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Der Israelit · 1897-10-25 · Heft 84 (25.10.1897) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 84 (25.10.1897)
Date
1897-10-25
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1600 Liebling des Galten und dessen verheiratheten Kinder, nicht allein der Schmuck der betagten Mutter, des verehrten Bruders, der werthen Schwester, sie war dies Alles nicht minder der Gemeinde, allen Bekannten und dies hat sich bei dem überaus großen Leichenbegängniß der Verklärten kund gethan; denn nicht nur, daß der größte Theil der hiesigen Bewohner ohne Unterschied der Konfession und des Standes sich hieran betheiligten, es strömten Schaaren auswärtiger Freunde und Bekannten herbei, um der Entschlafenen die letzte Ehre zu erweisen. Kein Auge blieb trocken, als deren hochverehrter Bruder Herr Lehrer Oppenheimer von hier, vor dem Trauerhause der heißgeliebten Schwester einen tiefergreisenden Nachruf hielt, und wie vermehrten sich Wehklagen und Jammertöne als unser ehrwürdiger Rabb. Herr Dr. Weinberg in größter Rührung und Beredtsamkeit am nmpn rra die edlen Tugenden, die segensreichen Thaten schilderte, und Alles dies ist nur eine Andeutung von den vielen avm dto, welche die Entschlafene während ihres kurzen Aufenthaltes ans dieser Erde geübt. rrsjun Gerichtszeiiung. Schrvriufurl« Dirfer Tage wurde vor dem Schöffengerickt die PrivaMagc des Inhabers der Gctreidekarrdtung S. M. ^eligstein gegen den Redakteur Tr. Sigl wegen der von diesem im „Bayerischen Vaterland" veröffentlichten beleidigenden Artikel über die Gerstenlieserung der Fnma S. M. Seligstem an das königliche Hosbräubaus München durch Vergleich erledigt. Dr. Sigl ließ sich unter Ucbernabme iämmtlichcr Kosten zu einer Erklärung herbei, in der er die im „Bayer. Vaterl." erschienenen Artikel als ans falcher Information beruhend bezeichnet und die darin enthaltenen, die Person des Klägers beleidigenden und dessen geschäftlichen Kredit gefährdenden Aussülnungcn als unwahr mit dem Ausdruck des Bedauerns zurücknimmt, wobei er insbesondere anerkennt, daß nach Allem, was ihm persönlich über die Geschäftsführung der Firma S. M. Sellgstein bekannt geworden sei, diese als streng reell bezeichnet werden müsse. Die Veröffentlichung dieser Erklärung soll in vier Zeitungen erfolgen. Vermischtes. Berlin. Die jüdische Gemeindesteuer für das laufende Verwaltungsjahr ist vom Vorstände der Berliner jüdischen Kultusgcmeinde nunmehr festgesetzt worden. Sic beträgt p Et. von demjenigen Einkomnren der Gemcindemitglicder, welches der Veranlagung zur staatlichen Einkommensteuer zu Grunde liegt. Wir« Ter Antisemit Verglttü, der nach dem bekannten Prozesse sein Landtagsmandat niederlegte, ist bei der Neuwahl gegen den deutschvolklichen Kandidaten durchgefallen. London. Eine Anzahl jüdischer Handwerker in Jerusalem hat an die Königin Victoria eine Petition gerichtet, in der sie dieselbe ersuchen, ihnen durch dorr Staatssekretär für die Kolonien die Anlage einer jüdischen landwirthschastlichen Niederlassung in Zypern zu gestatten. Sie seien, so i sagen die Handwerker in ihrer Petition, an harte Arbeit und! Ausdouer von Kindheit an gewöhnt und litten jetzt die größte Noch. Feuilleton. Die Stunde der Vergeltung. Bort Paul Gotthelf. 11) sAlle Rechte Vorbehalten.^ Am andern Tage wurden die drei Patienten in das Hans des Herrn Lazar übergeführt. Derselbe hatte ein großes, freundliches Zimmer zum Krankenzimmer Herrichten lassen und beaufsichtigte selbst den Transport der Kranken. Es waren zwei deutsche Soldaten und ein Franzose. Die beiden Deutschen hatten Wunden an den Beinen, der Franzose hatte eine Kopfwunde. Erstere mußten beständig das Bett hüten, während der Franzose bald umhergehen und seine Leidensgefährten bedienen konnte. Es entstanden oft komische Mißverständnisse, da der Franzose kein Deutsch verstand die Deutschen nicht französisch sprechen konnten. Anfangs machte Alice die Dolmetscherin, aber bald lernte man sich gegenseitig verstehen. Eines Tages erhielt der eine der Patienten einen Brief, worin ihm seine Schwester ihre baldige Ankunft meldete. Freudig erregt theilte er es Alice mit, welche sofort erklärte, die Schwester müsse bei ihren Eltern wohnen. Der Patient drückte seine Freude und Dankbarkeit in beredten Worten aus. Alice wollte nichts davon hören, und als nach einigen Tagen die Erwartete endlich eintras, wurde sie empfangen, als ob sie zur Familie des Commerzienrathes gehöre. Es war ein hübsches Mädchen, bescheiden und liebenswürdig, sodaß Alice dieselbe bald liebgewonnen hatte. Aber noch ein anderer hatte alsbald sein Herz an sie verloren. Es war der gefangene Franzose. Sobald das junge Mädchen das Zimmer betrat, verwandelte sich sein ganzes Wesen. Während er sonst traurig-sinnend an seinem Platze saß, erheiterten sich bei ihrem Erscheinen seine Mienen, und er radbrechte die ihm frenide Sprache, nur um sich an der Unterhaltung betheiligen zu können. Mit der größten Liebenswürdigkeit half sie ihm, wenn ihm ein Ausdruck fehlte und korrigirte seine Sprachfehler. Und als er nun die Erlaubniß erhielt, täglich eine Stunde spazieren gehen zu dürfen, war Ar der^, beständige Begleiter der jungen Dame, die ebenfalls an der Gesellschaft des hübschen Franzosen Gefallen fand. Stets brachte er von seinen^Spaziergängen Kleinigkeiten für seine Kameraden mit, die sich, wenn es auch nur eine Feldblume war, herzlich damit freuten.

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