Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 80-81 (8.10.1897)
- Date
- 1897-10-08
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1547 Großrabbiner Folgendes: „Ich kenne Herzl; sein Enthusiasmus ist mir sympathisch, doch seiue die Detailfragen des Judenstaates mit wichtiger Miene behandelnde Methode erinnert mich an jene drollige Konversation der Eltern, die ihren ungeborenen Kindern die Karriere vorzeichnen wollen. Herzl griff die Idee auf, die vor einem halben Menschenalter der Odessaer Dr. Pinsker zu prvpagiren suchte. Damals entstanden in Palästina jüdische Bancrnkolonien, welche ohne Hilfe des Großkapitals trotz Fleißes der Kolonisten zu Grunde gegangen wären Darum war es Undank seitens der Baseler Herren, gegen die Financiers loszuwettern. Herzl ist eigentlich nur ein :)iaüiirter des Zionismus; sein Apostolat ist aus der Nationalökonomie hervorgegangen. Argentinien oder Palästina — dieser Eocntual-Messianismus charakterisirt die ganze Richtung. Wir Franzosen halten treu und ohne Reserve fest an dem Fundamentartikel des Sauhedrin von 1807. Feder Franzose ist religiös verpflichtet Frankreich als feilt Vaterland zu betrachten. Wir verkennen nicht, daß in Rußland, Rumänien uub auch anderswo noch mittelalterliche Zustände herrschen, aber aus der Suche nach einem Vcuerlandc sollen nicht alle Wege nach Palästina führen. Soziale und sprachlich homogene Gruppen möge man zielbewußt nach Palästina dirigiren: Ich denke vorerst nur an die osteuropäischen Juden nichtdentscher Zunge. Diese Gruppen mit der Bevölkerung von Palästina sich affimiliren lassen — dazu sage ich Amen, aber der Versuch der Bildung eines Staates birgt unendliche Gefahren in sich, deren nicht geringste die der Intoleranz eines theokraiischen Despotismus wäre, so daß die Juden nur die Tyrannei eingetauscht batten. Die orientalische Intoleranz ist viel gefährlicher und rücksichtsloser als eine europäische. Die Lösung des Judenstaat-Problems erscheint mir minder wichtig — und hierbei blickte Zadoc Kahn aiff den Kanal la Manche hinaus — als eine Brücke über den Kanal . . ." Ein recht albernes Märchen ließ sich die „Jndependance Belge" über die Vorgeschichte des Kongresses austischen, indem sie erzählt: „Als vor 15 Jahren der Schah Rasr Eddin von Persien seine Europareise machte, bat Alphons Rothschild, der öfter die Vorsehung für seine Konsesstons Verwandten spielt, ihn um eine Audienz, um ihm die in Persien angesiedelten Juden ans Herz zu legen, da ihnen die Regierung manchmal Schwierigkeiten mache. Rasr Eddin soll damals schelmisch geantwortet haben: „Sie sind reich, und auch unter Ihren Leuten fehlt es nicht an großen Vermögen. Warum sollten Sie nicht einen Theil derselben für die Erwerbung bei alten Judäa verwenden, nur dort die Einwanderung Ihrer Raffe und die Wiederaufrichtung des alten Königreiches zu organisiren?" Die „Jndependance" fügt noch hinzu: „Unter dem diplomatischen Gesichts punkte, wo zu allen Zeiten die Frage der heiligen Orte eines der Elemente der stets wieder auftanchendeil Oricntsrage war, tauu die Errichtung eines jüdischen Staates in Palästina mit Jerusalem als Hauptstadt als eine der tollsten Ebimären gelten, die jemals in einer ans dem Gleichgewicht gekommenen Phantasie ausgebeckt worden und." R u ß l a n b. ** Petersburg, o. Oft. In den 18 Gouvernements des europäischen Rußland, die in diesen: Jabre von einer mehr oder weniger vollständigen Mißernte des Getreides und der Fnttcrkränter betreffen wurden, sind die Preise für lebendes Vieh und für Pferde tief gesunken, da sie in wahllosen Massen ans alle Märkte zngetrieben und um jeden Preis seilgeboten werden. Als fast die einzigen Käufer erscheinen hier nun jüdische Händler, von denen Vieh und Pferde in großen Parthien zum Absatz in von Mißwachs nicht betroffenen Gouvernements ansgekaust werden. Da nun aber die betroffenen achtzehn Gouvernements außerhalb des Bezirkes der 27 westrussischen und polnischen Gouvernements, in denen die Inden ständigem Aufenthalt, zu Handel unb Wandel die Berechtigung haben, belegen sind, so widerspricht das Erscheinen der indischen Händler ans jenen Viehnnd Pserdemärtleu dem Wortlaute des Gesetzes; an einer Anzabt Orten baden daher die örtlichen Polizeiautoritäten sich verattlaßt gesehen, dte jüdischen Händler und in ihnen die einzigen Käufer, von den überlasteten Märkten sortzuweisen, was nach Lage der örtlichen Umstände zur völligen Entwendung der massenbaft zu Verkauf stehenden Hausthiere, für die kein Futter vorhanden war, führen müßte. In dieser Bedrängniß daben sich Vertreter einer Anzahl Sradt- und Semstwo-Ver- Wattungen an das svinanzministerium gewandt mit Klagen über die „nitzeitgemäße" Strenge der örtlichen Polizeibehörden unb mit dem Gesuch, den Inden, „wenn auch itur für die steil bis zum nächsten Frühjar," das Aufkäufen von Vieh und Pferden und den Handel damit aitch außerhalb des Bezirkes der Anstcdelitiigsherechtignng der Inden ztt gestatten. ** Lodz. Die 3cituna, Woskhvd hat sich in einer ihrer Nummern mit der außergewölmtichelt Entwicklung beschäftigt, die die Stadt Lodz seit einigen Jahren genommen. Die Bemerkungen sind zu beachten, denn sie weisen "nach,"Paß, was die Stadt Lodz an industrieller Bedeutung gewonnen hat, von Moskau eingebüßt wörden^stst/gnstd' daß diese Veränderung den Ausweisungen von 1892 znznschreiben ist. Anbei einige Auszeichnungen, welche