Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1897-10-21 · Heft 82-83 (21.10.1897) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 82-83 (21.10.1897)
Date
1897-10-21
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2448705-2448782--44744-2493854
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

XXLVm^Mrgmg. M 8» & 83. Der Israelit. Ern Kenlrat-Hrgan für das orthodoxe Iudenthum. Begründet von Dr. fe^mdttn in Itdiui Donnerstag, den 2 Leitender Artikel. Die vier Ströme aus (Eben* Ein vor fünfzig Jahren am Sabbat Berefchith gehaltener Vortrag von Rabbi Jacob Ettlinger Vpw, Oberrabbiner zu Altona Alles, was lebt und indem großen Tempel der Natur seines Daseins sich freute, bedarf der Nahrung, fein Leben und Dasein zu fristen. Ohne Nahrung darbt der Mensch und das Thier; ohne Nahrung verdorrt das Gras und welkt die Blume. Selbst da, wo die Natur in ihrer Jugendkraft stand, wo zuerst ihre Blüthen dufteten, beschienen vom Morgenrothe der jungen, neugeborenen Sonne, wo von der herrlichsten Pracht übergosien, sie zuerst erwachte — im Paradiese — auch da war es die Nahrung von oben Thau und Regen, welche Alles erst zur Vollkommenheit bringen mußte. Nur das bewegungsfähige Thier jedoch vermag es, sich seine Nahrung zu suchen; nur dem vernunftbegabten Menschen wohnt die Fähigkeit inne, regelmäßig sich die Mittel zur Fristung seines Daseins zu bereiten. Was aber vermöchte die todte, bewegungslose Natur zu erhalten, daß sie nicht die heiße Sonnengluth verzehre, daß sie nicht bei anhaltender Dürre vertrockne, hätte die gütige Vorsehung ihr nicht Ströme und Flüsse, wie Adern dem Menschen gegeben, die ihr unausgesetzt Erfrischung zuströmen, auch da, wo sie der Nahrung von oben, des Thaues und Regens entbehrt? Und wie mächtig doch ist auch in andern Beziehungen der Einfluß, den Ströme und Flüsse aus das Wohl der Menschheit ausüben. Sie bilden die Wasserstraßen, auf denen Glück und Wohlstand Staaten, Völkern und Städten zuströmen, sie sind die Quellen des Reichthums, denn an ihren Ufern erblühet meistens der Verkehr. Darum waren es Ströme auch, die dem Orte der höchsten . Oktober 5$58 (1897),_ Vollkommenheit irdischer Schöpfung — dem Garten Eden — entflossen, um von den Segnungen jenes Ortes, von dem Heile des göttlichen Gartens, den fernen Weltgegenden mitzutheilen, welche diese Ströme bei ihrem weitem Laufe durchziehen, so wie die Schöpfungsgeschichte darüber in unserer rmo erzählt: 121 pn n» riipLmb pi© XL1' *m „Ein Strom kömmt aus Eden, den Garten zu befeuchten, und von da aus theilt er sich und wird zu vier Hauptströmen. Des Einen Namen ist Pischon, derjenige, welcher umringt das ganze Land Chav'üah, allwo das Gold ist. Das Gold desselben Landes ist gut; allda findet man auch das Erz Bedolach und den Stein Schoham. Der Name des andern Stromes ist Gichon, derjenige, welcher das ganze Land Chusch umringt. Der Name des dritten Stromes ist Chidekel, derjenige, welcher auf der Morgenseite von Aschur fließt, und der vierte Strom ist Phrat." (1. B. M. 2, 10). Wenn irgendwie eine Vorstellung uns werden kann, wie mit dem im körperlichen Zustande lebenden Menschen sich das himmlische, rein geistige Leben vereinigen läßt, so gibt uns diese das zwar nur kurze, aber doch begonnene Leben des ersten Menschenpaars im Garten Eden, Deutlich zeigt uns die Schrift, daß dieser Garten eine irdische Schöpfung, bepflanzt mit Bäumen und Gewächsen jeglicher Art, und bestimmt zum Aufenthalte, Vergnügen und zur Nahrung des Menschen vom Herrn der Schöpfung ins Dasein gerufen war. Und dieses für Wesen, die wie Geister unvergänglich, wie Engel verklärt sein und bleiben sollten, und die, hätten sie nicht gesündigt, Tod und Vergänglichkeit niemals erreicht hätte. In diesem Verhältnisse war ein gänzliches Zusammenfließen des menschlichen Lebens mit himmlischen Freuden, eine Vereinigung menschlicher Form mit einem rein geistigen Zustande zu erkennen, und dies läßt uns ahnen, wie nach Ablegung der irdischen Hülle der Mensch als Seele, ohne völlige Aufgebung seines

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.