Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 80-81 (8.10.1897)
- Date
- 1897-10-08
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2448705-2448781--44721-2493830- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
1546 diener der israelitischen Beerdigungsgesellschaft ein sN2 ist, dem freilich der Rabbiner s. Z. feierlich die Priesterschaft abgesprochen hat. — Doch muß erwähnt werden, daß unser kleines Minjan der Herren Geis und Spiegel, das sich „Zion" nicht aus seinen Gebeten streichen und aus den Herzen reißen läßt, langsam aber stetig zunimmt. — ** Wittenberg, 6. Okt. Der erste israelitische Gottesdienst seit mindestens 450 Jahren, vielleicht auch seit der Gründung Wittenbergs, hat hier zur Feier des jüdischen Neujahrsfestes dieser Tage stattgefunden. — Ob vor 1440 jüdische Religionsübungen hier stattgefunden haben, darüber haben wir keine Nachricht, fest aber steht, daß seit 1440 keine solche stattgefunden haben können, da seit diesem Jahre kein Israelit in Wittenberg gewohnt hat. Aus Bayern. (Hochzeitstelegramme.) „Haft Du gehört? Bei der Hochzeit des N. N. sind 300 Depeschen eingelaufen." Diese Sensationsnachricht brachte mir jüngst mein Freund nach seiner Mckkehr aus F. Ich staunte über diese Riesenzahl von Telegrammen gelegentlich einer Hochzeit, dachte aber sofort an den Vorschlag, welchen seinerzeit Rabbiner Wechsler Stst in Höchberg in Ihrem gesch. Blatte machte. Dieser für alles Edle begeisterte Mann hatte in Vorschlag gebracht: „Es sollten die für Hochzeitsielegramme bestimmten Summen in Zukunft bessere Verwendung finden und Herr Wechsler erklärte sich bereit, gegen Einsendung von 50 Pfennig zu Gunsten Palästinas ein schön ausgeführtes sog. „Palästina-Telegramm" an jede beliebige Adresse zur festgesetzten Zeit absenden zu wollen." Dieser Vorschlag fand jedoch wenig Berücksichtigung. Ich gehe gewiß nicht irre, wenn ich als Hauptgrund den bezeichne, daß die Gratulanten nicht wissen, ob dem Hochzeitspaare eine derartige Beglückwünschung angenehm wäre. Somit liegt es vor allem an den Brautpaaren, den Wechsler'schen Vorschlag durchführbar zu machen. Meiner Ansicht nach wäre es ein Leichtes, auf diesem Gebiete noch viel Gutes zu stiften, wenn vielleicht folgendes Verfahren eingeschlagen würde: Nachdem es doch jetzt Sitte ist, daß fast alle, welche zu einer Hochzeit geladen werden, auch telegraphisch gratulieren, so wäre es das Beste, wenn auf den Einladungskarten der Vermerk stünde: „Sollten Sie die Absicht haben, uns zu unserer Hochzeit ein Telegramm zu senden, so bemerken wir Ihnen, daß Sie uns eine größere Freude bereiten würden, wenn S'e den dafür bestimmten Betrag den Armen des heiligen Landes zukommen ließen." Uebrigens können ja weitere Vorschläge noch besseren Erfolg in Aussicht stellen. Erinnern möchte ich nur noch an die glücklich durchgeführte Idee der Neujahrswunschenthebungen. So wünsche ich denn den *39 ein NAV ruw! (In vielen Theilen Rußlands ist die Anregung des Herrn Correspondenten bereits in die Praxis übertragen worden. In fast jeder russischen Stadt exiftirt eine Fitialftelle des Ehovavei-Zion-Vereins. Dieser giebt Postkarten aus, auf deren einen Hälfte er den gespendeten Betrag quittirt, die andere Hälfte des Raumes ist für den Text des „Telegramms" bestimmt, die Postkarte wird alsdann, wenn mit Quittung und Telegramm versehen, an die Hochzeitsgesellschaft befördert. Es wäre ein Leichtes etwas Derartiges auch in Deutschland einzuführen. Red.) Nürnberg, 19. Sept. Der vor einigen Wochen in Wildbaü verstorbene hiesige Bürger Lazarus Schwarz, welcher auch bei Lebzeiten viel Gutes gethan, hat für wohlthätige, gemeinnützige, konstsstonclle und interkonfessionelle Zwecke die nachfolgenden Legate ausgeworfen: 400,000 M. für eine bayr. isr. AliersversorgungSanstalt; 124,000 M. für verschiedene Woblthätigkeitszwecke in der Cuttusgemeinde Nürnberg; 2000 M. der religiösen Vereinigung Adaß-Jisroel; 1000 M. dem isr. Armenunterstützungsverein; den Vereinen: Merkur, Jugendhort, Frauenwohl, Krankenpflege, Wärmftuben, Ferienkolonien für kranke Kinder, dem Kinderspital, der Augenheil- und Blindenerziehungsanstalt, sämmtlich in Nünberg je 500 M.; für Zöglinge der Israel. Waisenanstalt in Fürth (der Anstalt hatle der Vestorbene noch bei Lebzeiten den Betrag von 120,000 M. zugewendel) 5000 M.; der Alliance Jsraelite Universelle 1000 M.; den Lehrerbildungsanstalten zu Würzburg und Burgpreppach 1000 M., der Talmud-Thora-Schule in Schwabach 500 M. und sonstige kleinere Legate und Familienstiftungen. Dem Germanischen Museum wurde dessen kostbare Sammlung von Gold- und Silbermünzen vermacht. ** Emden, 3. Oktober. (Jüdische Fe i e rt a g e.) Die hiesige „Emdener Zeitung" brachte in voriger Woche folgende fett gedruckte Annonce: „Des hohen isr. Festtages wegen werden sich die Viehhändler isr. Konfession an dem am Dienstag, den 28. d. M., hier ftattfindenden Viehmarkte nicht betheiligen." Die Folge war, daß zu dem Viehmarkt, der sonst gut besucht zu werden pflegt, nur 20 Stück Rindvieh angetrieben wurden, der Markt also nicht die geringste Bedeutung hatte. Dazu bemerkt das antisemitische „Volk": Würoen wir Christen auch immer in thatkräftiger Weise die hohe Bedeutung mancher unserer Festtage betonen, so würden dieselben nicht mehr, wie jetzt so oft herabgewürdigt. Frankreich. ** Paris. Der Großrabbiner von Frankreich, Zadoc Kahn, den die Zionisten gar zu den Ihrigen zählen, ist jüngst von einem Pariser Journalisten interviewt worden. Nach dem „Journal" sagte der