Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 87 (4.11.1897)
- Date
- 1897-11-04
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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1660 m .-v; in Ungarn, seine Universitätsstudien in Berlin und Leipzig. In der letztgenannten Stadt zum Dr. phil. promovirt, wurde er 18b5 in Beuthen O.-Schl. zum Rabbiner gewählt, wo er 22 Jahre, getragen von der Liebe und Verehrung der Gemeindemitglieder, ja sämmtlicher Stadtbewohner, segensreich wirkte, bis ihn die Breslauer Gemeinde zum Nachfolger des sel. Lande-rabbinerS Tiktin an die Alte Synagoge berief. Oest err.-Ungar. Monarchie. ** fStfltt, 2. Nov. (Der wirthschaftliche Niedergang in Wien.) Wenn es noch eines Beweises für den schweren wirthschaftlichen Niedergang bedurft hätte, dem die blühende und aufstrebende Stadt Wien anheim gefallen ist, wenn es noch nothwendig wäre auseinanderzusetzen, wie vergiftend der Zerstörungsprozeß innerhalb der Wiener Bevölkerung auf das gesammte öffentliche Leben wirkt, die Kaufkraft schädigt und zum Theil die Kauflust einengte, — zwei sensationelle Zahlungsstockungen, welche in den letzten Tagen die Stadt Wien beschäftigt haben, hätten diesen Beweis erbracht. Ein wahrhaft großstädtisch angelegtes, im vornehmsten Stil geführte» und mit einem mehr als genügenden Betriebsfonds ausgerichtetes Eonfectious- und Movewaarenetabliffement, die Firma Brüder Husch, uno ein den Wünschen der eleganten Welt Rechnung tragendes Restaurant haben sich gezwungen gesehen, um die Nachsicht ihrer Gläubiger zu appelli en. Der wirthschaftliche wie der politische Niedergang Wiens, welcher trotz seiner anderthalb Millionen Einwohner doch in vielen Dingen äußerst kleinstädtisch erscheint, hat ja schon manche Opfer gefordert. Die zwei jüngsten Erscheinungen jedoch sind charakteristisch und regen zu ernsteren Betrachtungen an. Man klagt so viel, daß der Unternehmungsgeist in Wien in immer stärkerem Maße zurückgehe, und schreibt dafür mit Recht den beklagenSwerthen antisemitischen Verhältniflen auf der einen und der Indolenz, welche die öffentlichen Behörden neuen Unternehmungen gegenüber an den Tag legen, die Schuld zu. So sind die Brüder Hirsch ein Opfer der Zeitströmung geworden, ein beklagenswerthes Opfer der antisemitischen Bewegung, welche ja auch die traurigen Folgen hat, daß sehr breite Schichten des Publikums, namentlich des sehr kauf kräftigen israelitisch en Publikum» die Entfaltung größeren Aufwandes Unterlasten. Wien. (Ministerial-Entscheidung bezüglich der religiösen Trauung ungarischer Staatsbürger und die Jmmatrikulirung derselben in Oe st erreich.) Am 19. December 1695 ist Herr A. K. mit Fräul. A. L. durch den Standesbeamten in Preßburg getraut worden. Die religiöse Trauung erfolgte dann j einige Tage darauf vor dem Seelsorger in Olmütz, welcher den Trauungsact mit fortlaufender Nummer in die Trauungsmatrik eintrug. Nach weitläufigen behördlichen Erhebungen und Verhandlungen hat das Ministerium des Innern im Einvernehmen mit dem Ministerium für Cultus und Unterricht mit dem Erlaffe vom 18. August 1897, Zahl 3631 Nachstehendes eröffnet. „Nachdem nachgewiesenermaßen A. K. und A. L. am 19. December 1895 in Preßburg für den staatlichen Bereich bereits getraut worden waren, konnte es sich bei dem am 25. December deffelben Jahres in Olmütz vorgenommenen Trauungsacte lediglich um einen religiösen Act handeln, welcher in der österreichischen Trauungsmatrik mit fortlaufender Nummer nicht eingetragen werden darf, wie denn auch der für den staatlichen Bereich gillige Traunngsschein nicht vom Matrikenführer in Olmütz, sondern allein von dem königlich-ungarischen Matrikenführer in Preßburg ausgestellt werden kann. Demnach ist in der Trauungsmatrik in Olmütz bei der Eintragung der in Rede stehenden Ehe die fortlaufende Reihenzahl unter ausdrücklicher Berufung auf diesen Erlaß zu löschen. Im Uebrigen obwaltet gegen die Vornahme der religiösen Trauung nach bereits in Ungarn erfolgter standesamtlicher Trauung keinerlei Anstand. In den Bestätigungen, welche über derartige religiöse Trauungsacte ausgestellt werden, ist jedoch ausdrücklich zu bemerken, wo und wann die standesamtliche Trauung in Ungarn bereits stattgefunden hat." ** Prag, 2. Nov. (Oefter reich i^scher Rabbiner-Verband.) Dieser Tage hat hier unter Vorsitz unserers Oberrabbiners Dr. Ehrenfeld eine Rabbinerconferenz stattgefunden, welche beschlossen hat, die nöthigen Schritte zur Gründung eines Oesterreichischen Rabbiner-Verbandes ernzuleiten. An der Conferenz haben theilgenommen: der Ausschuß des „Böhmischen Rabbiner-Verbandes", die provisorischen Ausschußmitglieder des im Entstehen begriffenen „Verbandes der Rabbiner Mährens", ferner Dr. Güdemann—Wien, Dr. Friedmann—Linz. Herr Oberrabbiner Dr. Ehrenfeld—Prag führte den Vorsitz, leitete die Verhandlungen. Er brachte zur Kenntniß, daß die Herren Oberrabbiner Melli—Triest, Dr. Mühsam—Graz, Dr. Blüh—Troppau ihre Abwesenheit schriftlich entschuldigt haben. In längerer Ausführung zeichnete der Vorsitzende die Ziele und Aufgaben des zu creirenden Oesterreichischen Rabbiner- Verbandes in zweifacher Hinsicht durch corporatives Auftreten nach Außen und durch einträchtiges Zusammenwirken aller Berussgenoffen nach Innen, unter Hintansetzung aller trennenden Momente. Oberrabbiner Dr. Güdemann hielt hierauf in gleichem Sinne eine Ansprache an die Conferenz - Theilnehmer, in welcher er darlegte, daß er ans Basis des von Ober-