Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 86 (2.11.1897)
- Date
- 1897-11-02
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1689 stand es vom Jahre 1863 und für Arme ohne Unterschied der Confession. ** Szalltsk. (Subventionirung eines Synagogenbaues.) Die hiesige Stadtvertretung hat am 19. v. einen bemerkenswerthen Beschluß gefaßt. Die israel. Cultusgemeiude hatte sich an die Stadtvertretung um eine Subvention zur Erbauung einer neuen Synagoge gewendet. Die Stadlvertretung beschloß in ihrer letzten General-Versammlung, nachdem der Bürgermeister und mehrere christliche Stadtrepräsentanten das Ansuchen befürwortet hotten, eine Anleihe von 60,000 st. aufzunehmen und diese Summe der israel. Cultusgemeiude unverzinslich zur Verfügung zu stellen. M a r o c c o. ** Mogador. Der sozusagen gewaltsame Uebertritt eines israelitischen Kindes zum Islam hat in der ganzen Gemeinde großen Schmerz hervorgerufen. Um, wie eL heißt, der schlechten Behandlung seiner Eltern zu entgehen, stüchtete sich der betreffende zwölfjährige Knabe, Namens Joses Seraf, zum Kadi, und, wenngleich er bei weitem nicht das Alter erreicht hat, wonach — den Vorschriften des Koran gemäß — ein Uebertntt giltig wird, besteht der Kadi daraus, ihn bei sich zu behalten und bedroht ihn mit Stockschlägen, falls er in's jüdische V erlel zurückläuft. Er ist der Gegenstano der größten Sorgfalt und Verhätschelung von Seiten des religiösen Hauptes in Mogador; man bemüht sich, seine geringsten Wünsche zu befriedigen. Zwei israelitischen Notablen haben sich zum Kadi begeben, um ihn zu bitten das Kind zu seinen Eltern zurückkehren zu lassen, mit Berücksichtigung feines Alters, aus seinen geäußerten Wunsch, Mobamedaner zu werden nichts zu geben. Der sehr höfliche Kadi versprach nach vielem Zögern, das Kind in einem arabischen Hanse unterzubrrngen, woselbst seine Mutter ihn b suchen und sogar die Nacht bei ihm zubringen dürfe; doch sollte er dort unter Bewachung stehen, bis er das Alter erreicht haben würde, wo der Koran den Uebertritt gestattet. Die Gemeinde begnügte sich mit diesen Versprechungen, doch wurden sie nicht gehalten, und die Mutter weggestoßen, so oft sie kam, um den Knaben zu sehen. Diese traurige Angelegenheit macht die Gemeinde sehr besorgt, denn wenn keine höhere Behörde intervenirt, um das Kind seiner Familie zurückzugeben, kann man nicht wissen, ob ähnliche Vorgänge nicht durch fanatische Priester herbeigeführt werden. Die Intervention des Gouverneurs hatte keinen Erfolg. Es scheint, als fürchte er sich, daß man religiöse Gleichgiltigkeit oorwerfs. In einem Brief wird der „Alliance" mitgetheilt, daß sich in der Angelegenheit nichts geändert habe. ** Fe). Die Lage unserer Glaubensgenossen in Sefrou wird täglich trauriger und schmerzlicher. Seit einem Jahr unter der Oberherrschaft von Omar Ben Mohamed Outaleb, werden sie von diesem Beamten so barbarisch behandelt, daß ihre Lage geradezu unerträglich wird. Trotz der Scheriff'schen Firmans, die dem Eaid anbesehlen, sie mit Wohlwollen und Gerechtigkeit zu behandeln hört Omar nicht aus, sic wie eine Heerde zu betrachten, gegen die Alles gestattet ist. Am 10. Juli setzte er seinen Grausamkeiten die Krone aus; er hatte einen armen Israeliten Namens Joseph Sersaty, sowie mehrere andere jüdtsche Lastträger gezwungen, große Getrciee-Körbe aus seinen Boden zu tragen, gegen eine Bezahlung von täglich 15 Centimes. Nach drei Tagen dieser Arbeit, von Müdigkeit erschöpft, hatte der arme Sersaty die Idee, seine Körbe nicht mehr ganz so hoch anzufüllen. Das bekam ihm schlecht. Omar, der es erfuhr, ließ ihn auf die Erde werfen und ihm Stockschläge verabreichen; Sersaty verlor die Besinnung, man glaubte ihn todt. In der Nacht vom 19.—20. Juli haben Israeliten aus Sefrou seinen mit Wunden bedecktere Körper auf einen Esel geladen und nach Fez gebracht. Er ist ein Entsetzen und ein Jammer zugleich. Ein Glaubensgenosse begab sich zu den Herren Bellaire, Leiter des Vicc- Consulats von Frankreich und Mac Jver Maclead, Vice-Consul Englands, beschrieb ihnen die Lage unserer Glaubensgenossen ln Sefrou und zeigte ihnen, welchen Ausschreitungen ihres Gouverneurs sie ausgesetzt seien. Sehr bewegt versprachen Beide unverzüglich an ihre resp. Minister schreiben zu wollen. — Jakob Wahmon und Jakob Bensaltan, Schuhflicker von Berus, waren mit anderen Israeliten in Streit gerathen. Vom Caid (früher ein einfacher Soldat, der plötzlich zum Gouverneur erhoben wurde) zu mehreren Wochen Gesängniß verurtheilt, wurden sie später sreigesprochen, worüber der Caid in Wuth gerieth und sich zu rächen beschloß wegen dieser Mißachtung seiner Autorität, wofür er dies erklärte. Während Wahmon und Bensoltan sich gerade zum Freitagabend vorbereiteten, um nach dem Tempel zu gehen, wurden sie zum Caid gerufen. Dort wurden sie gepackt und ihnen mehr als 1000 Stockschläge verabreicht; acht Soldaten mußten sich ablösen, um dem scheußlichen Gebot nachzukommen. Der Zustand des Wahmon war geradezu verzweifelt, sein armer Gefährte dagegen hat sich etwas erholt. Es ist daraus zu ersehen, wie ernst die Lage geworden. Obgleich die Sultane mehrfach durch geschriebene Erlasse die Stockschläge an den Israeliten verboten haben, so ist diese Strafe bei einigen Gouverneuren zur Gewohnheit geworden und wenn nicht ein sehr bedeutender und mächtiger Einfluß diesen