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Der Israelit · 1897-10-08 · Heft 80-81 (8.10.1897) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 80-81 (8.10.1897)
Date
1897-10-08
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1545 Heber des Planes scharf an; indem sie an dem Sabbat, als an einem der Grundpfeiler des Judenthums, rüttelten, gelte es ihnen, dieses selbst zu zerstören und es allmählich in den Schoß der Reformgemeinde Hinüberzuleilen. Wie wenig werbende Kraft dem jüdischen Sonntags-Gottesdienste innewohne, beweise der Umstand, daß die Berliner Reformgemeinde, welche seit mehr als fünfzig Jahren bereits den Sonntags-Gottesdienst besitze, in diesem Zeitraum etwa zweihundert Mitglieder gewonnen habe, während die jüdische Gemeinde Berlin um das fünfundzwanzigfache gewachsen sei. Universitätsprofessor Dr. Lewin warnte gleichfalls vor der Einführung sonntäglicher Gottesdienste. Nichts sei thörichter und zweckloser, als solche jüdische „mimicry“. Und wenn man noch so viel von den alten jüdischen Bräuchen über Bord werfe und die Sonntagsfeier auch, was die nothwendige Consequenz der Sonntags-Gottesdienste sein muffe, als die allein giltige proclamire, so bleibe man für die anderen doch immer „der Jude." (Stürmischer Beifall.) Am starren Nacken des Judenthums werde auch dieser Versuch, es zu vernichten, kläglich scheitern. Der sei des Namens „Jude" nicht werth, der seine Hand dazu biete, den Sabbat zu entthronen. Mit allen gegen sieben Stimmen fand nachstehende Resolution Annahme: „Die heutige Versammlung jüdischer Gemeindewähler erhebt entschiedenen Einspruch gegen die geplante Einführung von Sonntags- Predigt-Gottesdiensten, als gegen einen Verstoß wider Glaubenssatzung und Ueberlieferung. Sie verurtheilt die dahinzielende Agitation, als den Versuch einer Verleitung zum Abfall vom Glauben der Väter und beauftragt den Vorstand des Centralvereins, für die Jntereffen der jüdischen Gemeinde die geeigneten Schritte dagegen zu unternehmen und der Gemeindeverwaltung von diesem Beschluffe Kenntniß zu geben." ** Berlin, 3. Okt. (Die Einweihung der Baruch Au erb ach'scheu Mais en-An statten.) In der Schönhauser-Allee 162 ist das neue Haus der Auerbach'schen Waisenanstalten erbaut. Ein großer Vorgarten trennt das Gebäude von der Straße und in der Mitte dieses Gartens grüßt uns die Erzbüste Kaiser Friedrichs. Dahinter ragt das rothe Gebäude empor, das gestern zu seiner Bestimmung geweiht wurde. Eine große Versammlung hatte sich zur Feier eingefunden. Wir sahen u. A. Bürgermeister Kirschner, Stadtverordneten-Vorfteher Langerhaus, die Stadtschulräthe Fürstenau und Bertram, Generalkonsul Eugen Landau, Geheimen Sanitätsrath Blumenthal, Rabbiner Dr. Maybaum, Frau Lina Morgenstern u. s. w. Die Zöglinge der Anstalt wurden in den Saal geführt, worauf vom Chor herab zur Eröffnung der Feier Psalm 121 ertönte. Die Sänger waren Schüler und Schülerinnen der Anstalt, deren Schaar Herren und Damen des SynagogenchorS, unter diesen Fräulein Jeanne Golz, die beliebte Conzertsängerin, verstärkte; der Dirigent des Synagogenchors Kellermann hatte die Leitung übernommen. Nachdem die Töne verhallt waren, ergriff der Direktor der Anstalt das Wort zu einer Festrede, in welcher er einen kurzen Ueberblick über die Geschichte der Anstalten gab und zum Schluß das Leben der Zöglinge in den Anstalten schilderte. Es folgte der Psalm 23 in der Komposition von Alexis Holländer. Rabbiner Dr. Dienstfertig, der Anstaltsgeistliche, sprach alsdann das Weihegebet, worin er besonders der Herrscherpaares und der hohen Protektorin Kaiserin Friedrich gedachte, die telegraphisch ihre Glückwünsche übermittelt hatte. Der Gesang von „Die Ehre Gottes aus der Natur" von Beethoven beschloß die Feier, der sich ein intereffanter Rundgang durch die Räume der in ihrer Art mustergiltigen Anstalt anschloß. Die Schlafsäle groß und luftig, die Waschräume durchaus sachgemäß, alles peinlich sauber und anheimelnd, die Speisesäle praktisch eingerichtet, die Küche ein Muster für jede Hausfrau. Turnsaal und Krankenzimmer, auf der Rückseite des Hofes gelegen, vervollständigten den anmuthigen Eindruck des Instituts und man konnte begreifen, daß die Zöglinge hier eine wahre Heimath finden. Besonders interessant war die Bibliothek, die Bücher für jede Altersstufe enthält und für die älteren Knaben und Mädchen namentlich eine Anzahl gediegener Werke aufweist. Das Ganze bot ein so erfreuliches Bild, daß man der Anstalt aus vollem Herzen ein kräftiges Blühen, Wachsen und Gedeihen wünschen kann. <[ Magdeburg, 3. Okt. Am Rosch-haschonoh wurde die neue Synagoge mit Orgel und neuem Gebetbuche feierlich „geweiht", obwohl die Synagoge ( noch nicht ganz fertig ist. Der Rabbiner wies in seiner Weihepredigt darauf hin, wie so wunderbar das Gebetbuch von ihm durch Streichungen veredelt sei. „Wir gedenken nicht mehr in unfern Synagogen des alten Jerusalems und Zions, wir haben keine Hoffnungen mehr auf eine Zukunft, die mit jenem Zion verknüpft ist." Die ganze Rede klang wie: „Das sind nun Deine Götter, Israel in Magdeburg, die Orgel und das neue Gebetbuch." Aber njrn rni ging einmal zu Ende und es kam rair rar, an dem der Gottesdienst in einem Saale abgehalten wurde. Warum? Run weil in der Synagoge Werkeltag war und fleißig gearbeitet wurde. Herr Dr. Rahmer ist jetzt 32 Jahre Rabbiner in Magdeburg, in dieser Zeit ist die Gemeinde durch Zuwanderung auf etwa 3000 Seelen gestiegen. Die Zahl der Geschäfte, die wenigstens am rum rin geschloffen hätten, ist freilich auf einfvo. gesunken, Ivährend das einzige irv-Fleischgeschäft am rar geöffnet ist. entsprechend dem Umstande, daß der Leichen-

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