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Der Israelit · 1897-10-08 · Heft 80-81 (8.10.1897) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 80-81 (8.10.1897)
Date
1897-10-08
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1558 hat jedenfalls die Pflicht, nicht stückweise, sondern kraftvoll und planmäßig die Aufgabe, die sich ihr nun einmal aufdrängt, zu ergreifen: das zu schaffen, was wir heute schaffen können und was uns notbtHut, eine umfassende jüdische Apologetik, als Wissenschaft wie als Lchrgegenstand des jüdischen Seminars. Viel Material hat sich auf diesem Gebiete gehäuft, werthvolle Einzelarbeiten sind vorhanden, und die theilweise glänzenden Leistungen der christlichen, hauptsächlich katholischen Apologetik wecken die Ahnung, welche Resultate sich erst gewinnen lasten, wenn geistvolle, philosophisch geschulte, mit reichem Wissen uni feinfühligem Sinne ansgestattctc jüdische Männer dem großen Werke ihre Kräfte weihen. Einzelne Seiten der gewaltigen Arbeit, gewaltig wie die alles umspannende Größe der Gotteslchre, müssen von Einzelnen als Spezialisten geleistet werden; Philologen, Philosophen, Naturwissenschaftler, Mediziner, Archäologen werden ihr Scherflein zum Bau steuern, — aber als Lehrgegenstaud muß die Apologetik ein Ganzes bilden, ihren inneren Zusammenhang aus dem als Ganzes erkannten Judenthum schöpfen, von einem philosophischen Kopfe vorgetragen, nicht von Fachgelehrten auseinandergerissen und ihres lebensvollen Geistes beraubt. Es wäre — wenn wir die Apologetik als Ganzes erst einmal haben — verkehrt, etwa durch einen Nichtsals -Philologen die anmuthigc Jagd nach interpolierten und ineinandergeschachtelten Halbversen Schritt für Säiritt mitmachen und würdigen d. h. widerlegen zu lasten, wir würden unter solcher Führung in dieselbe geistlose und einseitige Betrachtungsweise und damit in dieselben Jrrthümer verfallen wie unsere Gegner. Apologetik kann nur ein universeller, mit grenzenloser Aufnahmefähigkeit begabter Geist lehren, dem Scholastik und Mystik ebensowenig unverständlich sein darf wie Logik und systematische Philosophie. Das Material zu dieser Apologetik zu schaffen bleibt allerdings Aufgabe aller derer, die auf irgend einem wissenschaftlichen Gebiete zu Hause und dabei vom jüdischen Geiste durchdrungen sind. Außer der Apologetik ist es nur noch eine Diseiplin, die (natürlich immer abgesehen von der Hauptsache, den jüdischen Fächern) in dem reorganisierten und von der Konkurrenz der Universität ganz befreiten Seminar hinzugenommen werden sollte: Geschichte der Philosophie im Zusammenhänge mit der Geschichte der Kulturentwicklung und zwar in einer Darstellungsart, die so wahr, so liebevoll und so ästhetisch reizvoll wie möglich sein sollte. Wir Juden sind.nun einmal das Volk, pes, GelstöH "ittt engeren Sinne; mögen alle Seiten der menschlichen Krastentwicklung ihre Vertreter bei uns finden, mögen Erfinder nnd Techniker, Feldherren und Künstler aus unsren Reihen hervorgehen — der Name Gottes ist dock nun einmal über uns genannt, der Menschheit bleiben wir vor allem die Vertreter des Ossenbarungsgcdankens, der überwindenden Geistigkeit und wer im höchsten Sinuc Jade sein, seine Stellung, soweit cs dem irrenden Menschen möglich, inmitten der Menschheit bewußt erfassen will, der muß mit hinhorchender Liebe das lange, ewig wogende Ringen der Menschheit um ihren Gott, das angstvolle Suchen und bange Verlieren des Göttlichen belauscht und geistig durchdrungen haben. In demselben Sinne, in welchen! Samson Raphael Hirsch der nimmer Ersetzte, in seinem Erziehungsplane für jeden Juden Geschichte und Raturlchre als Hülfsmittel zur Erkenn tu iß der Thora forderte, in demselben Sinne ist ein intensives Studium der Geschichte der Philosophie und der Geifteseatwicklung für den auf der Höhe stehende» Juden, den Rabbiner, ein innerlich notbwendiges Erforderniß Die Geschichte der Philosophie ist aber ferner zugleich eine Geschichte der Jrrthümer und der Begrenztheit des menschlichen Geistes und wirkt als solche, wenn sie innerlich mit erlebt wird, an und für sich apologetisch. Die Gefahren, die sie andrerseits für Einzelne bisher in sich geborgen haben mag, werden dadurch verringert oder beseitigt, daß sie nun ja von Juden im jüdischen Kreise in inniger Verbindung mit den jüdischen Disciplinen und in steten! Ausblick darauf vorgetragen wird, sodaß sie ohne schädliche Nebenwirkungen ihren Einfluß als hohes und edles Bildungsmittel geltend zu machen vermögen wird. Ein junger Mann nun, der — den Seminarknrsus einmal auf sechs Jahre angenommen — etwa vier Jahre Geschichte der Philosophie und Apologetik gehört und getrieben hat. der wird, wenn er dann noch zur Universität geht, nicht mehr gleich dem Gymnasial-Abiturienten heißen Kopfes und klopfenden Herzens die Lehren der zünftigen Wissenschaft wie eine neue, fascinierende Offenbarung einsaugen, er wird die Kraft des Widerstandes besitzen und vermöge der erworbenen geistigen Mittel daS Gute ohne tödtliche Kämpfe seiner Welt- und Lebensanschauung zu assimilieren wissen. Wir werden dann nicht mehr zwischen der Scylla lederner Fach- Einseitigkeit oder schöngeistiger Oberflächlichkeit und der Charybdis partiellen oder totalen Abfalles zu wählen, wir werden mehr als bisher ganze Männer haben, die selbst durch die oft unausbleiblichen, vielleicht sogar wünschenswerthen inneren Kämpfe nicht geschwächt, sondern gestählt worden sind. Aber noch inesi^ «gründliche jüdische Bedang.vorausgesetzt^ 'dar Roth' wendigkeil eines Universitätsbesuches fast ganz ent-

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