Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 82-83 (21.10.1897)
- Date
- 1897-10-21
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1569 nannt — der von feinen wildbrausenden Strömen, nach der Erklärung unserer Weisen*) diesen Namen hat — ein treffendes Bild der kräftigen Gesundheit, die nicht siechschleichend und mitten auf der Bahn ermattet niederknieend, sondern wildbrausend die Lebens- Bahn des Daseins bis zum fernsten Ziele durchrennt. Aber auch dieser Strom des Erdenglücks muß, soll er wahrhaft ein Segensstrom sein, von dem Strome abfließen, welcher im Eden, welcher in der himmlischen Quelle göttl. Wohlwollens seinen Ursprung hat. So wenig als durch Sünden geschwächt, darf die Gesundheit durch Sünden gekräftigt werden. Neben der Natur müssen es Religion und Gottvertrauen sein, welche das Leben würzen, welche der Gesundheit Nahrung geben. Hoffnung und Zuversicht auf Gottes Gnade und Allbarmherzigkeit muß es sein, was Sorgen verscheucht, die an der Gesundheit nagen; sie müssen stets stärkende Heiterkeit über das Leben ausgießen. So verdankt, neben der göttlichen Gnade, seinem frommen Sinn der Sterbliche seine blühende Gesundheit, so ist sie ein Segensstrom, — der dem himmlischen Urquell im Eden entfließt. (Schluß in der ersten Beilage.) Zettrt«gsnachrichterr und Correfporrdenzen Deutschland. Mainz, 20. October. In einer Correspondenz aus Ahrweiler wurde eine ernste Mißbilligung über den Verkauf von durch lithographische Anstalten photographisch auf Pergamentrollen hergestellten mim 'isv ausgesprochen und dabei einer dieser Verkäufer, Herr Mendel Schocher aus Wiesbaden tadelnd erwähnt. Wir haben uns inzwischen über Herrn Schocher erkundigt und erfahren, daß derselbe ein anständiger, ehrbarer Mann ist, der als Buchhändler verschiedene hebräische Werke in Handel bringt, um, da er arm und krank ist, sich redlich zu ernähren. Herr Schocher ist auch der Herausgeber des allgemein bekannten und verbreiteten Sefer Haschlamah aus der Hamburger Stadtbibliothek, worüber er uns mehrere Dankbriefe von verschiedenen Hofbibliotheken und von berühmten Rabbinen und Gelehrten zur Einsicht vorlegte. Bei der Uebersendung einer oben bezeichneten nim ibv an einen Christ in Ahrweiler war ein Jrrthum unterlaufen, an dem Herr Schocher, wie er UNS mittheilt, unschuldig war. Düsseldorf. In einer der letzten Nummern des „Israelit" brachten Sie einen Bericht, wonach der Neubau einer Synagoge am hiesigen Platze in Aussicht genommen sei. Durch Zuzug hat sich unsere Gemeinde G. s. D. derartig vergrößert, daß unsere *) Y2 .nam prro. Synagoge sich alsfzu klein erweist, weßhalb an den letzten hohen Feiertagen ein zweiter Gottesdienst abgehalten werden mußte. Um denselben demjenigen der Hauplsynagoge ebenbürtig zu gestalten, hatte der Vorstand der Synagogen-Gemeinde in dankenswerther Anerkennung den Herrn Rabbinatscandidaten stud. phil. David Markus aus Köln als Prediger berufen. Herr Markus verstand es durch den Inhalt seiner Predigten, sowie durch seine Vortragsweise seine zahlreichen Zuhörer zu begeistern und zu fesseln. Obzwar noch fast im Jünglingsalter stehend, verfügt Herr Markus über ein bedeutend rhetorisches Talent und dokumentirt durch sein begeisterndes Wort den zukünftigen Kanzrlredner. Wir fühlen uns deßhalb veranlaßt, ihm nochmals auf diesem Wege unseren tiefgefühltesten Dank für seine Predigten, welche von dem Geiste des echten und wahren Judenthums beseelt sind, abzustatten. Möge es Herrn Markus gelingen, einstens eine Wirkungsstätte nach seinem Wunsche zu finden! O esterr.-Ungar. Monarchie. ** Wien, 14. Oct. Wie mäßig auch das politische Interesse sein mag, das die Verhandlungen des antisemitischen Wiener Gemeinderaths außerhalb der Stadt, um deren Wohl es sich dabei handelt, erregen können, so ist doch mancher Vorgang schon als zeitgenössisches Sittenbild der Verzeichnung werth. Unter diesem Gesichtspunkt verdient auch ein Antrag des Vicebürgermeisters Dr. Neumayer Erwähnung, ver kürzlich in der Gemeinderathssitzung gestellt und unter dem Präsidium des Dr. Lueger bei großem Spektakel und Ausschließung zweier jüdischer Gemeinderäthe von der antisemitischen Majorität höchst beifällig ausgenommen wurde. Der Antrag hatte offenbar den agitatorischen Zweck, die verehrliche Wählerschaft, die auf die Segnungen des Regimes Lueger schon fast zu lange wartet, durch einige kräftige antisemitische Phrasen bei gutem Muth zu erhalten. Die Phrasen sind diesmal besonders kräftig ausgefallen. Der Antrag lautet: „Die kaiserliche „Wiener Zeitung" hat anläßlich der bevorstehenden Einführung der neuen (Zivilprozeßordnung Ernennungen im österreichischen Richterstande veröffentlicht, welche in Wien und Niederösterreich deßhalb peinliches Aufsehen erregten, weil eine im Verhältniß zum wirklichen Stande der deutschen und christlichen Bevölkerung weitaus zu große Anzahl von Juden zu höheren Richterstellen berufen wurden, so daß der von der Bevölkerung schon vorher sehr tief empfundene Fortschritt der Verjudung des Richterstandes plötzlich eine ganz besondere Steigerung erfahren soll. Was die hohe Regierung gerade bei der heutigen Bewegung und ungeachtet derselben zu dieser Verordnungsmaßregel bewogen haben mag, ist ganz unfaßbar. Bedenkliche Folgen dieser Ernennungen, auf welche wir hierdurch besonders aufmerksam machen, werden sein, daß weit öfter als dies früher der Fall war, Juden über Christen zu Gericht I sitzen und Recht sprechen sollen, obwohl die allgemeine Er-