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Der Israelit · 1897-10-21 · Heft 82-83 (21.10.1897) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 82-83 (21.10.1897)
Date
1897-10-21
Page
– (sequence 2)
Language
German
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-~*r! ■B8^P WWW-WWW 1568 menschlichen Wesens, ja selbst seiner menschlichen Gestaltung und Form, geistig fortleben kann. Es läßt uns ahnen, wie leicht es sei, daß er nach vollführter Reinigung von Sünden, an demjenigen Orte wieder ein Faden seines geistigen Lebens anknüpfe, wo er ihn durch die Sünde abgeschnitten; daß er im Garten Eden das geistige Freudenleben fortlebe, welches er durch die Sünde, die ihm Vergänglichkeit und Tod erzeugt, verloren. War es demnach die Sünde, erzeugt durch die Schlange der Verführung, welche fein geistiges Wesen verdichtet, seinen Körper vergänglich und durch den Tod auflösbar gemacht, so durchbebte dieses verdichtende Sündenverhällniß auch alle Zustände, die den Menschen umgaben, auch alle Empfindungen, die ihm geworden, auch alle Freuden, die er genoß. Das rein Geistige ward mehr oder minder mit Körperlichem vermischt, das Helle ward getrübt, das Unvergängliche auflösbar. Die himmlichen Genüsse des Paradieses wurden in menschliche Genüsse des irdischen Daseins umgewandelt, die selten rein, ohne bittere Beimischung getroffen werden. Und so mögen denn jene vier Ströme, dem Garten Eden entfloffen, die paradiesische Glückseligkeit der Erde bringen sollten, sür uns ein Bild der vier höchsten Güter sein, die als Segen den Erdbewohnern zuströmen, nämlich: 1) Segen des Reichthums, 2) Segen der kräftigen Gesundheit, 3) Segen der Weisheit, und 4) Segen der Nachkommenschaft. Unsere heutige Aufgabe sei es, ihrem geheimnißvollen Laufe folgend ihren Ursprung da aufzusuchen, wo sie den Quellen paradiesischen Heils entsprudeln. * * * Wenn im Leben eS der Drangsale und Mühseligkeiten so viele gibt, wenn der Erdensokm in seinem natürlichen hülflosen Zustande so sehr der äußern Unterstützung bedarf, und ihm nicht immer Gelegenheiten der gleichmäßigen Vergeltung zu Gebote stehen, so hat die Allliebe des Herrn für die gesellschaftliche Ordnnng ein Mittel geschaffen, diese Mühseligkeiten zu überwinden und die Mißverhältnisse auszugleichen. Dieses Mittel ist das köstliche Metall uno Gestein, deffen Besitz Reichthum schafft. Eben darum aber, weil es ein Mittel der Ausgleichung sein soll, durfte es nicht Eigenthum aller Mitglieder der Gesellschaft in gleichem Maße werden, weil dadurch der erzielte Zweck verloren ginge. Würde wohl der Stärkere dem Schwächern für Lohn dienen, wenn die Mittel, die als Lohn ihm geboten würden, er mit dem Bietenden in gleichem Grade besäße? Würden Kunst und Wissenschaft so schön und nützlich der Menschheit erblühen, wenn nicht in den Treibhäusern des Gewinnes sie wenigstens ihre ersten Blüthen treiben? Würden wohl ihre Früchte reisen, wenn nicht die Glanzsonne des Reichthums sie beschiene? Einen Segensstrom hat daher die Allliebe des Herrn mit dem Reichthume, nicht über deffen Besitzer allein nur, sondern über die gesammte Menschheit ausgegoffen, indem sie damit dem Schwachen Hülfe, dem Stärkeren Verdienst, oemKunftsinn Nahrung und der Wiffenschaft Pflege verliehen. Und diesen Segensstrom sehen wir bildlich dargestellt in dem ersten Ausflüsse der von dem Strome sich abtheilt, welcher in Eden entspringt. Als Goldfluß bezeichnet ihn unser Text, als Strom, in deffen Mitte das Reichthumsland liegt, in dem das beste Gold und edelste Gestein sich finden. Wir dürfen jedoch nicht vergeffen, daß Reichthum nur alsdann für uns ein Abbild jedes Stromes ist, der dem göttlichen Garten, dem Lande des Heils entfließt, wenn er, wie jener, einen Arm jenes großen Stromes göttlichen Segens bildet, der dem Eden entquillt, jenes Stromes, welcher in himmlischer Seligkeit seinen Urquell hat. Reichthum, der seinen Besitzer verweichlicht und versinnlicht; Reichthum, der zum Wohlleben reizt, und damit Gesetzesübung, Kunstsinn und Wiffenschaft ertövtet; Besitzthum, das seinem Eigenthumer, durch Verletzung des Rechtes, durch List und Trug zugefloffen; edles Metall, gegen das man Laster und Sünden eintauscht, — wahrlich! solcher Reichthum ist nicht Segensftrom; er ist nicht dem Eden, er ist der Hölle entfloffen, und vereint wollen wir den Herrn bitten, uns zu beschützen, damit solcher Reichthumsfluß nicht den Weg zu unserer Gemarkung sich bahne, So sehr nun aber auch des Reichthums Glanz Aller Augen fast auf sich zieht, und das Wunschziel so Vieler ist, so gibt es doch noch ein höheres Erdengut, als reichlichen Besitz. Ein Gut, welches sogar erst dem Reichthum seinen Werth zu verleihen hat — es ist dies: der von uns zum zweiten genannte Segen der kräftigen Gesundheit. Welche Anziehungskraft können alle Reichthümer der Erde auf ihren Besitzer ausüben, wenn ein siechender Gesundheitszustand ihm jeden Genuß desselben verwehrt, wenn Krankheit seine Kräfte lähmt, und ec seinen Reichthum, für sich wenigstens, mit seinem Leben dahinschwinden sehen muß? Welches Ausgleichungsmittel für die verschiedenen Grade der Befähigungen im gesellschaftlichen Leben könnte Besitzthum sein, wenn für den krankhaften Zustand es jeden Reiz verloren? Aber noch mehr; was ist der Mensch ohne Kraft, was ist der Mann, was ist die Frau im siechenden, sich selbst hülflosen Zustande? Unfähig aller Beschäftigung mit dem, was den Menschen zum Menschen macht; unfähig alles geistigen Aufstrebens, des Ziels irdischer Glückseligkeit, und somit unglücklicher noch, als das hülflose Thier, dem das Trostlose seines Zustandes doch noch wenigstens unbewußt ist. Kräftige Gesundheit ist daher eines der herrlichsten Lebensgüter, womit die Liebe des himmlischen Vaters seine Erdenkinder segnet, und glücklich preise sein Loos, ob arm oder reich, wenn ihm dieser Segen zu Theil geworden. Er erscheint uns im Bilde des zweiten Stromes, der dem göttlichen Garten entfließt — Gichon ge-

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