Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 84 (25.10.1897)
- Date
- 1897-10-25
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1599 schaft Essex, und der Rest wurde für verschiedene fleinete Hilfeleistungen gesammelt. Wie die englischen Zeitungen einstimmig melden, hat der Lord Mayor durch seinen Takt und seine Fähigkeiten zu dem Erfolge dieser Sammluug in bedeutendem Maße beigetragen. — Im Londoner Asyl für obdachlose Inden befanden sich während des Juli und August 682 Insassen, eine gegen das Vorjahr sehr erfreuliche Besserung, denn damals suchten 859 Obdachlose das Asyl auf. 10,136 Mahlzeiten wurden an die Armen vertheilt. ** London. (Die Juden in Palästina.) Die „Times" schreibt: „Derartige Versuche der Juden, sich aus einer mißlichen Lage zu befreien, dürften sie vielleicht meine noch unangenehmere Lage bringen; diese Thatsache scheinen die Befürworter der zionistischen Pläne nicht sehen zu wollen oder zu können. Ist denn nicht die volle Emancipation als eingeborene Bürger der Länder, in denen sie leben, ein Ziel, das eher werth ist, daß man darauf hofft und dafür kämpft? Einst litten die Juden auch in England Unrecht, doch diese Zeiten sind nun vorbei und sie genießen heute religiöse Freiheit und politische Gleichheit in demselben Maße, wie alle anderen Bürger des britischen Kaiserreichs. Ist denn keine Hoffnung da, daß sie im Lauf der Zeit auch in den Ländern mit derselben Gerechtigkeit werden behandelt werden, in denen die persönliche Freiheit heute noch nicht so verstanden und geschätzt wird, wie bei uns? Wir beklagen die Thatsache, daß civilisirte Regierungen im 19. Jahrhundert einen solchen Mangel an Willenskraft zeigen, daß sie nicht die erste Pflicht gegen ihre Bürger erfüllen und sie gegen das Vorurtheil der Masse in Schutz nehmen und ihnen die Sicherheit ihres Eigenthums und ihrer Person garantiren. Antisemitismus und Judenhetze scheinen uns mittelalterliche Anachronismen, aber weil die Juden in anderen Ländern, welche ihre mittelalterliche Vorurtheile noch nicht abgeschüttelt haben, Unrecht leiden, so gibt uns dies kein Recht, sie zu einer von unpraktischen Enthusiasten geleiteten Agitation aufzufordern, welche die einsichtigsten ihrer Glaubensgenossen verurtheilen, deren religiöse Sanktion äußerst zweifelhaft, deren Erfolg ein problematischer ist, während ihr Mißerfolg geradezu ein Unglück sein würde." Personalien. München, r;,y,c bv;n ne». Das soeben zu Ende gegangene Sukkothfest, das Uiinct? jer, wurde uns durch einen schmerzlichen Trauerfall getrübt. Der in weiten Kreisen bekannt gewesene Herr Moses Ettenheimer — „Rabbi Moscheh" wurde er allgemein genannt — entschlief zu einem besseren Leben am zweiten Tag des Festes, in dem hohen Alter von 67 Jahren. In ihm verliert die hiesige israelitische Gemeinde ein hervorragendes, durch Thorakenntniß und ungewöhnliche Frömmigkeit ausgezeichnetes Mitglied. Wie eine Gestalt der Vorzeit ragte er in unsere Zeit hinein. Thora und Aboda waren sein Lebenselement, die Ausübung der riM seine höchste Daseinsfreude. Ihm gebührte mit Recht der Ehrentitel eines cro pnst. Seit Jahren des Augenlichtes beraubt und an's Haus gefesselt, war es seine einzige Freude, die reichen Thorakenntniffe, die er seinem Gedächtnißschatze einverleibt hatte, sich zu wiederholen, um auf diese Weise der rrro iraw nicht verlustig zu gehen. In seiner Jugend, da er mit Glücksgütern gesegnet war, hat er für die Sache des wahren Judenthums große — einige behaupten für seine Verhältniffe allzugroße — Opfer gebracht, und es kursiren darüber viele bezeichnende Anekdoten, wie wirksam er es verstanden hat, pea to zu sein und dem drohenden Verfall in seinem Kreise Einhalt zu gebieten. Wie es sich von einem solchen Manne von selbst versteht, hat er auch auf dem Gebiete der "TO -iPn eine segensreiche, opfervolle Thätigkeit entfaltet. Der hiesige Kreis der streng-gesetzestreuen Mitglieder verehrte in dem Verstorbenen den Begründer seiner Vereinigung, deren langjähriger Vorstand er war. Bis vor einigen Jahren, so lange ihn nur seine Füße trugen, das Augenlicht war schon fast ganz geschwunden, war er stets nps'i ns? der erste in der Vereinssynagoge und nur schweren Herzens wollte er sich der physischen Unmöglichkeit fügen und auf diese Ausgänge verzichten. Seine Frömmigkeit hatte einen großartigen Zug von rc:n irret:, wie ihn die Männer der Vorzeit besaßen. An seinem Grabe sprach Herr Rabbiner Dr. Werner und pries in begeisterter Rede unter Zugrundlegung der pr s?nx und deren symbolischer Bedeutung die Tugenden dieses wahrhaft Frommen. Wegen isro -na mußte sich der Redner Beschränkung auserlegen und aus diesem Grunde wurden auch weitere nnuon nicht gehalten. Nur Herr Dr. Merzb a ch e r, der Vorstand des Vereins spr bnn sprach am offenen Grabe einige Worte zu Ehren des einstigen Begründers dieses Vereins, dem noch vor Ablauf des nsPt? ein necn in der Vereinssynagoge gehalten werden soll. -n- Srtlzbürg i. O. Das neue Jahr ist leider mit Trauer in unserer Gemeinde eingezogen, der unerbittliche Tod bat uns eine große Lücke bereitet. Frau Hannchen Regensburger eine geb. Oppenheimer hat am Freitag Abend 5 Uhr ihre reiche, tugendhafte Laufbahn vollendet. Die allgemein geachtete von Jedermann geehrte und geliebte Frau, obzwar erst 10 Monate hier verheirathet, war nicht allein die Zierde, der