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Der Israelit · 1897-11-02 · Heft 86 (2.11.1897) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 86 (2.11.1897)
Date
1897-11-02
Page
– (sequence 10)
Language
German
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\?lWWM«»IAWM ^WWWftH^WIKIMYW. 1644 FWWM AettmrsSttachrtchre« und Eorrespondenze«. Deutschland. ** Berlin, 27. Oktober. Der Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens hielt gestern seine erste Versammlung nach den Sommerserien ab. Nach einem Vortrag Robert Schweichel's über „Heinrich Heine" erstattete der Vorsitzende, Rechtsanwalt Dr. Horwitz, Bericht über die Thätigkeit des Vereins in den letzten Monaten. Der Centralverein habe häufig genug Veranlassung zum Einschreiten gehabt, doch sei die Zahl der von Vereinswegen erstatteten Strafanzeigen erheblich zurückgegangen. Der sogenannte „Radau-Antisemitismus" sei im Schwinden begriffen, dagegen stehe der weit schlimmere und schwerer zu bekämpfende latente Antisemitismus, der sich auch in verschiedenen Verwaltungsmaßregeln kundgebe, in voller Blüthe. Die in solchen Fällen eingereichten Beschwerden blieben, namentlich in den höheren Instanzen, selten ohne Erfolg. So sei in dem vielerörterten Falle des Gutsherrn von Reurahusdvrf, der durch eine Warnungstafel Juden den Eintritt in den Gutspark untersagte, jetzt, nach anderthalbjährigem Prozessiren, auf eine Beschwerde beim Oberpräsidenten der Provinz Brandenburg entgiltig auf Entfernung der Tafel erkannt worden. Sofort stattgegeben wurde einer Eingabe des Vereins an das Polizeipräsidium in Sachen des Verkaufs antisemitischer Schriften in der Friedrichstraße. Auf die an das Ministerium des Innern in Sachen der Ausweisungen russischer Juden aus Memel gerichtete Petition sei noch kein Bescheid ergangen, doch habe man die vorläufige Einstellung der Ausweisungen verfügt. Auch so oft einzelne Juden vom Verein veranlaßt worden seien, gegen Angriffe in der antisemitischen Preffe durch Berichtigungen event. Klagen vorzugehen, habe man damit Erfolg erzielt. ** Berlin, 26. Oft. Zu einer Kundgebung gegen den Zionismus kam es in der gestrigen Versammlung des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Aus eine Anfrage aus der Milte der Versammlung erklärte der Vereinsvorfitzende, Rechtsanwalt Dr. Horvitz, die deutsche Juden schasl stände in ihrer Gcsammtheit, wenige Ausnahmen abgerechnet, den zionistischen Bestrebungen durchaus ablehnend gegenüber. Dem ersten Zionistenkongreß, an dem übrigens nur sehr wenige deutsche Juden theilgenommen hätten, werde sobald kein zweiter folgen. Eine ernste Gefahr für das Judenthum könne in dieser schon jetzt von allen vernünftig Denkenden abgethanen Bewegung kaum erblickt werden. Für den Verein erübrige es sich, eine besondere Proteftversammlung gegen den Zionismus einzuberufen. Seine Stellung hierzu sei schon durch seinen Namen gegeben. Als Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens betrachte er es als seine Aufgabe, den zionistischen Versuchen, die Juden zu „entuationalisiren", ihnen ihr deutsches Vaterland zu nehmen, ebenso sehr entgegenzutreten, als den antisemitischen Beftrebungeu, sie ihrer Staatsbürgerrechte zu berauben. (Beifall.) ** Berlin, 26. Oktober. Von der rückhaltslofen Anerkennung, welche das große Seitens der verdienstvollen „ComitLs zur Abwehr antisemitischer Angriffe" herausgegebene Werk „Die Juden als Soldaten," aus welchem wir s. Z eine ausführliche Analyse veröffentlichten, auch in fachmännischen Keisen findet, legt eine eingehende Besprechung desselben in den „Jahrbüchern für die deutsche Armee und Marine" erneuertes, sehr bemerkenswerthes Zeugnih ab. Die angesehene militärische Zeitschrifi enthält eine ausführlich Recension der Schrift, in der alle wesentlichen Daten ausgezogen sind, insbesondere die Zahlen der Juden, welche die Feldzüge milgemacht haben, die der Todten und Verwundeten, endlich die Ziffer der von ihnen erworbenen eisernen Kreuze; sie schließt mit den Worten: „Diese Zahlen stellen der militärischen Brauchbarkeit und dem guten Verhalten der jüdischen Soldaten vor dem Feinde em allerdings glänzendes Zeugniß aus." Wir dürfen un» freuen, daß diese Erkenntniß sich auch in denjenigen Kreisen Bahn zu brechen beginnt, in denen man bisher davon nichts wissen wollte. So ehrend das Nrtheil ist, das die Zeitschrift den militärischen Eigenschaften der Juden ausgestellt, noch viel wichtiger ist, daß sie durch Abdruck der wichtigsten Originalziffern den militärischen Kreisen, die das Buch selbst vielleicht nie zu Gesicht bekommen, die Nachprüfung ermöglicht. ** Hauair, 26. Oktober. Das Schöffen-Gericht von Groß-Umstadt sprach in der Klagesache des früheren Landtags-Abgeordneten Lautz von dort gegen den Reichstags-Abgeordneten Hirsche!, den Landtags- Abgeordneten Ohl und Schirmfabrikanten Bock von Groß-Umstadt wegen Beleidigung durch die Presse das Urtheil. Hirsche! und Ohl wurden (laut dem „Han. Anz.) der Beleidigung, begangen durch Zeitungs-Artikel in der „Volksmacht", und der Beihülfe für schuldig erkannt und zu einer Geldstrafe von 25 und 10 Mk., sowie Tragung von je einem Drittel der Kosten verurtheilt, Bock wurde freigesprochen. Das letzte Drittel der erwachsenen Kosten wurde dem Kläger Lautz auf erlegt. Die beleidigenden, auch mit Jllustrativnen versehenen Zeitungsartikel trugen die Aufschrift: „Die geknickte Lilie" und „Der alte Jakob." ** Rauen, 29. Oktober. (Ein Bett e lkünstler.) Im Juni wurde hierselbft ein Mensch beim Betteln abgefaßt, welcher mit Schriftstücken versehen war, die dem Anschein nach gefälscht waren

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