Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 84 (25.10.1897)
- Date
- 1897-10-25
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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W..J ^WTMWWWWH^WW 1598 Baron Moritz Hirsch ins Leben gerufene „Jewifh Colonifation Association", welche sich mit reichen Mitteln die Colonifation der aus Rußland vertriebenen Juden in Argentinien zur Aufgabe gemacht hat, zu liquidiren gedenke, weil sich die Kolonisationsbestrebungen als ganz refultatlos herausgesiellt hätten. Mit Beziehung auf diese Gerüchte erhalten wir aus Paris von bestinformirter Seite die Mittheilung, daß an allen diesen Meldungen kein wahres Wort ist. Ein Vertrauensmann der Kolonisations-Gesellschaft hat erst vor Kurzem eine Inspektionsreise nach den neuen jüdischen Kolonien in Argentinien unternommen und nach seiner Rückkehr nach Europa einen Bericht an das Kuratorium der Gesellschaft erstattet, dem zu entnehmen ist, daß die genannten Kolonien sich einer großen Prosperität erfreuen. Während im vorigen Jahre in Folge der Heuschreckenplage der größte Theil der Ernte in Argentinien der Vernichtung anheimfiel, find Heuer die Aussichten für die Ernte so glänzend, wie schon seit Jahren nicht. Speziell die jüdischen Kolonisten, die in dem fernen Argentinien hauptsächlich Ackerbau treiben, haben aus mehr als 40,000 Hektaren Land herrliche Weizen- und Leinsaaten stehen, und auf einem Areal von 10,000 Hektaren ist mit der Anpflanzung von Mais kürzlich begonnen worden. Die argentinische Regierung kommt allen Bestrebungen der Kolonisations-Gesellschaft mit der größten Bereitwilligkeit entgegen und die Entwicklung der Kolonien läßt nach dem Berichte des erwähnten Vertrauensmannes das allerbeste hoffen. Es ist demnach eine böswillige, jeder thatsächlichen Grundlage entbehrende Aeußerung, wenn von einer beabsichtigten Liquidation dieses groß angelegten Unternehmens gesprochen wird. Rußland. ** Petersburg. Die Nachricht verschiedener russischer Blätter, daß die Jewish Colonifation Association, infolge von Meinungsverschiedenheiten mit dem Vorsitzenden des Petersburger Centralkomitees, Baron Ginzburg, weitere Beziehungen mit dem Petersburger Komitee abgebrochen und beschlossen habe, die Unterstützung fernerhin mit Uebergehung des Komitees direkt denjenigen russisch-jüdischen Institutionen zuzusenden, die ihrer bedürfen, entspricht, nicht den thatsächlichen Verhältnissen. Das Petersburger Centralkomitee besteht nach wie vor, und die Unterstützungen, welche die I. C. A. in ihrer letzten Generalversammlung für die Gesellschaft Trud in Odessa mit 50 000 Rubeln und für Errichtung einer Ackerbauschule in Cherson mit 75 000 Rubeln bewilligt, sind im Einverständniß aller betheiligten Faktoren erfolgt. Die Auswanderung nach Argentinien bleibt nur für so lange sistirt, bis das dortige Kolonisationswerk gesichert festfteht. Inzwischen soll aber den Juden in Rußland dadurch geholfen werden, daß alle Bestrebungen zur Heranbildung von Ackerbauern und Handwerkern im Lande gefördert werden. Diese Grundsätze sind schon im Winter festgesetzt worden; seither hat eine neue Generalversammlung überhaupt nicht stattgesunden, und es ist geradezu unbegreiflich, wie derartige Gerüchte entstehen konnten. ** Kiew, 8. October. Der folgende Vorfall trug sich im Dorfe unweit Radomisel, ProSzewo genannt. zu. Der Gutsherr dieses Dorfes hatte stets Zwistigkeiten mit den dortigen Bauern, dieselben nahmen ganze Stücke Land und Wiesen mit Gewalt ab, weideten ihre Heerden auf den Wiesen des Gutsherrn und drohten demselben mit dem Leben, wenn er der Sache sich entgegenstellen wollte. Der Gutsherr lud deßhalb einen Feldmesser ein, der eine Seperation vornehmen sollte. Der Feldmesser, jüdischer Konfession, erschien und begann seine Arbeit nach dem Kaufskontrakte zu verrichten. An einem Montag Morgen fing das Schaffen des Feldmessers an; die Bauern kamen aber gerannt uno richteten den Mann derart zu, daß sein Leben bedroht ist. Der Gutsbesitzer, ergrimmt über das Geschehene, ging nach Kiew und theilte dem Gouverneur diese Historie mit; der Gouverneur beorderte sofort eine Abteilung (100) Kosaken und 212 Soldaten zum Abmarsch nach dem Dorfe. Die Soldaten kamen Dienstag früh in dem Dorfe an und der Gouverneur selbst einige Stunden später. Die Bauern kamen insgesammt auf Befehl des Gouverneurs vor denselben, und sie mußten eine Schrift unterzeichnen, daß sie mit dem Feldmeffen nun zufrieden seien und keine Unruhe mehr Vorkommen wird. Sollten aber dennoch Unruhen Vorkommen, so verpflichten sie sich, pro Kopf 300 Rubel Strafe zu zahlen bei Verpfändung ihrer Güter. Nachdem alles geordnet war, ließ der Gouverneur diejenigen Bauern vorfordern, die den jüdischen Feldmeffer so arg zugerichtet hatten, und zwar mit folgender Bemerkung: „Wer einen Juden schlägt, bekommt so wie so keine Strafe, nur möchte ich wiffen, wer es gethan hat!" Sieben Bauern traten hervor und betheuerten, den Feldmesser geschlagen zu haben. Der Gouverneur befahl, diese Sieben mit 15 Ruthenhieben pro Kopf zu bestrafen, und diese Strafe wurde ohne Verzug ausgeführt. England. ** London. Dem Lord Mayor von London, Sir Faudet Philipps, ist es gelungen, während seines demnächst ablaufenden Amtsjahres die Summe von 700,000 Pfund Sterling zu wohlthätigen Zwecken zu sammeln. Von dieser Summe entfielen 547,000 Pfund Sterling auf den Indischen Hungersnoth-Fonds, 40,000 Pfund Sterling für die Hospitäler, 30,000 Pfund Sterling für die Ueberschwemmten der Gras-