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Der Israelit · 1897-10-28 · Heft 85 (28.10.1897) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 85 (28.10.1897)
Date
1897-10-28
Page
– (sequence 20)
Language
German
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-——~i-1—i—i ii p wmi,!>j Hiiiiiiip .. 1628 daß man ein Vaterland mit Geld gekauft hätte. Und selbst, wenn der Sultan, aus finanziellen Rücksichten, auf ein Lockrufen eingehen und die Gründung eines Staates in seinem Staate gewähren würde, was doch sehr unwahrscheinlich ist, rechnen die Zionisten nicht mit dem christlichen Gefühle Europas, das nie gestatten wird, daß das heilige Grab in ihre Hände übergehe? Und alles Faseln einer Neutralisirung Jerusalems, von der Gründung einer neuen jüdischen Stadt als Residenz eines autonomen jüdischen Königreiches unter Europas Protekorate, ist ein lächerliches Phantasiegebttoe, das mit der Wirklichkeit nichts gemein hat. Was bieten die Zionisten also ihrem Volke? Eine Fiction, eine Art Paradies auf Erden, eine Krone im Jenseits. Aber das, was als Ausstuß religiöser Empfindungen natürlich und zulässig ist, wird zur Parodie, wenn es zum Niveau der realen Wirklichkeit hinuntersteigt. Auf dem Zwnistenkongresse kam der Gedanke zum Ausdrucke, daß in vornhinein nichts entworfen, gar kein konkretes Postulat aufgestellt wird, man beabsichtigt nur den Kindern Israels das bessere Gefühl für ein eigenes Vaterland einzustößen, sie günstig zu regeneriren und ihren von der Jagd nach einem Erwerbe geschwächten Nerven etwas mehr Lebensenergie zuzusühren. Zum Unglücke ist dies, wenn nicht eine absichtliche Lüge, denn einer solchen zeihen wir niemanden, ein grober Fehler. Denn, wenn man den Ost, das Land bezeichnet, die Mittel bespricht, den Landerwerb sestsitzi und dtt Garantien für eine politische Existenz erörtert, so ist dres ein sehr konkreter Abriß eines Programms, dem nur noch die Vollzugsorgane fehlen. Und anders kann es auch nicht sein. Denn, wie wäre sonst ein Vaterland ohne die Ortsbestimmung feiner Existenz, ohne Mittel zum Entstehen, ohne Daseinsbedingungen möglich? Daraus ist zu ersehen, daß die Iranisten entweder sich oder andere täuschen. Die auseinandergesetzten Gründe machen uns dem Zionismus gegenüber mißtrauisch, er soll der Wiedergeburt eines Volkes, der Erleichterung seiurs schweren Schicksals dienen und beruht auf einer Fictton und Jllussion. Ist da welche Eonsequenz? Diese Idee läßt sich weder vom ethischen, noch vom politischen oder ökonomischen Standpunkte rechtfertigen. Nachzuforschen, ob die Juden fähig sind, ein selbstständiges Reich zu bilden, haben wir gar keine Veranlassung. Wir wollen nicht entscheiden, ob das einzige ihnen gemeinschaftliche Merkmal — die mosaische Religion, deren Ausübung überdies verschiedene Abweichungen aufweist, darnach angethan ist, eine genügende Grundlage für ein Staatswesen zu bilden; e» sind sogar entgegengesetzte Verspiele vorhanden. Staaten, die sonst kein gemeinschaftliches Band als dieselbe Religion haben, benehmen sich sogar feindselig gegen einander. Und unsere Phantasie ist nicht so mächtig, um einen französischen, deutschen, polnischen und russischen Juden, der orientalischen Israeliten nicht zu erwähnen, einheitlich beurtheilen zu können. Aber nach unserer Ansicht, vermag die zionistische Idee der Judenhert nicht nur gar keine Aussichten auf Erleichterung, gar keine Mittel einer Renaiffance oder selbst nur einer Beschwichtigung der aufgeregten Gemüther zu bietm — sondern kann im Gegentheil viel Unheil anrichten und unersetzlichen Schaden verursachen. Daß eine solche Bemerkung nicht unbegründet ist, können die Zionisten aus dem Mttgefühle, das die Organe der antisemitischen Presse ihnen entgegenbringen, schließen. Es freut sich niemand, ob des Nutzens seines Feinoes. Die Antisemiten urtheilen folgerichtig, daß die zionistische Bewegung jene Schichten der jüdischen Bevölkerung, die bisher nicht separiftisch, sondern patriotisch dachten und handelten, kompromittiren werde. Und in der That verhält sich so die Sache. Auf politischem Booen hat der Zionismus das im „Karger Codzienny" veröffentlichte Glaubensbekennttuß der „Warschauer Delegaten" und ein von Regina Reichmaun im Warschauer „Jsraelita" publicute Manifest zur Folge gehabt. Diese beiden Dokuurente müssen aus jeden einen traurigen, deprimirenden Eindruck machen. Daß der Delegat die Sache sehr oberflächlich behandelt und in seiner Kundgebung Motive, die wir schon anderswo vernommen haben, wiederholt, ist das Heu nere Uebel; traurig aber ist es, daß er sich diesen fremden Joeengcmg zu eigen macht uno ihn auf unfern Boden verpflanzen will. „Kann man denn nicht", fragt der Delegat — „ein guter Franzose, Deutscher ooer Pole fern uno gleichzeitig auch Zionist?" Nein, Herr Delegat, das kann man nicht, denn wer zwei Vaterländer gleichzeitig haben will, liefert den Beweis, daß er kein einziges in fernem Herzen hat. Man kann zu einem gegebenen Staate gehören, man kann die Ziele seines Vaterlandes mit dem Wohle und den Zielen des Reiches in Emklang bringen, man kann aber nur ein Vaterland haben und der Zionismus bezweckt doch eben für die Juden ein zweites Vaterland zu gründen- Mit diesem Begriffe sind stricte alle Bürgerpflichten verbunden und niemand wird uns emes andern überzeugen. „Der Propagator dieser Idee" — sagt weiter der Delegat, „kann sich trotz oer Chikanen und des Gespöttes, der Verachtung und der Geringschätzung, als ein integrirender Therl der Nation, in deren Mitte er lebt, betrachten und gleichzeitig daran denken, dieser armen unglücklichen Volksmasse, der er entstamntt, und mit welchem ihn Blutsbande verbinden, Hilfe zu bringen." Das kann er und das soll er sogar, aber nur auf unserem Boden. Sinter den oben angeführten Hilfsmitteln wurde jüdischen Massen eine Auswanderung anempsohlen

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