Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 86 (2.11.1897)
- Date
- 1897-11-02
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXXVIII. Jahrgang. M §6 Der Israelit. Ein Aentrak-Hrgan für das orthodoxe IudentKum. Begründet von Dr ft^mann in Iltftin}. Dienstag, den 2 November 5658 (1897). Leitender Artikel Abraham, unser Vorbild. Die Geschichte der ersten zwanzig Geschlechter, die wir in den ersten Abschnitten der h. Schrift lesen, bietet uns nur ein trübes Bild. Das erste Menschenpaar verfällt, kaum erschaffen, der Sünde; Brudermord befleckt das zweite Geschlecht, und Sünde und Laster bemächtigen sich nach und nach derart der Menschheit, daß nur noch Noach Gnade findet vor Gott, alle Uebrigcn aber den verderblichen Fluchen zum Raube werden. Wiederum haben zehn Geschlechter gelebt, die Gott erzürnten, vergaßen ihres erhabenen Schöpfers und anbetend niederknieten vor Holz und Stein. Vergessen sind die alten Erinnerungen, Laster und Sünde herrschen wiederum allüberall — da erscheint Abraham, unser Stammvater Abraham; seiner Einsicht gelingt es, Trug und Lüge zu entlarven, er zerschlägt die Götzen von Holz und Stein, und anbetend wirft er sich nieder vor dem großen Allgewaltigen, der da Himmel, Erde und Meere erschaffen hat. Ihm aber offenbart sich der Allgütige und spricht zu ihm: „Auf, trenne dich von deinem bisherigen Heimathlande, vertäfle den Ort deiner Geburt, habe keine Gemeinschaft fürder mit deinem väterlichen Hause, denn du bist ein Anderer geworden, dadurch, daß du mich erkannt hast; so walle denn nach dem Lande, das ich dir zeigen werde. Mit diesem Augenblicke, da sich Gott dem Abraham offenbart, ihn absondert von seinem Vaterlande, seiner Heimath und seinem väterlichen Hause, ihn erwählt zum Träger und Verkünder seines heiligen Namens, mit diesem Augenblicke beginnt die Geschichte Israels. Die Geschichte unseres Volkes hat einen anderen Anfang, als die anderer Nationen; nicht beginnt sie mit gewaltigen Eroberungen, ihre Stifter sind nicht mächtige Kriegeshelden, deren Fußtritten Blut entquillt, deren Heldenthaten erkauft sind mit dem Blute Tausender, mit den Thränenströmen der Wittwen und Waisen, mit dem Angstschrei der Verwundeten und Verkrüppelten — unsere Geschichte beginnt mit der die Welt durchleuchtenden Gottesidee, die Stifter unseres Volkes sind Männer, deren Lebensaufgabe die Verbreitung der Gotteserkenntniß ist und die Erhebung verthierter Menschen zu geistbegabten Gottesverehrern. Und der erste Stifter unseres Volkes ist Abraham; seine hohe Würde, seine erhabene Bestimmung und die Erfüllung derselben wird uns am deutlichsten in folgenden Versen ausgesprochen: (I. B. M. c. 18. v 17, 18 und 19.) Und Gott sprach: Soll ich vor Abraham verbergen, was ich thun will? Und Abraham wird werden zu einem großen und mächtigen Volke, und durch ihn werden gesegnet werden alle Völker der Erde; denn ich habe ihn erwählt, damit er befehle seinen Söhnen und seinem Hause nach ihm, daß sie beobachten den Weg des Ewigen, zu üben Gerechtigkeit und Recht, damit Gott über Abraham bringe, was er über ihn verheißen hat. — Welch' eine hohe Würde liegt darin, daß Gott den Abraham gleichsam zu seinem Berather erwählt, vor dem er kein Geheimniß hat, welch' eine erhabene Bestimmung ist die, ein Segen zu werden für die ganze Welt, und in welch' hohem Grade hat sich diese Bestimmung erfüllt! — Unsere Weisen knüpfen an diese Mittheilung der heiligen Schrift, daß Gott dem Abraham sein Geheimniß nicht verbirgt, die Bemerkung, daß Gott sein Geheimniß mittheilt, 1) denen, die ihn fürchte n, 2) den Redlichen, die ihn lieben und 3) seinen Dienern, den Propheten; denen, die ihn fürchten, denn so heißt es (Th. c. 25 v. 17) 'n mo, das Geheimniß Gottes für die, so ihn fürchten; den Redlichen, denn so heißt es (Mischle 3, 32) vre omr iw und mit den Redlichen ist sein Geheimniß; seinen