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Der Israelit · 1897-10-05 · Heft 79 (5.10.1897) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 79 (5.10.1897)
Date
1897-10-05
Page
– (sequence 1)
Language
German
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ttlYlll. Jahrgang. M f» Aer Israelit. Ein Kenlrat-Hrgan für das orthodore Iudenthum. Begründet von Dr. ITelrmanu in Hain}. 'Montag, de« 4. Oktober 5658 (1897)« Die nächste Nummer unseres Blattes, eine Doppelnummer, erscheint Frei tag den 8. Oktober.____ Neu eingetretene Abonnenten erhalten die Anfänge der beiden Erzählungen „Säen und Ernten" von Dr. M. Lehmann und „Die Stunde der Vergeltung" von Paul Gotthelf, soweit der Vorrath reicht, gratis und franco nachgeliefert. Leitender Artikel Akiba Eger. Eine «rinnerung zu dessen 60. Todestage, am 13. Tischrt 5658. Von Rabbiner Dr. E. Pletzner (Ostrowo). Ist es an sich schon wichtig, wenn man unserer materiellen Zeit die idealen Gestalten cher Vergangenheit vorführt, daß sie sich an ihnen emporranke, sich für wenige Augenblicke besinne, und dem rastlosen Haschen und Jagen nach Gewinn Halt gebiete; so ist eine „Erinnerung" an den hochidealen Mann, den weltberühmten, von allen Confessionen und Nationalitäten gefeierten Posener Oberlandesrabbiner, „A k i da Ege r," der heute vor sechzig Jahren, als fünfundachtzigjähriger Greis, nach einem höchst ruhmvollen Leben, Wirken und Schaffen, dar Ziel seiner irdischen Laufbahn erreichte, von überaus eindrucksvoller Bedeutung. Denn, noch hat Posen betagte Männer und Frauen aufzuweisen, die vor 60 Jahren am heutigen Tage, des ehrwürdigen Mannes entseelte Hülle, von zahllosen Schaaren aller Bevölkerungsklaffen umgeben, zu den großen Todten seiner Vorgängerschaft auf dem Posener Rabbinatsstuhle, Hinausbegleitelen. Noch zählt die Judenheit weit hinaus über die Grenzen unseres Vaterlandes, gelehrte Männer, die einst lauschend zu den Füßen Eger'S sahen, die in der Erinnerung an ihn sich heute noch glücklich schätzen, in sein liebevolles, herzgewinnendes Antlitz geschaut, den Strahl seiner leuchtenden, ein großes Feuer der Weisheit und der religiösen Begeisterung ausströmenden Augen empfangen zu haben. Hochbetagte Männer, die auf ihrer Lebenspilgerfahrt im Wechsel der Zeilen und Geschicke gar vieles gesehen und erfahren, sie werden, gebeugt von der Jahre Last, am Spätabende ihres Dasein's, wie von einer Zauberparole elektristrt, wenn sie Akiba Eger'S erwähnen hören, als verjüngten sie sich plötzlich vor unseren Augen. ES ist daher durchaus nicht hyperbolisch aufzufaffen, wenn der Historiker Grätz in wenigen, aber kernigen Worten unfern Eger wie folgt sktzzirte: „Der durch erstaunlich haarscharfen Geist und hohe Tugenden— worunter die Bescheidenheit obenan stand, — ausgezeichnete Akiba Eger, groß bei den Tausenden von Schülern, die aus seinem Lehrhause in Friedland sMärkisch-Friedland in Westpreußen), und Posen, hervorgegangen waren, eine die Vergötterung streifende Verehrung." *) Aber, Akiba Eger'S Andenken lebt nicht ausschließlich in den Kreisen der Sachkenner und Fachmänner verherrlicht fort; auch die Laienwelt, das große Volk, die breite Masse, die einfachen Leute, sie alle, alle, sind seines Lobes voll, sie alle, alle umgaben seinen Namen mit einem fast überirdischen Glorienscheine. Wenn wir uns nun die Frage vortegen: Was eigentlich war es gewesen, das einer wissenschaftlichen Größe ersten Ranges, die Herzen Aller zuführte? Was hat ihn so beispiellos populär gemacht? So antworten wir wohl zutreffend, wenn wir sagen: Akiba Eger war ein „großer Mann" und ein „großer Mensch" zugleich; und hierin liegt des Räthsels Lösung. Als „großer Mann" wurde er von den Forschern bewundert. Rabbinische Koryphäen, neben Dilettanten, brachten ihre Fragen aus der Casuistik des Gesetzes sowohl, als auch die rein literari- *) Grätz, »Geschichte der Juden," Band elf, S. 419.

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