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Der Israelit · 1897-11-02 · Heft 86 (2.11.1897) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 86 (2.11.1897)
Date
1897-11-02
Page
– (sequence 6)
Language
German
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gewaltsamen Sitten ein Ende macht, weiß Gott allein, was den Inden noch bevorsteht. Alle diese Thatsachen wurden in Paris und London den Regierungen mitgetheilt und sie sind gebeten worden, gegen ein solches Gebühren, das sogar von bon Herrschern selbst verboten ist, einzufchreiten. ^l'rsonatien. P. Westfalen« Am 11. November 1897 werden cs 25 Jahre, daß Herr Lehrer und Kantor Louis Weiler in Paderborn snne erste ^chulstelle zu Homburg v. d. H autrat.' In dieser langen Reihe von Jahren einer segensreichen Thätigkeit verst'nd es Herr Weiler, sich die Liebe und Hochachtung zu erwerben der Mitglieder aller sener Gemeinden, ttt welchen er mit Pslichteiser und Zimtssreudigkeit gewirkt hat. Insbesondere sind ihm die Mitglieder seiner jetzigen Gemeinde Paderborn ergeben. Paderborn zählt zu den wenigen Gemeinden Westfalens, die von dem Pogclstcinschen Elaborat keine Notiz nahmen, was scdcnfalls ein Erfolg der Bemühungen des Herrn Lehrer Weiler ist, der zu den abfälligen Kritikern jenes Machwerkes, das sich „wcstsärifcbcs Gebetbuch" nennt, gehört. 1$ Wir rufen heute schon dem verehrten Jubilar entgegen: ,.ad meoh sebonim.“ Feuilleton. Die stunde der Dergeliung. Bo» Paul Gatthkls. 13) sAlle Rechte Vorbehalten.j TU. Der Spion Die Sonne sendet ihre glühenden Strahlen zur Erde. Sie reisen die an": ben Reben hängenden Trauben, deren goldiger Schein durch das grüne Laub blinkt. Rings umher ist alles still. ' Tiefer Friede liegt auf der Natur, während die Menschen sich aus grausame Weise bekriegen. Das deutsche Heer ergoß sich irrtaufhaltsam wie eine Lawine über Frankreich, alles erdrückend und niederwersend,7'was sich seinem Lause hetnmend entgegenstellte. Die Bewohner Frankreichs flüchteten vor den Siegern überall da, wo die reguläre Armee ihr Standquartier hatte. In der^Nähe des Dorfes M. hatte sich am Abend des 20. August eine deutsche Patrouille sehen lassen und sie hatte Angst und Schrecken unter den Bewohnern verbreitet. Man hatte die Deutschen nicht so nahe geglaubt, und es hieß jetzt, sich zu vergewissern, ob man bald auf das Eintreffen einer größeren Streitmacht rechnen könne. Der Maire ließ noch an demselben Abende die Männer des Dorfes sich versammeln, um zu beraihen, was zu thun sei. Die meisten stimmten für eilige Flucht und sie konnten nur mit Mühe von der sofortigen Ausführung dieser Idee zlirückgchalten werden. Da trat ein Mann aus, Alphonse Cohen, ein Jude, aus dessen Ilrtheil utait hören konnte, denn er war alt und erfahren, an seiner Vaterlandsliebe zweifelte Niemand, und da feine drei Söhne an dem Kampfe gegen Deutschland theilnahmen, durfte er schon wagen, seine Stimme hören zu lassen. „Lasset uns den Feilld hier erwarten, Bürger," so sprach er, „und unterlasset jede feindselige Demonstration. Wie ich höre, sind die Deutschen nur gegen die barbarisch, die sich ihnen zur Wehre setzen. Die friedlichen Bewohner der Dörfer und Städte haben nichts von ihnen zu fürchten. Sie zahlen, was sie gebrauchen und brandschatzten nur die Städte und Dörfer, die ihnen Uebles znfügen." „Hört ihn nicht an," tönte es aus der Menge, „er ist ein Jude, er will uns verrathen, um Gewinn ans dem Verrath zu ziehen." Ein lautes Genmrmel erhob sich. Ein Theil der Männer stimmte dern Rufe bei, andere wandten sich empört ab und riefen: „Das ist infam l" Es schien, als ob sich zwei Parteien bilden wollten. Da erhob Cohen seine Stimme und sofort legte sich der Lärm. Gespannt lauschte man den Worten des alten, ehrwürdigen Mannes. Er begann: „Wer es hier gewagt, mich schnöden Verraths um elenden Gewinnes halber zu bezichtigen, ich will cs nicht wissen; ich verzeihe ihm. Vielleicht geschah es ans Unwissenheit, vielleicht aber auch aus Bosheit, daß mein Name vor versammelter Gemeinde also gebrandmarkt ivurde. Ihr tviffet Alle, daß meine drei Söhne in den Reihen unserer tapferen Armee für unser schönes Vaterland kämpfen; Ihr wisset, daß es nur eines Wortes bedurft hätte um mir, der ich schon alt und betagt bin, die Hülfe wenigstens eines Sohnes in dieser schweren Zeit zu sichern. Ich sprach dies Wort nicht, und bei Wörth raubte eine feindliche Kugel mir den ältesten Sohn. Ihn birgt die Erde, ohne daß ich sein treues Antlitz wiedergesehen. Ob meine beiden anderen Söhne noch am Leben sind, wer weiß es! Ich habe nichts mehr von ihnen gehört. Mein Leben ist einsam. Mir ist nichts geblieben, was ich dem Vatertande hätte weihen können. Und Sie befürchten Verrath von meiner Seiten Giebt es einen Franzosen, der jein Vaterland verrathen könnte? Wie? Nein und tausendmal nein. Die Liebe zu seinem Vaterlande lebt im Herzen eines jeden Franzosen und Bürger, Cohen ist Franzose!" „Cohen ist ein Jude," rief dieselbe Stimme von vorhin, „und wird seine Brüder, die deutschen Juden nicht bekämpfen wollen." „Also dahinaus führt Dein Weg," fuhr Cohen fort, „Raren- und Religionshaß, die Dämonen der

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