Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 84 (25.10.1897)
- Date
- 1897-10-25
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Mentioned entities
- Hrodna 1× ep/1044655
- Kaunas 1× ep/1000678
- Minsk 1× ep/1000754
- Vilnius 1× ep/1000947
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WMWMMWWWM 1604 In Den Städten ift man Ufceralerfeitö mit dem thatkräftigen Borgehen der Bauernführer ganz einverstanden, und in wyn ywc rechten Zeit nicht an der nöchigen Unterstützung dieser von den Bauern proklamirten Kandidatur fehlen. Das eine ist klar, dag das Ecgebniß der letzten Wahl in unserem Kreise für die heutigen Verhältnisse durchaus nicht mebr maßgebend ift. Gerade auf dem Lande ift ein unverkennbarer Umschwung der Stimmung hervorgetreten; es ift dies zum Theil die naturgemäße Reaktion aus die wüste Hetz- und Wühlarbeit der Ahlwardt, Förster und Genoften, Es hat aber auch der Bauernverein „Nordost" ein gut Theil oer Aufklärungsarbeit geleistet. Man muß den Eifer und die Ausdauer unserer Bauern sehen, mit der sie die Kandidatur ihres Berussgenogen Schulz-Lübguft zu fördern suchen, und man wird es nicht tür unmöglich halten daß dieser ernsthafte Versuch von Erfolg gekrönt werden kann. Rußland. ** Petersburg, 1. Oct. Unsere Gegner in Rußland sind gewohnt, diejenigen Provinzen, wo der Ausenthalt den Inden gestattet ist, als Verbrecher- Plätze, wo die Menschen nur durch Lug und Trug ihr kümmerliches Dasein fristen, zu bezeichnen. Wie weit diese Behauptung der Wahrheit entspricht, soll uns eine Veröffentlichung des Finanzministeriums im Journal für Handel und Industrie lehren. Demnach ist das Fabrikenwesen gerade in den jüdischen Provinzen in Rußland bedeutend besser entwickelt und Handel und Industrie nlacherr bei Weitem größere Fortschritte als in den übrigen Provinzen, wo der Ausenthalt den Juden verboten ist. So war im Jahr 1893: »’.aftf der Fabriken Summe der Fabrikate in ■ lovid Mittel Gouvern. Beffarabien 184 4 847 Wilna 226 5 984 Wiiebsk 167 3 316 Wolin 557 18 351 Grodno 47 l 11 954 // Jekaterinoslaw382 54 956 Kowno 138 3 920 Kiew 646 69 373 Minsk 284 3 429 Mvhilew 275 4 144 „ Podolien 475 37 371 Taurien 263 6 465 Cherson 497 40 936 „ Tschernigow 274 18 954 davon sind nur in den Provinzen, wo Juden wohnen, insgesammt 5 055 Fabriken, die im Jahr 1893 Waare für rund 29 411 600 Rubel verarbeiteten. Wenn wir Petersburg und Moskau außer Acht lassen, die infolge ihrer günstigen Lage an der Eisenbahn ein sehr enttvickeltes Fabrikationswesen zeigen, so macht in den 15 anderen Provinzen die Zahl der Fabriken 31,10/0 in der gesammten russisch-europäischen Fabrikation aus. Und nicht nnsivnst sagd das betreffende Journal, daß in diesen Provinzen die Fabrikation sich mit amerikanischer Schnelligkeit entwickelt. Man kann sich daher denken, wie wünschenswert es für die russische Industrie wäre, in der allein eine Verbefferung der ökonomischen Lage Rußlands zu suchen ist, wenn man den Juden überall Aufenthaltsrecht geben würde. Leider wollen unsere Feinde die Wahrheit nicht anerkennen. Jeliffawetgrad. (I u d e n h etz e.) Am 17. April d. I. hatten im Flecken Kontakusowka, im Kreise Ananjew, Gouvernement Chersson, antisemitische Demonstrationen und Unruhen stattgefunden, die am 11. September im Jeliffawetgradschen Bezirksgerichte (vor einer Deputation des Odessaer Gerichtshofes) den Gegenstand einer langdauerndsn Verhandlung bildewn. Es waren 87 Zeugen, meist Juden, die unter den Unruhen zu leiden gehabt hatten, vorgeladen. Der Sachverhalt war nach einer (Korrespondenz der „Now. Wr.' folgender: Gegen 60—70 Bauern zogen am 17. April unter der Anführung eines gewiffen Wassili Jakowlew aus Kantalusowka nach dem gegenüberliegenden Wosnessensk am Bug, um dort eine Judenhetze in Scene zu setzen. Rechtzeitig dort getroffene Vorsichtsmaßregeln vereitelten jedoch dieses Bubenstück, und der Hause zog wieder nach Kantakusowka zurück. Auf der die beiden Orte verbindenden Brücke trafen die Bauern mit einer Gruppe Juden zusammen. Der Urjadnik Stryshakowski, welcher sich ebenfalls aus der Brücke befand, forderte die Leute auf, auseinanderzugehen, doch leisteten sie seiner Aufforderung nicht Folge, sondern antworteten mit Schmähreven. Dann stürzten die Bauern in den Flecken und zertrümmerten Thüren und Fenster. Einige Juden, die sich nicht hatten verstecken können, wurden geprügelt; der Skandal begann um 11 Uhr Abends, und daher schliefen die meisten schon. Aus dem Schlafe geweckt, liefen die erschreckten Juden, hauptsächlich Frauen, Kinder und Greise, aus dem Städtchen auf's freie Felo und verbrachten dort die Nacht. Sie kehrten erst am Morgen, als wieder Ruhe herrschte, in ihre Wohnungen zurück. Die Hetze begann gleichzeitig an mehreren Punkten. Der Dorfgeistliche trat den Unruhestiftern mit einem Heiligenbilde in den Händen entgegen, wurde aber bei Seite gestoßen, und der Lärm dauerte bis zum frühen Morgen fort. Es wurden 66 Häuser zerstört und der Gesammtschaden beläuft sich auf mehr als 6000 Rubel. Am Morgen wurden von ber Polizei über 100 Personen verhaftet. Viele wurden dann wegen mangelnder Beweise für ihre Theilnahme an den Unruhen wieder freigelassen und ein Theil vom Ge-