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Der Israelit · 1897-10-08 · Heft 80-81 (8.10.1897) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 80-81 (8.10.1897)
Date
1897-10-08
Page
– (sequence 18)
Language
German
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1560 währte er ihnen, auch ich befand mich unter seiner Aegide, war stets in seiner Nähe, so lange er auf Erden lebte, war ich an seinem Hofe- Doch ein Tag der Noth und des Schreckens entstand für sein Volk und für Israel; der König fiel auf das Krankenlager und erholte sich nicht wieder; ein hitziges Fieber überfiel ihn mit Heftigkeit und in einigen Tagen ereilte ihn der Tod, dieser allverheerende. Er raffte ihn hin ohne Schonung, wie er jeden Menschen mit sich fortreißt; sein Geist verließ die irdische Hülle. Israel war nun wie eine Laube am Weinberge, ohne jegliche Stütze; ihr Schutzherr hatte sie verlaßen, cs härmte sich ab in Fasten, Weinen uud Trauern, groß war Iuda's Wehklage. Auch ich crkrankte, Schmerz befiel mich ob der Trauer, in Gram und Leid ergoß sich meine Seele, dem Staub, der Asche war ich gleich. An des verstorbenen Königs Stelle kam sein Sohn Johann I!. zur Negierung. Er haßte die Räthe seines Vaters, haßte die, welche seinem Vater befreundet waren, die Granden des Reichs und seine nächsten Verwandten. Er faßte den schrecklichen Plan, sie unter falschen Anschuldigungen zu tödten; er sprach nämlich zu denselben: „Ihr habt das Leben verwirkt, denn Ihr habt Euch gegen mich verschworen, um mich an Spaniens Könige zu verrathen." Er ließ einen seiner vertrauten Minister tödten, aber deffen übrige Verwandten entgingen dem Tode kaum durch die Flucht, denn sie fürchteten, daß auch ihr Loos kein besseres fein würde, wenn der Vornehniste in Folge eines so schmählichen Mordes gefallen. Der König zog nun ihre Ländereien und Güter ein und vernichtete den ganzen Adel. Auch mir zürnte der König, obgleich ich kein Unrecht begangen, kein trügerisches Wort geredet, weit in den früheren, besseren Tagen ich diesen verfolgten Granden sehr zugethan war und sie meines Rathes harrten. Hart fuhr mich der Herr des Landes an, wandte mächtig seinen Haß mir zu und hielt mich für einen Verschworenen, indem er behauptete, daß Keiner etwas unternähme, ohne seinen Rathschlag mir mitgetheilt zu haben, da ich innigst mit ihnen verbunden sei. Böswillige Leute, die nach meinem Unfall verlangten, nach meiner Habe dürsteten, verleumdeten mich, und dichteten mir Dinge an, die ich nie gedacht, die nie in meinem Herzen aufgekommen. Eine schadenfrohe Gesandtschaft wurde an mich abgeschickt, mit dem Aufträge, der König wolle mich unverzüglich sprechen. Ich folgte dem Befehle und wollte in die Stadt, wo der König thronte, hörte aber unterwegs von einem Manne, der in der Herberge mir entgegenkam, daß ich mich retten solle; „denn," sagte dieser; „es ist eine böse Zeit, Verleumdung höre ich von Vielen gegen Dich, Schrecken überall, nicht Wahrheit, nicht Gottesfurcht ist mehr im Lande, ich selbst sah es, wie die edelsten Männer vernichtet wurden, wenn ste auch nichts Böses begingen." Da dachte ich: der König ist habsüchtig, und wenn er meinen Tod herbeiführt, wer will zu ihm sagen, was thuest Du? Was nützet mir Gold und Silber, sie können nur meinen Untergang veranlassen. Aecker, Weinberge, Häuser erfüllt von köstlichem Gute? Nur trügen können sie mich; Reichthum ist ausbewahrt seinem Eigenihümer zum Unglück; besser ist'S, das Dasein zu erhalten in Gottesfurcht, wenn auch beraubt, verarmt zu sein das ganze Leben lang. Daher verließ ich mein Haus, die Gattin, die Kinder, rettete mich Nachts allein, beraubt meines ganzen Vermögens. Als nun die Kunde von meiner Flucht vor den König gelangte, schickte er nach allen Seiten hin Männer zu Fuß und zu Roß, welche mich einen Tag und eine Nacht verfolgten. Der Herr aber schonte meiner, ließ mich n.cht in ihre Hände gerathen, daß sie mir Böses thun konnten, und ich kam an die Grenze des Landes Kastilien." „Da der König mir jedoch Nichts anhabeu konnte, indem der Herr mich gerettet, so ergrimmte er über mich, confiscirte mein ganzes Vermögen und alle kostbaren Schätze, wie Keiner vor mir größere im Lande hatte; kurz, er ließ nichts übrig. Von dem Orte aus, wo ich mich verborgen hielt, schickte ich ein demüthiges Schreiben an ihn ab, bat ihn um Gnade, Rettung und Gerechtigkeit. „Prüfe mich und stehe bei all meinem Streben und Wirken war Aufrichtigtigkett, nichts Unrechtes." Taub jedoch war sein Ohr meinem Flehen, er nahm meine Habe vollständig weg und ich fand kein Recht, sondern Treulosigkeit und Gewalt. In meiner Verfolgung und meinem Unglücke dachte ich: Warum hat mir der Herr so gethan? Habe ich nicht in meiner Glückszeit die Wunden Unglücklicher geheilt, daß er mir jetzt fo viele und manigfache geschlagen? Weinte ich nicht mit dem Betrübten, hals ich ihm nicht? Warum überläßt mich der Ewige der Hand eines strengen Herrn? Habe ich mit Unrechtem Gut gesündigt, daß meine ganze Habe mir entrissen wurde? Habe ich nicht dem Gesetze gemäß in den Büchern geforscht, in den Büchern des Gesetzes und des Rechtes, die mir werther sind, als Gold und kostbar Erz. daß meine Bücher mir genommen wurden, daß ich nicht forschen kann? — — — Doch gerecht ist der Herr, seinem Befehle war ich widerspenstig, seiner Lehre vergaß ich, wandte mich nichtigem Treiben hm mit Königen der Erde und ihren Räthen, die, wenn ihre Zeit gekommen, dahinfahren, setzte auf Gold mein Vertrauen und auf irdische Schätze, folgte windigem Tand und eitler Größe nach. Vergaß ich nun meines Gottes, so wurde auch mein vergessen; wenn ich nun aber wiederkehre, in seiner Lehre forsche Tag und Nacht, dann wird er sich meiner erbarmen zum Guten."

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