Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 80-81 (8.10.1897)
- Date
- 1897-10-08
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1548 aus den Censirungsregiftern der Stadt Lodz herausgezogen wurden. Im Jahre 1885 zählte die Stadt Lodz eine Bevölkerung von 135,000 Seelen; im Jahre 1997 finden wir daselbst 322,000 Bewohner. Diese Zunahme ist keine natürliche; sie entstand auch nicht aus Zuziehung fremder Elemente, da die Fremden seit 1887 bezüglich ihres Aufenthaltes in Polen den strengsten Einschränkungs-Maßregeln unterworfen find; ebensowenig sind es die Bewohner anderer polnischen Städte oder des Territoriums, die nach Lodz verzogen wären, da sich in jenen Städten nahezu die nämliche Zunahme vollzieht. Diese Lage ist lediglich auf den Zufluß aus Moskau und anderen Städten des Cent rums zurückzuführen. Lodz ist seit 1885 das „russische Manchester" geworden, und nicht allein Lodz hat diese Ausdehnung gewonnen, auch die benachbarten Städte, Tomaschof, Sgerz, Papianzi, sind zu großen Manufacturcentren angewachsen. Die Ehre dieser erstaunlichen und schnellen Metarmorphose gebürt zum größten Theil den russischen Juden. Aus Moskau vertrieben, haben sich die Israeliten, welche die kaufmännischen Hülfsquellen und idustriellen Bedürfnifie der moScovitischen Gegend kennen, inftinkmäßig nach den Industrie- und Manufacturcentren des Territoriums begeben, wo sie das Recht genießen, von ihrer Arbeit zu leben. Augenblicklich verdoppelte sich der Werth der Grundstücke, der Immobilien. In Warschau sind ganze Stadtviertel niedergerissen worden, um neuen Bauten, bequemen neuen Wohnungen Raum zu schaffen; in den Fabriken und Werken ersetzen jetzt vervollkommnete Maschinen das primitive Werkzeug von ehedem. Bon heute ab kann Lodz mit Moskau wetteifern, das ihm die Waffen zum Kampf beschaffen; es geht dies soweit, daß die moskovitischen Fabrikanten kürzlich die Regierung darum ersucht haben, eine Specialsteuer auf die Lodzer Erzeugnisse zu legen oder die Stadt für „außerhalb des Territoriums zu erklären". Natürlich hat dieses extravagante Verlangen bei der obersten Behörde kein Gehör gefunden. Der ökonomische Wettstreit darf keine anderen Waffen haben als die freie Conkurrenz. ** Düna, 2. Okt. Die Grundlagen einer Agrarorganisation für landbesitzliche Hebräer in den Gouvernements Chersson und Jekaterinofflaw sind vom Ministerium der Landwirthschaft und Domänen festgestellt worden. Man beabsichtigt, wie die „Nowosti" mittheilen, den Hebräern ebensoviel Land zuzutheilen, wie die grundbesitzenden Bauern haben, und will ihnen das Recht gewähren, es gegen eine bestimmte jährliche Pachtzahlung zu bearbeiten, doch darf das Land von ihnen weder verkauft, noch verpfändet werden, .shnVM 'bleibt KgenthryN'der Krone. MttthrilmM aus Im M. AmeMrelue» und für öicfelben. <S«immtliche iüd Wanderbettelvereine un't Kaffen für Durchreisende sind gebeten, uns Mittheilungen über Erfahrungen die sie auf dem Gebiete ihrer Thütigteit machen, zukommen zu lassen ) Fürth, 30. Sept. Der „Israel. Wanderunterstützungs - Verein" bittet uns um Veröffentlichung folgender Warnungen: Zwei angeblich israelitische (?) junge Leute beschwindeln die Unterstützungs-Kassen unter Namen: 1. Jakob Thomas auS Oberbessenbach, 2. Jakob Lewald. Beide nennen und legitimiren sich auch unter Namen Moritz Kofchinsky aus Kilsch und auch Jakob Berger. An hiesiger Kaffe wurden selbe als Schwindler entlarvt, ebenso auch in Nürnberg, von wo aus nach telefonischer Unterhaltung einer der beiden unter dem Namen Alexander Berger um Unterstützung nachfuchte. Nach abwechselnd von 1. und 2. vorgelegten Papieren ist Thomas 22 Jahre alt und auf dem linken Auge erblindet. — Ein bereits hier abgeurtheilter Schwindler, welcher sich damals als Cantor unter dem Namen Elias Spannlang Herumtrieb, wußte insbesondere bei Damen das Mitleid zu erregen. Er hatte größere Summen Geldes hier aufgebracht, welche er nachweislich in öffentlichen Häusern verpraßte. — Derselbe frcquentirte gestern unsere Kasse, und gerirte sich als Rabbinatskandidat. Wir haben ihn erkannt und abgewiesen. Wir warnen dringend vor diesen Hochstablern. Vermischtes. R. Darmstadt Die Kgl. Bayr. Akademie der Wiffenschaftcn hak dem ordentlichen Professor der Mathemathik an der Großh Technischen Hochschule dahier, Herrn Dr. Gundelfinger, unterm 14. v. M. für die sehr verdienstliche Mithilfe bei der Herausgabe von Ludwig Otto Hesse's „gesammelten Werken" die goldene akademische Denkmünze „Boae merenti“ verliehen. AnS dem Grotzherzagthum Hessen. Das Großh. Regierungsblatt veröffentlicht die Schenkungen und Stiftungen im abgelausenen Quartal, wovon Mk. 20,000 auf die isr Religionsgemeinden sich vertheilen. — Bei den von der technischen Hochschule zu Darmstadt gegebenen Preisfragen erhielt in der Abtheilung für Mathematik und Naturwisfenschaften der Studirende Gustav Cahn aus Bonn dcn Preis für die Aufgabe „Verallgemeinerung der Kegelschnittfätze." Heidelberg. Das hiesige Antisemitenblatt behauptet, daß der nationaüiberale Reichstagsabgeordnete Weber „bei seiner Wahl zum Reichstage, als die Nationallibcralen sich um die antisemitischen Stimmen bewarben, einer Kommission von drej Herren das Versprechen gegeben habe, für ein Gesetz zu stimmen, das, die Judeneinwanderung, verbietet^,,.,. Das Älatt erklärt sich bereit, den Wahrheitsbeweis vor Gericht zu erbringen.