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Der Israelit · 1897-11-02 · Heft 86 (2.11.1897) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 86 (2.11.1897)
Date
1897-11-02
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1638 zubrmgen, und Hallen Versammlungen aus Versammlungen. Doch auch die Nationalliberalen laffen es an nichts fehlen. Köstlich sind die betreffenden Anklagen gegen die Antisemiten und Aufdeckung von Fehlern, welche sowohl in Versammlungen, als in Flugschriften zum Ausdrucke kommen. Der Kampf von dieser Seite aus ist jedenfalls erfolgreicher, als wenn er nur von Juden aus geführt wird; hoffen wir, daß auch der Sieg nicht ausbleiben wird. (Der antisemitische Candidat hat inzwischen mit kleiner Majorität gesiegt. Red.) W. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wie«, 25. Oktober. Eine kurze Zeit ist erst verfloffen. seitdem Herr Rabbiner I. Fürst seinen Einzug als Rabbiner der „Schiffschul" unter großen Ehrungen seitens der Mitglieder seiner Synagogengememde gehalten. Kaum sind die Worte der Begrüßung verhallt, in welchen ein angesehenes Vorstandsmitglied in beredter Sprache, den in den neuen Rabbiner gesetzten Hoffnungen und Erwartungen Ausdruck verliehen, kaum die mit rethorischem Feuer gehaltene und mit großem Beifalle aufgenommene Antrittsrede des ehrwürdigen Herrn Rabbiners, verjüngen und schon freut es uns konstatiren zu können, daß der Vorstand und mit ihm die zahlreichen Mitglieder der Schiffschulgemeinde zu der glücklichen Wahl, die sie getroffen, auf das herzlichste zu beglückwünschen sind. Herr Rabbiner Fürst vereinigt in sich alle Eigenschaften, die geeignet sind eine jüdische Gemeinde in hohem Maße zu beglücken. Bei ihm ist talmudische Gelehrsamkeit gepaart mit weltlicher Bildung; hinreißende Beredtsamkeit vereint mit einem seltenen Gedankenreichthum, und wahre Frömmigkeit verbunden mit einer grenzenlosen Bescheidenheit. Seine Deraschoth athmen Gottesfurcht, sind Moralreden in des Wortes vollster Bedeutung, begeistern die Zuhörer durch die besonders scharfsinnige Auslegung von Bibel und schwierigen Midraschstellen und erwecken die Liebe zur Thora. Von den vielen, während der verflossenen Festtage von Herrn Rabbiner Fürst abgehaltenen Deraschath, verdient die letzte vom Schemini Azerethfeste, besonders hervorgehoben zu werden, wegen der Fülle der darin enthaltenen Moral und der geistreichen Auslegung der angeführten Bibel- und Midraschstellen. Es ist uns leider aus Mangel an Raum nicht gegönnt, auch nur auszugsweise diese, eine Fülle schöner Gedanken und Morallehren enthaltenden Derascha wiederzugeben, und wollen wir nur hervorheben, daß dieselbe großen Beifall und Anklang bei den andächtig lauschenden Zuhörern gesunden und einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen hat. Wir schließen mit dem aufrichtigen Wunsche, daß es Herrn Rabbiner Fürst gelingen möge, Wien wieder zur Wohnstätte der Thora und ihrer Verehrer zu machen, und die Liebe zur Golteslehre zu erwecken. An der warmen Unterstützung vieler Gleichgesinnter wird es ihm gewiß nicht fehlen. H. L—r. ** Prag Die Talmud-Thoraschule in Prag tritt in das 41. Jahr ihres Bestandes. Sie war im Schuljahre 1896—97 von 336 Knaben und 265 Mädchen besucht, erstere in acht, letztere in fünf Klaffen. Von der durch die jährlich steigende Frequenz bestätigten Ueberz.'ugung geleitet, daß die Kenntniß des heiligen Schriftthurns in der Ursprache und ein gründliches Eindringen in dasselbe geeignet ist das religiöse Bewußtsein, die Liebe zum angestammten Glauben und zu seinen ethischen und moralischen Grundsätzen in der Heranwachsenden Generation rege und aufrecht zu erhalten, hat die isroel. Cultusgemeinde-Repräsentanz in Prag große Opfer für die Ausgestaltung dieser Anstalt gebracht und Vorsorge getroffen, daß der Unterricht von tüchtigen, pädagogisch gebildeten Lehrern ertheikt und fachmännisch beaufsichtigt wird, was durch die Jnspection den Herrn Oberrabbiner Dr. N. Ehrenfeld geschieht. Zur Hebung der Lernlust und des Schulbesuches bestehen an der Anstalt Stiftungen und am Schluffe des Schuljahres werden an brave und fleißige Schüler Prämien und Schulzeugniffe vertheilt. An der Anstatt wirken außer dem Schulleiter und öffentlichen Religronslehrer Sigmund Springer noch fünf Lehrkräfte, u. zw. die öffentlichen Religionslehrer Herr Dr. N. Grün als Lehrer für Talmud und Mischna, die Herren David Löwy, M. Wantoch, Dr. A. Deutsch und G. Lewen für die anderen Disziplinen. Bei fleißigem und regelmäßigen Schulbesuch kann sich ein Schüler die vollständige Kenntniß der heiligen Schrift sammt Commentar, der wichtigsten Bücher der Propheten und der Lehrschriften und die Grundzüge der hebräischen Grammatik aneignen. In ebenso rationeller Weise wird der Unterricht in den Mädchenklaffen ertheilt. Da der Unterricht an der Talmud-Thora-Schule außerhalb der Schulzeit täglich eine Stunde in jeder Klaffe ertheilt wird, ist jedem Schüler der Volks-, Bürgernnd Mittelschule der Besuch ermöglicht. Der Unterricht ist unentgeltlich. ** Sfrafatt, 28. Oktober. Im hiesigen jüdische Cultusvorstande erfolgte dieser Tage die Eröffnung des Testamentes weiland Salomon Liebling's, welcher zwei große Häuser im Werthe von über 70 000 fl. verschrieb als Stiftung für verwahrloste Waisen zur Hilfe für Knaben und Mädchen ohne Unterschied der Konfession; außerdem verschrieb derselbe einen namhaften Betrag in Baarem für das jüdische Spital, für das Allgemeine Kinderspital zu St. Ludwig, für die Veteranen des polnischen Auf-

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