Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 87 (4.11.1897)
- Date
- 1897-11-04
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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*^^vyj^m.y^nj ^T^^iJ^frrfS/’rr^ ■' ‘ XKXVm, Jahrgang, Erste Leilage M M 87 -es JtertteBt“. Zeitungsnachrichten nnd Correspourenzeu. X. Mainz, 2. Nov. (Wie denken Sie über Zionismus? oder der Sängerkrieg auf der Wartburg.) Die hiesige Rhenusloge hatte heute vor acht Tagen zum Amüsement ihrer Mitglieder einen Zionisten-Congrcß en miniature veranstaltet und ist der Spaß vollständig zur Zufriedenheit der Mitglieder ausgefallen. Außer verschiedenen Logenbrüdern aus der Umgegend, waren eine Reihe von „Vorkämpfern" für den Zionismus geladen, die sich nunmehr zum Gaudium der Theilnehmer auf das Heftigste bekämpften und in heißer Redeschlacht jeder seine Sonderansicht zu verfechten suchte. Die weitgehendsten Concessionen an die Anwesenden machte Herr Professor Schaprro aus Heidelberg, der fast alle Forderungen der Zionisten preisgab, nur um den Zionismus selbst zu retten. Herr Rechtsanwalt Dr. Schauer- Bingen stand dagegen voll und ganz auf dein Boden der Beschlüsse in Basel, die eine „öffentlich rechtliche" Stätte für die Juden verlangen, wogegen der in Mainz wohnende Herr Privat-Docent Leon Friedmann aus Rußland noch den Herzl'schcu Judenstaat als fein Ideal zur Verwirklichung der zionistischen Ideen betrachtet. Nachdem eine geraume Zeit hin- und hergeredet wurde, und die zionistischen Geister heftig aufeinander geplatzt waren, ohne daß eineVerständigung zwischen den verschiedenen Herren erzielt werden konnte, ergriff der frühere Präsident der Loge, Herr Rechtsanwalt Dr. L ö b hier das Wort, um zu zeigen, wie lediglich durch den Antisemitismus diese Bewegung unter der jüdischen Jugend entstanden sei. Mit dem Fortfällen jenes Auswuchses verschwinde dieser von selbst. Die gediegene Rede, die sonst noch viel Treffendes enthielt, verdiente weiteren Kreisen bekannt zu werden. Herr Bruder Heimerdinger aus Wiesbaden erklärte, daß der XI. C. B. B. Mittel für alle wohtthätigen Zwecke innerhalb der Judenheit freudig zur Verfügung stelle, nur sollte man alle politischen Bestrebungen bei Seite lassen. Mit dem Bewußtsein, einen unterhaltenden Abend verlebt zu haben, trennte man sich in später Stunde. Man hat die Absicht, den Gegenstand später in öffentlicher Versammlung nochmals zu verhandeln. Berlin, 3. Nov. (Verband der jüdischen Lehrervereine.) Die Satzungen der vom Verbände begründeten „Pensions- und Reliktenkaffe" und im Entwurf bereits soweit vollendet, daß deren endgültige Berathung und Feststellung in der nächsten Vorstandssttzung, die am 27. Dezember d. I. in Berlin stattstndet, geschehen und dann die ministerielle Genehmigung eingehvlt werden kann. Mit dem Inkrafttreten der Kaffe wird ein Werk ins Leben gerufen sein, für das schon lange gestrebt und gearbeitet worden ist. — Der Verband hat dieses Werk auch als seine dringendste Arbeit erachtet und deshalb sein nächstes Ziel darauf gerichtet. — Möchte das edle Werk weiter recht viele Freunde und Förderer finden und sich zum Segen des jüdischen Lehrerstandes und der jüdischen Schulen unaufhaltsam entwickeln! ** fBtxtin, 2. November. Im „Club von Berlin", der an der Börse „Millionärclub" genannt wird, herrscht seit einiger Zeit große Aufregung. Ein Mitglied des Clubs, der Sportsman Premierlieutenant Spikermann, hat nach der „Volksztg." auf seinem Gute Rangsdorf bei Berlin eine Tafel anbringen lassen mit der Inschrift: „Hunden und Juden ist der Eintritt bei Strafe verboten." Der Bankier Robert v. Mendelssohn trat, als er dies erfuhr, aus dem Club aus. Ein anderes Mitglied des Clubs, Bankdirektor Fürstenberg, richtete an den Vorstand ein Gesuch, gegen Herrn Spikermann einzuschreiten, was der Vorstand indeß als seinen Machtbefugniffen nicht entsprechend.(ablehnte. Herr Spikermann, der inzwischen vonZder^Behörde'veranlaßt wurde, sein Schild zu entfernen, erklärt'! nunmehr, daß er mit „Juden" nur Hausirer gemeint, habe, von denen er sehr belästigt werde und er wiffe nicht, was seine Clubfreuude wollten. Herr Spikermann hat sich geschickt herausgeredet, das^muß man ihm lasten! ** Berlin, 27. Oktober. (Zur Rabbinerwahl.) Endlich, endlich soll das vacante Amt eines konservativen Rabbiners besetzt werden. Nachdem man sich entschloffen hatte, mit dem Modus der Probe- oder Gastpredigten zu brechen und nachdem der bedeutsamere Beschluß gefaßt war, den neu zu wählenden konservativen Rabbiner von der Pflicht, in den Synagogen Oranienburger- und Lindenftraße zu predigen, zu entbinden, wurde eine Subkommission nach Breslau entsendet, die dort am Schemini Azeret der Predigt des Rabbiners Dr. Rosenthal beiwohnen und über den gewonnenen Eindruck berichten sollte. Der Bericht der Delegirten fiel so günstig aus, daß die Rabbinerwahlkommission in ihrer letzten Sitzung einstimmig beschloß, die Wahl der Herrn Dr. Rosenthal dem Repräsentanten- und Vorstandskollegium zu empfehlen. — Dr. Ferdinand Rosenthal ist im Jahre 1839 in Ungarn geboren, „lernte" in den Jeschibot zu Eisenstadt und Preßburg, sowie auch bei dem verstorbenen Rabbiner Dr. B. H. Auerbach in Halberstadt; seine Gymnasialstudien absolvirte er