Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 87 (4.11.1897)
- Date
- 1897-11-04
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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ein russischer Jude der Brandstiftung angeklagt. Er wurde aber vom Richter freigesprochen, und dieser nahm die Gelegenheit war, um sich sehr scharf gegen die Polizei auszusprechen, welche in jedem Falle, wenn ein jüdisches Haus abbrennt, Anklage wegen Brandstiftung erhebt. Afrika.? Süd - Afrika. Am Neujahrslage predigte Rev. Harris I s a a c s, in der neuen Synagoge in Johannesburg über die Pflichten, welche die Zugehörigkeit zu dem Judenthume jedem seiner Bekenner mit sich bringt. Er sprach davon, daß zum erstenmal, seitdem in Johannesburg eine jüdische Gemeinde besteht, in dem Gefängniß jüdischer Gottesdienst gehalten werden mußte. Gerade wir Juden, führte der Prediger aus, bei denen immer die ganze Gemeinde für den Fehler jedes einzelnen verantwortlich gemacht wird, muffen uns deffen klar bewußt sein, daß wir mit einem Vergehen gegen das Gesetz nicht nur unsere eigene Person, sondern die ganze Gemeinde schwer schädigen. — Auch in der alten Synagoge sprach der Rev. M. L. Harris über daffelbe Thema. Außer in den beiden Synagogen fand übrigens Festgottesdienst noch in verschiedenen anderen Theilen der Stadt statt, unler anderem auch im Theater, das für diesen Zweck würdig hergerichtet war. — Kolonell Harris in Kimberley erhielt kürzlich von den Offizieren, Unteroffizieren und Gemeinen der West-Griqua Land- Brigade ein schönes Ehren-Geschenk, bestehend aus einer antiken Kuchenschüssel mit massivem Untersatz. Eine entsprechende Inschrift besagt, daß Oberst Harris dies Geschenk von seinen Untergebenen als ein Zeichen ihrer Verehrung gemacht wurde. Algier.? Algier. Die Veranstalter der letzten Unruhen vom 3. October sind bereits vom Korrektionsgericht abgeurtheilt worden. Von den 14 Verhafteten ist nur einer freigesprochen worden, während die anderen dreizehn Strafen von sechs Tagen bis neun Monaten erhielten. Es ist sehr erfreulich, daß in diesem Fall die Justiz so schnell eingegriffen hat, und kann für die Ruhe in unseren Kolonien nur förderlich sein. — In unserer Nachbarkolonie Tunis haben die jüdischen Weinbauern auf der Brüffeler Ausstellung große Erfolge mit ihrem Wein, sowie mit Oliven und Olivenöl davon getragen. Nicht weniger als drei silberne Medaillen haben dieselben erhalten. — In Algier hat der Prozeß eines jüdischen Schlächters Namens Mantout gegen das Journal „Lrantijuifw abermals am 15. Oktober Veranlassung zu großen Demonstrationen gegeben. Die Truppen wurden konsignirt, und die berittenen Gensdarmen besetzten die Straße vor dem Gerichtsgebäude. Diese Straßenentwicklung von Polizei und Militär schüchterte doch die Tumultanten ein, so daß der Tag ohne wesentliche Exzesse vertief. Man erwartet hier mit Sehnsucht die Ankunft des neuen Generalgouverneurs Lepine, von dessen Eingreifen man sich eine Besserung der fast unhaltbaren Zustände verspricht. M a r o c c o.? Mogador, 30. September. Unsere Stadt hat die seltene Ehre gehabt einen europäischen Menschen in ihren Mauern zu empfangen. Seine Majestät der König der Belgier Leopold der V. hat auf seiner Mittelmeerreise auch nur sonst von Touristen nicht gerade aufgesuchte Stadt mit seiner Anwesenheit beehrt. Bei dieser Gelegenheit nuhm er alle Sehenswürdigkeiten der Stadt in Augenschein, und kam, begleitet von dem belgischen Gesandten Grasen Anspach, und von dem belgischen Gesandten Johnst o n auch in das Judenquartier das Mellah. Ein angnnehmer Anblick war es freilich nicht, de» ihm dieses Quartier bieten konnte. Bei der ungeheuren Aamuth, in der die Juden hier leben sind sie natürlich ziemlich verkommen und da sie in ihr schmutziges, enges Quartier zusammengedrängt sind, vielen Krankheiten ausgesetzt. König Leopold zeigte trotz des theilweis unangenehmen Anblicks ein großes Interesse für die Lage unserer Glaubensgenossen, und vielleicht gereicht es diesen zum Nutzen, daß ein europäischer König ihre jammervolle Lage betrachten kann. Arabien.? Aden. Am 1. Juli wurde hierein jüdisches Hospital eröffnet, ein Geschenk, welches Mr. B. M e n a h e m M e s s a, der hiesigen Gemeinde zur Erinnerung an das Diamant-Jubiläum der Königin Victoria gemacht hat. Das Grundstück für das Hospital hat die Regierung dem Spender gratis überlassen uns auch bereitwilligst die Ueberwachung durch die Sanitäts-Behörde der Regierung zugesagt. Das Hospital hat 10 Betten und dürfte für die hiesige jüdische Bevölkerung von 2826 Seelen vollkommen genügen. Uereinsnachrtchten. Frankfurt a M. Dem neunten Bericht des Vereins Lemaan Zion (Palästinensischer Hilfsverein) entnehmen wir: Vor Allem haben wir auch im abgelaufenen Jahre den Kranken unsere Fürsorge zugewendet. Herr Dr. Jsaac Krischewsky, unser Arzt, behandelte in den Sprechstunden etwa 13,000 Patienten und machte 2300 Besuche; außerdem wurden in der Privatpraxis für Rechnung des Vereins 900 Patienten behandelt, wofür Frcs. 1268 in die Kasse