Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 82-83 (21.10.1897)
- Date
- 1897-10-21
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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1586 des Staatsanwalts gegen den abweisenden Beschluß des Landgerichts Fürth verworfen, also das Hauptverfahren gegen den Herrn Rosenthal nicht eröffnet. Das Kultusministerium fab sich veranlaßt, dem Professor Dr. Rosenthal mit Entschließung vom ^.September sein Bedauern und Mißfallen über das fragliche Vorkommniß aussprechen zu lassen. Aus Schlesien. Es ist nothwendig, daß wiederum daran erinnert wird, wenn Israeliten Testamente und Legale machen, daß sie nicht sagen, ohne Unterschied der Confession, sondern: ohne Unterschied des Bekenntnisses. In Brieg verstand ein nunmmehr verstorbener Bürgermeister und Richter nur Evangelische und Katholische unter dem Worte Confession. Oest err.-Ungar. Monarchie. ** Teschen, 1. Okt. Die „Silesia" bezeichnet es als als „ein trauriges Zeichen der Zeit", daß im hiesigen Eugensaal ein „Schlußfesi jüdischer Absolventen schlesischer Mittelschulen" stattgefunden habe und fügt hinzu: „Der Antisemitismus ist bereits in die Mittelschulen gedrungen und wenn es so weiter geht, so wird er sich auch in Volksschulen unter den ABC-Schützen geltend machen. An einigen schlesischen Mittelschulen haben sich die christlichen Maturanten von den jüdischen abgesondert, für sich allein Schlußfeste veranstaltet und jüdische Kollegen hierzu nicht eingetaden. Diese verletzten jüdischen Studenten hatten es nun für nöthig befunden sich zu vereinigen und ein gemeinsames Fest in Teschen zu veranstalten, welches vor einigen Tagen stattfand. Als wir Alten studirt haben, gab es unter Kollegen keinen Unterschied der Konfession oder Rationalität. Und wenn heute die Schulkollegen von damals, Juden und Christen zusammenkommen, so freuen sie sich dessen von Herzen und bleiben die alten, guten Freunde. Was werden aber das für Menschen sein, die aus den heutigen Schulen hervorgehen, wenn sich dort ans der Schulbank der Menschenhaß breit macht, der zur sittlichen Verwilderung führt V Es ift niifyt anzunehmen, daß dieser Menschenhaß von Lehrern gepflegt oder gefördert wird — das dürfte denn doch nur in seltensten Fällen Vorkommen — aber er dringt von außen in die Schulen ern und vergiftet jugendliche Herzen. Aufgabe einer zielbewußten Unterrichtsverwaltung wäre es, diesen beklagenswerthen Erscheinungen der Zeit mit aller Entschiedenheit entgegen zu wirken. Gewissenhafte Lehrer haben die Pflicht, aus die Schuljugend einzuwirken, daß Letztere vor Verrohung bewahrt bleibe. Die Schule hat nicht nur die Verftandeskrast ihrer Zöglinge zu schärfen, ihnen nicht nur einen Vorrath an Wissen beizubringen, sie soll auch die Herzen heranbilden und die Ideale der Menschlichkeit pflegen. Erfüllt sie die letztere Aufgabe nicht, dann hat sie ihren Zweck verfehlt, dann Schade um jeden Steuerpfennig den sie kostet." England.? London. Am 29. September fand wie alljährlich die Wahl des Lord-Mayor statt. Bei dieser Gelegenheit erstatteten die Wahlmänner dem ausscheidenden Lord-Mayor Sir Faudel Philipps den Dank der City für die ausgezeichnete Art und Weise, in der er sein Amt gerade in diesem durch mancherlei Verhältnisse sich besonders schwierig gestalteten Jahre verwaltet hat. Einmal durch das Diamantjubiläum der Königin Victoria, dann durch Krankheit und Hungersnoth in Indien wurden besonders große Anforderungen an die Thatkrasl und Geschicklichkeit des Lord-Mayor gestellt. Es ist ein ehrendes Zeugniß für die Fähigkeiten Philipps. wenn ihm seitens der Aldermen attestirt wurde, daß er sowohl die ungemein schwierigen Repräsentationspflichten gelegentlich des Jubiläums zur allgemeinen Befriedigung erfüllt habe, als auch durch seine Thatkraft den indischen Hilfsfond zu einer für derartige Unternehmungen bisher ungekannten Höhe gesteigert hat. Afrika. ** Algier Den Vorwand zu einer antisemitischen Kundgebung auf demFriedhofe von Mustapha bildete die Feier des ersten Jahrestages des Todes eines Journalisten, jenes Fernand Gregoire, welcher bei der Entweichung des Mörders des russischen Generals Seliverstow aus Paris eine Rolle gespielt hatte und dann nach Algier übergesiedelt war, wo er sich an der antisemitischen Bewegung betheiligte und sogar Präsident der antijuive geworden war. Die Antisemiten heißen in Nordasrika antijuik8, damit die Araber, die auch Semiten sind, an der in Europa üblichen Bezeichnung keinen Anstoß nehmen können. Die Kundgebung auf dem Friedhofe leitete der Direktor des Blattes Max Regis, der schließlich von der Gendarmerie festgenommen und nach dem nächsten Polizeiposten geführt wurde, wohin etwa 3000 Personen ihm, Polizisten und Gendarmen auszischend, das Geleite gaben. Es wurden noch weitere 26 Verhaftungen vorgenommen, und um die Menge auseinander zu treiben, mußten afrikanische Jäger aufgeboten werden. Uersonakien. Koschmin e>'rr r^. Am 2 vv ri-in rs ist das sehr beliebte und geschätzte frühere Vorstandsmitglied der hiesigen Gemeinde B a r u ch Lippmann im hohen Alter von 76 Jahren verschieden. Derselbe hat über ein viertel Jahrhun-