Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 85 (28.10.1897)
- Date
- 1897-10-28
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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XXXVULI. Jahrgang. Zweite Beilage M M 85 -es Jtenwlit“. Zeitungsnachrichten und Correfpondenze». Deutschland. Aus Bayern, 24. Oktober. Ihr Fürther Correspondent zitirt in seinem jüngsten Artikel über die Schulfreiheit an den Feiertagen ein Eingesandt aus einer dortigen Tageszeitung, in welchem sämmtlichen bayerischen Rabbinen der Vorwurf ungenügender Wahrung ihrer Pflicht der praktisch-religiösen Jugenderziehung gemacht wird. Diesem Vorwurf entgcgenzutreten, ist heilige Pflicht der Gerechtigkeit und Wahrheitsliebe. Denn „die in München zuletzt versammelten Rabbiner" haben nicht nur keine Erklärung in dem Sinne abgegeben, daß die Schulfreiheit nur für die Vormittage zu erstreben sei, sondern sie haben in diesem Jahre die Frage gar nicht besprochen. Der betr. Einsender meint, wenn er überhaupt etwas Thatsächliches meint und nicht ein unkundiger Raisonneur ist, mit seinen Worten — die allerdings für den unbefangenen Leser die sämmtlichen Theilnehmer der Münchener Konferenz mit dem Odium belasten muffen — die dwtx früheren Zusammenkunft, auf deren Tagesordnung der fragliche Gegenstand sich befand. Damals wurde, wie Sie in Nr. 44 des Jahrgangs 1894 berichteten, bezüglich des Synagogenbesuches seitens der Schüler einstimmig ausgesprochen, daß es als heilige Pflicht der Schüler bezeichnet werden müsse, am öffentlichen Gebete theilzunehmen. Diese Resolution wollte aber die Freiheit vom Schulbesuche keineswegs beschränken, sondern erfolgte im Anschluß an einen Antrag, der das den einzelnen Eltern durch minist. Entschließung von 1887 zugestandene Recht, die Befreiung ihrer Kinder für den Feiertag zu verlangen, dahin ausdehnen sollte, daß „auf Wunsch des Rabbiners ohne weiteres", d. h. ohne spezielle Erklärung der Eltern „von Seilen der Rektorate den israelitischen Schülern Generaldispens" ertheilt werden solle. Die bezügliche Minifterial-Entschließung besteht noch heute zu Recht, und die E l t e r n der in Betracht kommenden Schüler hätten, auch wenn die Fürther „Religionsbehörde" einen Generaldispens der israel. Schüler nur für den Vormittag verlangt, ihrerseits die Freigabe des ganzen Tages für ihre Kinder zu erwirken vermocht. — Die bayrischen Rabbiner haben bisher stets ihre Pflicht zu thun gewußt und werden sie mit G H. auch ferner zu thun wiffen, ohne der öffentlichen Ermahnungen zu bedürfen. (Man vergleiche hierzu die Erklärung der Herren Rabbiner Weinberg und Bamberger im Hauptblatt unserer heutigen Nummer. Red.) Rußland. Warschau, im Oktober. (Die polnischen Z ei t unge n üb er die zionistische Bewegung.) Die „Przegloud Tygodmosoy" Wochen-Revue schreibt: „Warum beobachtet die „Revue" über den Zionismus, mit dem sich die in- und ausländische Presse beschäftigt, Schweigen," intervenirte uns einer unserer israelitischen Abonnenten. Unsere Antwort wird eine kurze sein. Wir betrachten diese Idee als seicht, jeder Lebensfähigkeit baar, als ziellos und sogar als schädlich. Annährend ließe sie sich mit dem polnischen Torianismus vergleichen. Sie wurde aus der alten biblischen Borrathskammer hervorgeholt, um damit die unter den Streichen des Antisemitismus schmerzzuckende jüdische Seele zu besänftigen, und die oberen intelligenten Gemüther von der Brutalität der jetzigen judenfeindlichen Strömung lahmgelegt, werden damit irregeleitet; aber ihr wird für die Kinder Israels nichts Positives ersprießen, und sie wird nur Enttäuschungen und moralische Schäden im Gefolge haben. .Sie entströmt aus der Mitte der Volksmassen und ihren realen Bedürfniffen, sie steht mit ihren in gar keinem engen Kontakte, sondern ist ein mystisches Gebilde einiger vielleicht talentvoller Leute, die aber mit der jüdischen Volksmenge wenig Berührung haben und sich von der Realisirbarkeit ihres Planes keine Rechenschaft ablegen. Indem wir den lyrischen Ergüffen der Congreßredner lauschen, muffen wir diese literarischen Produktionen unwillkürlich belächeln. Spricht so das Bedürsniß der Maffen, offenbart sich so die Nothwendigkeit der That? Wir würden es begreifen, wenn allenthalben unterdrückte Juden selbst in größeren Maffen nach Argentinien oder nach einem andern Lande auswandern würden, um dort „Reue vereinigte Staaten" zu gründen, denn das würde ihrer Lage entsprechen, wäre ein Beweis von männlicher Energie und würde den jüdischen Volksmaffen in Europa eine wirkliche Erleichterung verschaffen. In den heutigen Zeiten senden alle Nationen den Ueberschuß ihrer Bevölkerung nach Colonien; die Polen haben während einer nichtlangen Periode gegen vier Millionen jenseits des Meeres colonisirt und die Emigration hält weiter an. Dorthin wandern jene aus, die in der Heimath entweder kein Brod oder keine Freiheit der Entwicklung finden. Läßt sich damit die Utopie der Zionisten vergleichen? Und auf welche Weise wollen die Zionisten Palästina gewinnen? Durch Geld. Die Geschichte hat dafür kein Beispiel,