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Der Israelit · 1897-11-02 · Heft 86 (2.11.1897) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 86 (2.11.1897)
Date
1897-11-02
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1636 Dienern, den Propheten, denn so heißt es (Amus e. 3, V. 7) L'X'25N -'-!27-^ ^2 7ib:-2rr '2, denn nicht wird der allmächtige Gott Etwas vollbringen, er habe denn vorher sein Geheimniß seinen Dienern, den Propheten, offenbart. Da nun Gott Abraham als gottessürchtig erkannt hatte (2'ibrr x*i* -*2 -nrr wy '2 nrx), da ferner Abraham zu den Redlichen, die Gott lieben, gezählt wird (jzm s^ro), da endlich Abraham ein Prophet war (tcn x'z: v) so offenbarte ihm Gott sein Geheimniß. Wir haben dieser Auseinandersetzung zu Folge in Abraham drei Stufen der Gottesverehrung zu bewundern : 1) die Gottesfurcht, 2) die Liebe zu Gott und 3) den unbedingten Gottesdienst. Die Furcht ist zunächst die Furcht vor Strafe und äußert sich am meisten in der sorgfältigen Vermeidung der Uebertretnng der göttlichen Gebote; ist aber die Versuchung groß, so überwindet diese die Furcht. Auch Adam fürchtete Gott, auch er sprach (1. B. M. e. 2 v. 10) x-'ir „und ich fürchte mich!" Aber die Versuchung war größer gewesen, als die Furcht und hatte ihn zur Uebertretung verleitet. — Die Furcht ist ferner eine solche, die da fürchtet, dasjenige, was uns lieb und theuer ist, zu verlieren; wenn aber das Theuerste verloren gehen soll, so fällt der Beweggrund zur Furcht hinweg, blicht also war die Gottesfurcht Abrahams gestaltet; sie durchdrang sein ganzes Wesen, sie ward von keiner Versuchung überwunden und als Gott fein Theuerstes, seinen einzig geliebten Sohn von ihm verlangte, da war er freudig bereit, auch diesen zum Opfer zu bringen. Die Liebe zu Gott äußert sich zunächst in der sorgfältigen Erfüllung der göttlichen Gebote; was die Furcht nicht zu vollbringen vermag, das vollbringt die Liebe; aber auch sie ist oft nicht stark genug, der Lockung der Sünde zu widersteben. Auch Roach liebte Gott; er fand Gunst in den Augen des Ewigen und wandelte mit Gott. Viele und starke Versuchungen hatte er überwunden; am Ende aber erlag er er ward entweihet (siehe Raschi z. St.) ein Mann der Erde. — Abrahams Liebe zu Gott war groß und mächtig und unerschütterlich. Nicht genügte t'* Abraham, daß er selbst Gott liebte, er suchte auch seine Mitmenschen zur Gottcsverehrung zu sichren. Sein gastfreies Haus öffnete sich jedem Fremden, unter Abrahams Obdach fand ein Jeder Speise und Trank, Nachtlager und Schutz. Den Dank aber lehnte Abraham ab; statt dessen wies er die von ihm mit Wohlthaten Ueberhäuften auf den Geber alles Guten bin und lehrte sie, Gott lieben und verehren. — Die wahrhafte Gottesfurcht und die unerschütterliche Gottesliebe bilden im Verein den echten Gottesdienst, der sich durch kein Hindernis; abschrecken, durch keine Versuchung verleiten läßt, auch nur ein Haarbreit von Gottes Wegen zu weichen; solch' ein Gottesdiener war Abraham; er führte auf Gottes Geheiß ein unstetes Leben, wiewohl er zweimal in Gefahr kömmt, die geliebte Gattin zu verlieren und da ihm Gott befiehlt, dem frechen Räuber (Abimelech) zu verzeihen, da betet er für ihn — aus Gottes Geheiß. Adam mußte aus dem Paradiese vertrieben werden, Noach wurde in der Arche eingeschloffen, während Gott über die Welt das Verderben brachte, mit Abraham aber berieth sich Gott, ehe Er jene sündigen Städte dem Untergange weihete. (Siehe Midrasch Jalkut zu I. B. M. c. 3 v. 24.) (Schluß folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. ** Berlin, 25. Oktober. Die „Vossische Zeitung" schreibt: „Seit einem Menschenalter war es in Preußen den Strafgefangenen jüdischer Konfession gestattet, rituell beköstigt zu werden. In den königl. Strafanstalten wurde dtese Beköstigung dadurch ermöglicht oder erleichtet, daß für gewisse Provinzen die jüdischen Gefangenen in einer Anstalt vereinigt wurden, in der für sie von der Verwaltung das Essen nach ritueller Vorschrift bereitet wurde. Erhebliche Mehrkosten entstanden dem Staat hierdurch nicht; wenn auch die Transportkosten für einzelne Gefangene nach der in einer Nachbarprovinz belegeneu Centralanstalt sich etwas erhöhten, so wurde anderseits durch die Vereinigung der jüdischen Sträflinge an den Kosten für den Anstaltsgeistlichen (Rabbiner) gespart. Seit einigen Monaten ist diese rituelle Beköstigung eingestellt; alle Bemühungen der Rabbiner rc waren vergeblich. Dec Herr Minister des Innern beruft sich daraus, daß diese Anordnung im Interesse der einheitlichen Regelung dieser Angelegenheit für das Deutsche Reich nochwendig sei. Aber wir haben ja überhaupt kein einheiftiches Strafvollzugsgesetz für das Deutsche Reich und Preußen pflegt doch sonst den anderen Bundesstaaten gegenüber nicht immer nachgiebig zu sein. Man könnte nun den Ernwand erheben, daß ein Mensch, der wegen eines Verbrechens seine Freiheit verwirkt hat, nicht den Anspruch erheben darf, daß ihm der Staat im Gefängniß die Beobachtung seiner religiösen Gesetze ermöglichen soll. Diese Folgerung ist aber grundfalsch: Die Freiheitsstrafe hat auch den Zweck, den Verbrecher zu bessern, und gerade die Hebung der Religiösität bei dem Verbrecher ward von jeher vom Staat als eines der wirksamsten Besserungsmittel betrachtet. Jedenfalls machte es einen recht peinlichen Eindruck als die rituelle Bespeisung, nachdem sie über 30 Jahre Norm war, plötzlich eingestellt wurde."

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