Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 82-83 (21.10.1897)
- Date
- 1897-10-21
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2448705-2448782--44762-2493872- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
1585 richte an den Feiertagen unbedingt beantragen, es alsdann diesen überlassend, ob sie Vas Erreichte für sich in Anspruch nehmen wollen oder nicht. Dies ist wohl in dieser Frage die Religionspflegern a ll ein w ü r d i g e u n d angemessene Stellungnahme. h. (Nachbemerkung der Nedaction. Es sind uns in dieser Angelegenheit viele Zuschriften, welche große Aufregung und Unzufriedenheit verrathen, zugegangen, wir bringen indeß nur diese eine Aeußerung zum Abdruck, weil dieselbe den Gegenstand ruhig und fachlich behandelt. Wir hoffen, daß sie genügen wird, Licht in diese unbegreifliche Angelegenheit zu bringen.) Berlin. 14. Okt. Dem guten Beispiele folgend^ welches seit nunmehr neun Jahren die Israelitische Synagogen-Gemeinde (Adaß-J!sroel) alljährlich bot, hat jetzt auch der Vorstand der jüdischen Gemeinde für die Jomim ha-nauroim einen Separat-Gottesdienst für Knaben und Mädchen in zwei, in verschiedenen Stadttheilen gelegenen Sälen eingerichtet. Gut Ding will Weile haben, und so kann und soll man der Verwaltung eines größeren Gemeinwesens nicht ohne Weiteres einen Vorwurf daraus machen, wenn sie sorgfältig und langsam abwägt und prüft, ehe sie Neueinrichtungen, deren Vortheile und Nachtheile von vornherein nicht zu überblicken sind, trifft. Verdenkt ja auch kein Vernünftiger es z. B. der Berliner Stadtverwaltung, wenn sie die anderwärts, in kleinerem Maßstabe und darum mit kleinerem Risico angestellten Umwandlungen im Betriebswesen abwartet, um erst auf Grund der so gewonnenn Erfahrungen ihre Entschlüffe, deren einschneidende Wirkung ins Weiteste geht, zu fasten. Warum also, schreibt die „Jüd. Pr.", hätte nicht auch der Berliner Gemeindevvrftand, der mehr als 80,CO0 Seelen regiert, im VoÜbcwußtsein der schweren Verantwortung, die die Veranstaltung eines Jugendgoitesdienftes ihm auferlegt, es vorziehen sollen, aus den Erfahrungen anderer, kleinerer Gemeinden zu lernen, anstatt am eigenen Leibe zu experimentiren?! Wenn er nur wenigstens die so mühselig von Anderen gewonnenen Resultate bei seiner nunmehrigen Veranstaltung auch beherzigt und verwerthet hätte! Allein, soweit bisher der Oeffentlichkeit Gelegenheit geboten ist, die Art der Vorbereitungen kennen zu lernen, welche für den Jugendgottesdrenst der hiesigen jüdischen Gemeinde getroffen sind, so rechtfertigt dieselbe aufs Neue vollinhaltlich das alle Urtheil, daß der Vorstand der Berliner jüdischen Gemeinde im Lause der Jahre nichts gelernt und nichts vergesten hat! Cs ist hier nicht der Ort zur Darlegung, daß die Einführung einer Agende in den Schülergottesdienst vom jüdisch-päoadogischen Standpunkte aus sich geradezu verbietet, weil sie den Hauptzweck dieser Einrichtung, die Erziehung der Kinder zur Theilnahme am Gemeindegebet geradezu zerstört; ebensowenig gestattet es der Raum, das monströse Gebilde, welches hier der öffentlichen Beurtheilung Schwarz und Weiß zu unterbreiten, man sich gestatten zu dürfen glaubte, so zu zergliedern, wie es die Sache eigentlich erforderte. Es genügt wohl zur Charakterisirung dieser allerneuesten Leistung des Berliner Gemeindevorstandes darauf hinzuwersen, daß in diesem ganzen Werke kaum ein Segensspruch anzutreffen ist der nicht verstümmelt, umgestaltet oder durch Einschiebung deutscher Stücke in den Text hinein entstellt wäre, daß das Mußasgebet als solches vollständig getilgt und in einer geradezu unglaublich geschacklosen Art einzelne Theile desselben in das Schacharisstebengebet überführt sind, daß selbst so schönmenschliche Gebetftücke wie das Uw'chen ten pachd'choh einfach gestrichen sind u. s. w. Als Entschädigung winkt den Kleinen dafür ein erbaulicher gemischter Chor und eine jedenfalls auch sehr erbaulich wirkende Predigt! Indem wir uns eine eingehende Würdigung dieses Musterwerkes für eine andere Stelle Vorbehalten, scheiden wir von demselben hier mit dem Bewußtsein, daß in dem großen Conto der Versündigungen der Berliner Gemeindeverwaltung gegen den Geist des Judenthums dieser Agende, die die religiöse Zersetzung in die Kinderherzen und -sinne hineinzutragen geeignet ist, kaum eine andere an die Seite zu stellen ist. Was das besagen will, wird jeder Kenner der Verhältniffe wissen! ** Erlangen, 8. Okt. Die Angelegenheit des Prof. Dr. Rosenthal bezüglich der Frosch-Demonstration bedarf noch der Klarstellung. Er hat sich nicht formell vom Judenthum losgesagt und bisher an die jüdische Gemeinde Erlangen Kultussteuer bezahlt, hat aber seinen Sohn taufen lasten. Wie von zuverlässigster Seite berichtet wurde, antwortete er der gelegentlich seines 25jährigen Profefsoren-Jubiläums zur Beglückwünschung erschienenen Abordnung der israel. Kultusgemeinde zu Erlangen wörtlich: „Meine Herren: Ich danke Ihnen; aber ich weiß nicht, wie Sie eigentlich dazu kommen. Ich zahle zwar zu Ihrer Gemeinde, weil ich gesetzlich dazu gezwungen bin, aber ich gehöre nicht zu Ihnen. Ich gehöre zu keiner Religion, ich stehe über den Religionen." (Er meinte außerhalb der Religionen, denn darüber kann er nicht stehen.) Diese Aeußerung sestzunageln, veranlaßt uns nur das fortwährende Bestreben der Antisemiten, das Judenthum für die ebenso unjüdische wie unziemliche Frosch-Aeußerung verantwortlich zu machen, während schon vor dieser Aeußerung der religionslose Physiologe vor einer Corona hochangesehener Christen zu den ihn beglückwünschenden Delegirten der jüdischen Gemeinde erklärte: „Ich gehöre nicht zu Ihnen!" Das Oberlandesgericht München hat die Beschwerde