Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 87 (4.11.1897)
- Date
- 1897-11-04
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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1666 flössen. Von den erstgenannten Zahlen Mt der fünfte Theil auf die Vorstadt Meah Schearim. Im Vergleich -um Vorjahr ist oie Zahl der behandelten Kranken nahezu auf die Hälfte gefunken. Dies ist zum Theil dem gebesserten Gesundheitszustände Jerusalems zuzuschreiben. 47 Personen gewährten wir Darlehen in Höhe von circa Francs 5600, deren Rückzahlung im Betrage von circa 4000 Francs gegenuberftehen. Für Lehrgeld vorau-gabten wir Francs 1767.70 und für Thoraunterricht der Lehrlinge Francs 9‘29.40, wovon 400 durch Herrn Bezirksrabbmsr Dr. Salvendi in Dürkheim gedeckt wurden. Für Unterricht in der arabischen Landessprache bewilligten wir den Talmud- Thora-Schulen der Sephardim in Jerusalenr und der Gemeinde Hebron circa Francs 1000' auch der Talmud-Thora in Jaffa wandten wir eine Subvention zu. In einer großen Anzahl dringender Fälle wurden Unterstützungen in Baar oder Naturalien gegeben. Einem in Europa studirenden jungen Mann gewährte der Verein abermals eine Beihülfe. Was die Niederlassungen Sichem und Ramleh betrifft, so bedürfen dieselben immer noch unserer Fürsorge: außer den Kosten für den Lehrer und den Schochet an beiden Orten trugen wir die Spesen für das Bad und die Synagoge in Ramleh. Die Ernennung eines Lokalcomitös in Jerusalem hat sich sehr gut bewährt. Die demselben angehörigen Herren leisten uns durch Ueberwachung der Vereinsthätigkeit und durch AuskunftSertheilung bei Gesuchen werthoolle Dienste. Die uns zugekommenen Gaben reichten lange nicht aus, um unsere Ausgaben zu decken; denn diese übersteigen die Einnahmen um fast 4000 Mark! Und im Jahre 1897 haben die Eingänge abermals abgenommen! Unter solchen Verhältnissen sind wir nicht im Stande, den Ansprüchen, die an uns gestellt werden, zu genügen, geschweige denn unsere Thätigkeil so auszuüehnen, wie es bei dem nrateriellen Elend einer großen Anzahl der Israeliten Palästinas nochwendig wäre. vermischtes. Hannover (Der Mann der Verheißung!) In einer gegen Entree von 30 Pfg. hier veranstalteten Versammlung ei klärte Ahkwardt folgendes: An 11 Stellen in der Bibel stehe, daß der Mann, der die Juden zurückbringcn werde ins Land der Väter, aus Silo kommen werde, und da müsse er der Versammlung doch mittheilen, daß er in Silo geboren sei. — Sollte diese Aeußerung ein „Witz" sein, so war sic jedenfalls in hohem Grade frivol und plasphemisch; war sie aber ernst gemeint, so wäre eS hoch an der Zeit, den AHIwardt endlich einmal gründlich auf seinen Geisteszustand zu untersuchen. Born». Der antisemitische Abgeordnete Jro, der ehrenwörtlich eine häßliche Aeußerung im österreichischen Abgevrdnetenhause abgeleugnet hatte, trotzdem aber der Ordnungsstrafe verfiel, weil man ibm nicht glaubte, darauf aus seiner Partei ausgeschlossen wurde und sein Mandat niedergelegt hat, hat am Donnerstag in einer Versammlung in Eger noch einmal sein Ehrenwort aufrecht erhalten. Er wmde von der tauseudköpfigen Versammlung stürmisch gefeiert. Venedig Das Mitglied des Vorstandes des hiesigen fcphardischen Tempels, jnr. vr. Lazzaro Levi, wurde mittelst königlichen Leciets zum Notar in hiesiger Stadt ernannt. Es ift jetzt das erste Mal, daß Venedig einen jüdischen Notar erhält. Dr. Levi hak sich auch um den hiesigen jüd. Wohtthärigkestsvercm, in dessen Vorstand er gleichfalls sitzt, große Verdienste erworben Amsterdam. Der bekannte jüdische Maler David Blis hat die junge Königin un Aufträge ihrer Mutter gemalt. Das Bild wird sehr gelobt. — Herr D. L. Leao Lagun«, Gesängmßsecretär in Amsterdam und M. Henriqner Fümentel, Rath im Ministerium des Innern, haben hohe niederländische Orden erhalten. Amersfoort. (Holländische Toleranz.) Hierselbst wurde N. Visser einstimmig zum Vicebürgermeister gewählt, er lehnte jedoch diese Ehre ab, weil die Gemeinderathssitzungcn am Sabbat stattfinden. Aber der Gemeinderath nahm die, Zurückweisung nicht an und um den würdigen Mann sür die Stelle zu gewinnen, verlegte er ihm zuliebe die Sitzungen auf Montag Enkhuizen (Holland) Die Wahl eines Parlaments. Mitgliedes sollte am Simchalh Thora stattfinden; als die jüdischen Wähler erklären, daß sie an dem Tage nicht bei der Wahl erscheinen könnten, wurde die Wahl verschoben London. Im West London-Theater werden jetzt zwei Stücke gespielt, welche jüdische Themate bchaudeln. Das eine heißt Siberia und schildert die traurige Lage der Juden unter dem Drucke der russischen Gesetze, deren Handhabung in den Händen habgieriger und wohllüstiger Beamten liegt. Auch das zweite Stück „Menschlichkeit" behandelt die Noth der gedrückten Juden, und beide Theaterstücke, obwohl nicht ersten Ranges, werden von Kritik und Publikum sehr beikällig ausgenommen. Ein drittes Stück, „Schild Davids" genannt, ist in Vorbereitung Feuilleton. Die Stunde der Vergeltung. Von Paul G-tthelf. 14) (Alle Rechte Vorbehalten.) Mit dem General war eine große Unruhe in das sonst so stille Haus des Vater Cohen eingezogen. Ordonnanzen kamen und gingen, Offiziere und Gemeine erschienen und verschwanden, so daß kein Augenblick der Ruhe einirat. Selbst während der Nacht wurde gearbeitet, denn im Kriege muß die Nacht oft zum Tage gemacht werden. Uebrigens mußte der General wichtige Depeschen und Pläne mit sich führen; das sah man an der sorgfältigen Bewachung der Dienstzimmer. Dort stand an jeder Thüre ein Doppelposten und ein Doppelposten war auch auf den Hof und vor das Thor gestellt worden. Jeder, der das Haus betrat, wurde angehalten und nach seinem Begehr gefragt, und wenn er Vater Cohen sprechen wollte, so geleitete ihn ein Soldat bis zum Arbeitszimmer des