Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 85 (28.10.1897)
- Date
- 1897-10-28
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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WWWWWWWWW 1619 ArwaS zu der Gemeinde auf Wuusch nicht in arabischer Sprache, sondern in klassischem Hebräisch. Es war keine „Predigt," sondern das Produkt tiefer Gelehrsamkeit, das zum Vortrage gelangte. Bibel, Talmud, ja selbst kabbalistische Deutungen kamen zu ihrem Rechte. Der Vortrag dauerte eine Stunde. Als Vorbeter amtirte ein Herr aus Jerusalem, der Sohn eines dortigen Rabbiners, der hier — die Schneider-Akademie besucht. Obwohl Handwerker, besitzt er großes talmudisches und angemessenes profanes Wissen. Um die würdige Ausstattung des schönen Saales hat sich Herr I. D. Hassan von hier, der Gabbei der improvisirten Gemeinde verdient gemacht. — Auch am Jom Kippur haben die Sephardim hier Gottesdienst abgehalten; die Lithurgie dieses Gottesdienstes soll besonders in musikalischer Hinsicht von großer Schönheit und unverfälschter Eigenart gewesen sein, weil ihr weniger türkische als spanische Weisen zu Grunde liegen, jene Weisen, die die Sephardim bis auf den heutigen Tag treu bewahrt haben, trotzdem ihre Urahnen um ihres Judenthums willen im Jahre 1492 aus Spanien vertrieben wurden, und die, neben der Beibehaltung des Spanischen als Umgangssprache, zeugen von der unverbrüchlichen Treue, mit der Juden an ihrem Vaterlande hangen, selbst wenn sie dort geächtet, geknechtet und verjagt werden. Aus Bayern. Wir werden um Aufnahme der nachstehenden „Erklärung" ersucht. In der 2. Beilage des „Israelit" Nr. 82 und 83 wird in längerer Ausführung über ein eigenartiges Vorkommuiß berichtet, das — nach dem gegebenen Bericht — auch berechtigtes allgemeines Aufsehen erregt haben soll. An dem letzten ^ni-Feste sollen die jüdischen Schüler der Mittelschulen und Gymnasien in Fürth und Nürnberg angehalten worden sein, den Nachmittagsunterricht zu besuchen. Auf eine öffentliche Anfrage in einer Fürlher Zeitung hin, in welcher der allgemeinen Verwunderung über jene Anordnung Ausdruck gegeben wurde, wurde dieselbe in einer gleichfalls öffentlichen Erwiderung durch einen angeblichen Beschluß der letzten bayerischen Rabbinerkonferenz begründet. Dieselbe soll beschlossen haben, künftig „für alle isr. Feiertage mit Ausnahme des Versöhnungstages nur mehr um Freigabe des Vormittags für Schüler ihrer Konfession bei den Schulbehörden nachzusuchen." Der „Israelit" gibt dem berechtigten "Wunsche Ausdruck, es möge von zuständiger Seite Licht in diese unbegreifliche Angelegenheit gebracht werden. Dieses soll hiermit vorläufig mit der Konftatirung folgender einfachen Thatsache geschehen: Die Unterzeichneten, welche naturgemäß dem Gang der Verhandlungen von Anfang bis Ende gefolgt find und denselben unabhängig von einander protokollirt haben, erklären hiermit, daß im Verlaufe der vrei abgehaltenen Sitzungen bei der fünften freien Konferenz der bayerischen Rabbiner zu München am l4. und 15. Juli 1897, auch nicht von einem einzigen Redner ein Wunsch geäußert wurde, der obiger Angabe entspräche, geschweige denn, daß die Konferenz in ihrer Gesammtheit sich mit der Angelegenheit befaßt oder gar den Beschluß gefaßt hätte, im Sinne des obigen Eingesandt bei den Schulbehörden vorstellig zu werden Die Schriftführer der fünften freien Konferenz der bayerischen Rabbiner zu München 1897: Dr. M. W e i nb erg, Distr.-Rabb., Sulzbürg (O.-Pf.) Dr. S a l. Ba m b e r g er, Distr.-Rabb., Burgpreppach. ** Nürnberg. Hierselbst tagte der Internationale Verein der „Freundinnen junger Mädchen" in Bayern. An den Verhandlungen betheiligten sich u. a. drei Münchener Damen, Frau Baronin Rotenh a n, Frau v. P o n i k a u und Frau Rath Irmischer. Die „Münchener Fr. Presse" bemerkt dazu: Wir bedauern, sagen zu müssen, daß das Gute, was der Verein zu schaffen imstande wäre, paralisirt wird, durch eine vom christlichen Standpunkte ungerechtfertigte Beschränkung. Es foll nämlich zwischen den christlichen Konfessionen und den Rationalitäten kein Unterschied gemacht werden, dagegen sollen Angehörige jüdischer Religion sowohl von Mitgliedschaft wie von Unterstützung ausgeschlossen sein. Unter diesen Umständen können wir unseren Freunden nur abrathen, diesem Konventikel irgend welche Unterstützung zu Theil werden zu lassen. Zur Vermeidung einer Täuschung wäre es unserer Ansicht nach die Pflicht des Vereins in seinem Namen auszudrücken, was er ist. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien, 15. Okt. (WienerGemeinderath.) Die von den israelitischen Mitgliedern des Gemeinderathes an den Bürgermeister gerichtete schriftliche Verwahrung gegen die unqualifizirbaren Angriffe auf die jüdische Confession, welche in dem bekannten Anträge des Vice-Bürgermeisters Neumayer, die jüdischen Richter betreffend, enthalten waren, hat den Herrn Bürgermeister Dr. Lueger nach seinem Geständniffe „sehr unangenehm berührt". Nach der etwas weh- und demüthigen Rechtfertigung zu schließen, zu der sich der Führer der Antisemiten vor überfüllten Gallerten herbeiließ, dürste im Rathhause etwas nachträglich die Furcht erwacht sein, daß die Motivirung und das Meritum des Antrags Neumayer vielleicht anderwärts sehr „unangenehm berühren" könnten oder schon berührt haben. Dr. Lueger ging deshalb heute so weit, zu behaupten, es seien im Rathhaussaale niemals Insulten gegen