Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 88 (8.11.1897)
- Date
- 1897-11-08
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Berlin, 2. Nov. Der Verein für jüdische Geschichte und Literatur hat sein Winterprogramm soeben verschickt. Dasselbe ist sehr reichhaltig, und es steht zu hoffen, daß sowohl die öffentlichen Vorträge, die am 26. v. begonnen, wie die Diskussionsabende sich reger Betheiligung zu erfreuen haben werden. Die folgenden Vorträge finden in der Aula des Friedrich-Werderschen Gymnasiums, Dorotheenftcaße 13/14. statt: Dienstag, 26. Oktober 1837, Rabbiner Dr. Vogelstein aus Stettin: Uriel Acofta, Wahrheit und Dichtung. Dienstag, 23. November 1837, Professor Emil Breslauer: Gibt es altjüdische oder national-jüdische Melodien? (Erläutert durch Solo- und Chorgesangsvorträge. Dieser Vortrag findet ausnahmsweise im Saale der königlichen Hochschule für Musik, Potsdamerstraße 120 statt.) Dienstag, 14. Dezember 189/, Rabbiner Dr. Kayserl ng aus Budapest: Die Juden als Patrioten. Dienstag, 15. Februar 1898, Professor Dr. I. Barth: Mohamed und die Juden. Dienstag, 15. März 1898, Rabbiner Dr. Werner aus München: Weltschmerz und Iudenthum. Dienstag, 19. April 1898, Professor Dr. Ludw. Stein aus Bern: Die jüdische Renaissance. Die folgenden Diskussionsabende finden im Architektenhaus, Saal 8, Wilhelmstraße 92/93, statt. Montag, 8. November 1891 f Dozent Dr. E. Banelh: Ueber Maimonides angeblichen Uebertritt zum Islam Dienstag, 7. Dezember 1897, Gustav Karpeles: Literarische Jahres-Revue. Dienstag, 4. Januar 1898, Rabbiner Dr. E. Kalischer aus Kopenhagen: Ein dänischer Ghetto-Dichter. Dienstag, 1. Februar 1898, Privat-Dozent Dr. I. Pagel: Literarhistorischer Streifzug durch das Gebiet der jüdischen Medizin mit besonderer Berücksichtigung der letzten Dezennien. Dienstag, 1. März 1898, Schriftsteller Albert Katz: Der Chassidismus. Dienstag, 29, März 1898, Dozent Dr. I. Wohlgemuth: Unsterblichkeit, Auferstehung und messianisches Reich. Oeft err.-Ungar. Monarchie. ** Ölmüh, 4. Nov. (D a s B o mb ena ttenta 1 auf den israelitischen Tempel in O lm ütz.) Das auf den neuerbauten israelitischen Tempel verübte Bombenattentat hat in der hiesigen Bevölkerung die größte Entrüstung hervorgerufen. Bürgermeister Br and Hub er hat an die Bevölkerung folgenden Aufruf erlassen; „In der Nacht vom 29. auf den 30. Oktober hat eine ruchlose Hand versucht, den monumentalen israelitischen Tempel am Maria Theresienplatze in Olmütz durch eine gelegte Bombe in die Luft zu sprengen. Demjenigen, welcher der Sicherheitsbehörde zur Entdeckung und Feststellung de« Thäters führende Anhaltspunkte bekannt gibt, wird eine Belohnung von 100 Kronen zugesichert. — Der Gemeinderath der königlichen Hauptstadt Olmütz." In gleicher Weise wird auch die israelitische Cultusgemeinde eine ansehnliche Belohnung auf das Zustandebringen des Thäters aussetzeu. Das Sprenggeschoß war eine Schmiedeeisenröhre u. 20 Centimeler lang, 5 Centimeter im Durchmesser und 4 Millimeter stark; an beiden Enden war dasselbe mit Zink abgeschlossen. Wie Fachleute versichern, soll der Explosivstoff nicht Pulver, sondern Dynamit gewesen sein. Seitens der Behörden werden die eifrigsten Recherchen gepfiogen, um des Thäters habhaft zu werden. ** Prag. (RichterlicheAnschauung über von Juden abgelegte Eide.) Gelegentlich einer in Prag jüngst stattgefundenen öffentlichen Gerichtsverhandlung, bei welcher der hiesige Advokat Herr Dr. Theodor Weltsch intervenierte, handelte es sich um Erweisung eines maßgebenden Momentes, die nur durch die eidliche Vornahme des Klägers, eines jüdischen Kaufmannes in Wien, erfolgen konnte. Der Verhandlungsrichter, ein allgemein bekannter und geachteter Landgerichtsrath erkannte auch auf diesen Beweis, indem er vor den zahlreichen anwesenden jüdischen und christlichen Kollegen hinzufügte: „Ein Israelit beschwört nichts Unwahres, das weiß ich schon, er nimmt es gewissenhaft" und als der obengenannte Vertreter entgegnete: „Dieses Zeugniß ist für uns Juden sehr schmeichelhaft und werthvoller als das des Wiener Vicebürgermeisters Dr. Neumayer," wiederholte der Richter sich an die Anwesenden wendend: „Ja, ja, diese langjährige Erfahrung habe ich." Dazu möchte noch bemerkt werden, daß bereits vor mehreren Monaten in einem ähnlichen Falle bei demselben Gericht, ein Gecichtssecretär, gleichfalls katholischer Konfession über ein diesbezügliches Befragen des Herrn Dr. Weltsch erklärte: „Auf diese Zeugenaussage lege ich deshalb Gewicht, weil sie von einem Israeliten herrührt und ich die Erfahrung habe, daß diese es mit ihren eidlichen Aussagen sehr ernst nehmen." England. London. Die durch die antisemitischen Artikel im Daily Chronicle verursachte Diskussion ist noch nicht zum Abschluß gekommen. Claude Monteftore hat sich mit einem Brief an diese Zeitung gewendet, in dem er den radikalsten Assimilationsstandpunkt vertritt und damit sogar den Widerspruch von Zangwill wachruft, wenn er sagt, daß alle leitenden jüdischen Ideen in der arischen Civilisation absorbirt worden sind. Viel bemerkenswerther als die einzelnen Details dieses öffentlichen Streites ist ei aber, daß in England eine solche Diskussion über das Bürgerrecht der Juden überhaupt möglich ist, und es ist die große Aufregung der englischen Juden über dieses erste Austauchen einer judenfeindlichen Bewegung wohl begreiflich. Seltsam muß die Hal-