Produkte Palästinas, welche Herr Prag in die Wege geleitet hat, geht in derselben Richtung. Zu diesem Unternehmen ermuthigen die hiesigen Herren besonders die hier bekannt gewordenen großen Erfolge, welche der Karmel in Warschau und die Import-Gesellschaft „Palästina" in Berlin erzielt haben. Der Lordmayor Sir Fandet Philipps hat bekanntlich für seine Bemühungen bei Ausbringung des indischen Hungersnothfonds den Orden der indischen Krone und zwar in der Würde des Großkommandeurs erhalten. Dies ist eine sehr hohe Auszeichnung, denn es existir.n nur 25 solcher Würdenträger und Kollegen von Philipps; in diesem Range sind Lord Roberts, der Marge of Dufferin, Lord Landsdowne und einige indischeIFürsten.? London. Der verstorbene Barney Barnato, der bekannte afrikanische Millionär, hat zwar in seinem Testament keinerlei Verfügung für wohlthätige Zwecke bestimmt, aber seine Erben glauben doch in seinem Sinne zu handeln, wenn sie eine größere Anzahl von wohlthätigen Stiftungen im Gesammtbetrage von ca. 33 000 Mk. in's Leben rufen. Darunter sind folgende jüdische Institute bedacht worden: Das Taubstummenheim mit 20 000 M., die jüdische Freischule mit 60 000 M., die jüdische Altersversorgung mit 10 000 M., die Armenkommission mit 10 000 M., das Rekonvalezentenheim mit 1000 M., in Summa 110 000 M. Halberton. Hierselbst hat die jüdische Ansiedlung einen unerwarteten Aufschwung genommen. 160 neue Häuser sind errichtet und bereits von jüdischen Familien bewohnt. Freilich befassen sich die Ansiedler nicht mehr mit der Landwirthschaft. sondern haben eine Reihe von Industrien eingeführt, z. B. Baumwollwaarenfabrikationen, sowie Hemden- und Mäntelfabrikation. Es sind mehrere Fabriken entstanden, in denen die jüdischen Ansiedler Beschäftigung finden. Rußland.? St. Petersburg. Wie bekannt ist im hiesigen Justizministerium ein Kommission damit beschäftigt, ein neues Gesetz für die niedere Gerichtsbarkeit auszuarbeiten. Bei dieser Gelegenheit kommt auch die Zulassung zum Rechtsanwaltftand wieder einmal zur Diskussion, und soll neu geordnet werden. Nach dem jetzt veröffentlichten Projekt dürfen zu Geschworenen Advokaten, Juden nur bis zu zehn Prozent der Gesammtzahl zugelassen werden. Dieselbe Einschränkung gilt sür die Angestellten der Advokaten, während zu Privat-Advokaten, (solche, welche kein Universitäts-Diplom besitzen), in Polen 50 Prozent, im übrigen Rußland nur l0 Prozent zugelassen werden dürfen. Uebrigens heißt es, daß einige Mitglieder der Kommission, darunter der berühmte Moskauer Advokat Plevaka sich gegen jede Beschränkung, bezüglich der Zulassung von Juden erklärten, mit der Begründung, daß nach allgemeiner Uebereinftimmung die jüdischen Advokaten den christlichen in nichts nachstünden. Diese tolerante Ansicht erlangte leider nicht die Majorität, urd es dürften die allen Beschränkungen in Kraft bleiben. Der Domänenminister hat ebenfalls ein Gesetzprojekt in Arbetit, welches sich mit jüdischen Verhältnissen befaßt. In den Kolonien im Gouvernement Cherson, deren Gründung in das Jahrzehnt 1808 bis 10 fällt und Gouvernement Chatarinoslaw, wo dieselben in in den Jahren 1849 bis 1854 angelegt wurden, hatten die Juden das Recht, das ihnen zugewiesene Land an die Regierung abzuzahlen. Dies ist schon lange geschehen, dennoch erhielten die jüdischen Kolonisten keine Besitztitel über ihr Land. In dem neuen Gesetzentwurf heißt es: Der Staat bleibt Eigenthümer des Landes; jeder Bauer wird als permanenter Pächter angesehen und hat nicht das Recht sein Land, sei es zu verkaufen, sei es mit Hypotheken zu belasten. Jeder Bauer muß sein Land selbst bebauen, andernfalls verliert er sein Recht auf dasselbe. Es ist höchst bedauerlich, daß die Bestrebungen die Juden zu Bauern zu machen, von der Regierung durch solche harte Maßrrgeln durchkreuzt werden. — Der Distrikts- Rath von Odessa hatte an den Gouverneur eine Petition gerichtet, den Juden zu erlauben in den Dörfern Henievka und Olgino zu wohnen, aber der Gouverneur hatte diese Bitte abgelehnt. Die beiden Dörfer sind Kurplätze in der Nähe von Odessa und leiden sehr durch die gezwungene Abwesenheit der -jüdischen Kurgäste. In Folge deffen haben kürzlich die gesammten Distrikts-Rathe des Gouvernements Cherson beschlossen, neuerdings dem Gouvernement dieselbe Petition noch einmal zu unterbreiten. Der Erfolg bleibt abzuwarten. — Der Gouverneur von Taurien hat den Juden erlaubt, sich in Sudak und anderen kleinen Plätzen des Distrikts von Jalta aufzu-

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