Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 87 (4.11.1897)
- Date
- 1897-11-04
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1654 Parteien, die Juden deswegen so heftig an, weil sie zu konservativ wählen. Man sieht, es kommt garnicht darauf an, welcher Partei sich die Juden anschließen. Sie sind und bleiben nun einmal die Sündenböcke, ob liberal oder konservativ, der Jude wird verbrannt.? London. Am Mittwoch, den 20. Oktober fand eine Ceremonie in Colcheste, bekanntlich einem Vororte von London, statt, welches allgemeines Jntereffe beanspruchte durch die dabei mitwirkenden Personen, mehr als durch die Sache selbst. Der Lord Mayor von London, Sir Faudel Philipps und seine Gemahlin besuchten den kleinen Ort, wo Philipps in seiner Amtspflicht einen Eid zu leisten hatte. Als Jude kann er den Eid nur auf das alte Testament schwören, und ein solches war in dem kleinen Nest, wo keine Juden wohnen, nicht aufzutreiben und mußte unter großen Umständen aus der Nachbarschaft erst geholt werden. Im selben Ort ist die Mühle Mariage and Son, welche für die vereinigten Londoner Synagogen das Mazzos-Mehl liefert. Da in diesen Tagen gerade unter Aufsicht einer Anzahl von Dajanim der Londoner Synagogen das Mahlen beginnen sollte, ließ es sich die Frau Bürgermeisterin nicht nehmen, eigenhändig die Mühle für das zu religiösen Zwecken bestimmte Mehl in Bewegung zu setzen. Türkei. § Art». Die Miglieder der hiesigen jüdischen Gemeinde, die sich gleich nach dem Ausbruche des griechisch-türkischen Krieges theils nach der benachbarten Insel Korfu, theils nach anderen Städten des griechischen Festlandes geflüchtet haben, fangen nun langsam an, wieder hierher zurückzukehren und ihre verlaffenen Wohnstätten auszusuchen, so daß man hoffen darf, daß noch vor Beginn der rauhen Winterzeit unsere Gemeinde wieder vollständig beisammen sein wird. Selbstverständlich wird dann sogleich auch die hiesige Schule, die seit dem Beginne des Krieges geschloffen war, wieder geöffnet werden, so daß deren Schüler, die seit beinahe einem halben Jahre des Unterrichtes entweder gänzlich beraubt waren oder denselben nur unvollkommen erhielten, ihn wieder gehörig werden fortsetzen können. Auch unsere Synagoge, die beim Herannahen des Feindes geschloffen wurde, wird demnächst wieder geöffnet werden und wieder eines zahlreichen Besuches sich erfreuen können. Unser Trost ist nur, daß während der ganzen Zeit, in welcher unsere Gemeindemitglieder abwesend waren, unser Friedhof, trotzdem derselbe von den Batterien, die die Türken jenseits des Artafluffes «ufgerichtet hatten, bedroht war, unversehrt geblieben ist und wurde auch nicht ein Grabstein oder ein Grab beschädigt. Türken und Griechen haben gleichmäßig diese Stätte des ewigen Friedens geachtet und geehrt. Amerika.? Nord - Amerika. Die Baronin Hirsch hat wieder einmal große Spenden für hiesige Zwecke gegeben, so in erster Linie die Summe von 850,000 Mk. für ein konfessionsloses Mävchenstist, ferner 420,000 Mk, um eine Hypothek auf dem Hebrew- Jnftitüt abzulösen, welche demselben sehr unbequem war. Außerdem aber in großer Anzahl kleinere Beträge in der Höhe von 1 bis 2000 Dollar für eine Menge von kleineren Vereinen und Instituten im ganzen Lande. — Die hiesigen Zeitungen sind voll von Berichten über einen äußerst interessanten Versuch, der mit einer neuen Variteät der Baumwollen Staude unternommen wurde und glänzende Resultate gehabt haben soll. Diese neue Spezialität ist eingeführt durch einen gewissen Adolph Koyl, einen englischen Juden, der sie im innersten Afrika tausend englische Meilen von der Küste fast unter dem Aequator, entdeckt hat. Interessant ist, wie weit der Jude herumkommt. — In Washington ist der Grundstein zu einer neuen Synagoge mit ungeheurem Pomp gelegt worden. Die Ceremonie selbst hat der Großmeister der Freimaurerloge mit einem Hammer vollzogen, welchen der erste Präsident der Vereinigten Staaten Georg Washington vor 100 Jahren gebraucht hat. Die Ceremonie erhielt besondere Feierlichkeit durch die Anwesenheit des Präsidenten Mac Leyno Kynley, des Staatssekretärs Scherman und anderer Notablen. Die Festrede hielt Mr. Simon Wolf und das Schlußgebet der Pastor der Baptisten-Kirche. — Auf den Goldfeldern in Alaska ist dies Jahr bereits Festgottesdienst abgehoben worden. Auf die Bitte der dort ansässigen Juden hat der Rev. Lewy eine Sefer Thora nach Juneau in Alaska geschickt. Die letzte Publikation der Jewish-Publication-Society ist die Uebersetzung des bekannten Buches „der Talmud" von Darmesieter, welches durch Mr. Szold ins Englische übersetzt wurde.? Philadelpia Dieser Tage erschien der Bericht der United Hebrew Charaties, der ein interessantes Bild von der Thätigkeil dieser großen Gesellschaft bietet. Die Gesammt-Einnahmen beliefen sich auf rund 130 000 Mk.; die Ausgaben sogar noch höher, auf beinahe 140 000 Mk. Das ärztliche Departement behandelte 16 236 Fälle. Neu ist die Einrichtung, daß in dem Bureau der Gesellschaft keine Unterstützungen verabfolgt werden, sondern durch Beamte der Gesellschaft den Hilfsbedürftigen in's Haus gebracht werden. Dadurch ist die Zuverlässigkeit der Recherchen wesentlich erhöht.? Chigaga. Zu den gegen die Juden erhobenen Anschuldigungen gehört auch die Anklage, daß sie bandenmäßig Brandstiftung ausüben, um die Versicherungen zu schädigen. Dieser Tage war wiederum