Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 38 (1897)
- Issue
- Heft 78 (30.9.1897)
- Date
- 1897-09-30
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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1512 Gutachten die Versammlung dem Schatzmeister Entlastung ertheilt. § 11. Erreichen die Einnahmen der Gesellschaft nicht die Höhe der laufenden Ausgaben, so gilt die Gesellschaft für aufgelöst. Etwaige Ueberschüsse werden auf Beschluß de» Vorstandes zu jüdisch-wissenschaftlichen Zwecken verwendet. § 12. Die Gesellschaft tritt ins Leben, sobalo 200 Mitglieder sich gemeldet haben, spätestens aber am 1. Januar 1898. Beitrittserklärungen nimmt Rabbiner Dr. Grunwald, Hamburg, Grinvelallee 128, entgegen. Memel, 22. September. Ueber die bisherige Thätigkeit der von dem Vorstände der Synagogen- Gemeinde berufenen Commission zur Fürsorge für die landesverwiesenen Juden am hiesigen Orte ist Nachfolgendes zur öffentlichen Kenntniß zu bringen. Das hierorts verbreitete, auch in einigen jüdischen Blättern als Thatsache mitgetheilte Gerücht, die Ausweisungen seien zurückgenommen, ist nach unseren Informationen unbegründet. Es sind nur neue Erhebungen in dieser Angelegenheit höheren Orts an, geordnet, deren Resultat noch aussteht; daß aber die meisten der bis jetzt Auszewiesenen den Ort verlaffen müssen, ist ganz außer Zweifel. Mitlerweile ist aber bei vielen der völlig erwerblosen mit Geld und Haftstrafen belegten Ausgewiesenen, davon der größte Theil an und für sich schon blutarme Menschen sind, die Roth aufs Höchste gestiegen, besonders bei den meist sehr zahlreichen Familien, von welchen die Männer um eine neue Heimath zu suchen, den Ort vor längerer oder kürzerer Zeit bereits verlassen haben. Alle diese mußten unterstützt werden. Es sind in den verschiedenen Sitzungen zur Abhülfe augenblicklicher Noth, sowie zu Ncifeunterstützungen von den bisher eingelaufenen Spenden 2210 Mk. verwilligt und beschlossen worden, die noch vorhandene Summe mit allen weiteren Eingängen je nach Bedarf zur Vertheilung zu bringen, sowie nach Abschluß der traurigen Angelegenheit über den Gesammtverlauf des Hülfswerkes einen detaillirlen Rechenschaftsbericht zu veröffentlichen. Im Namen des „Komitees für die landesverwiesenen Juden" Rabb. Dr. I Rülf. Breslau. Ein ttberzeugungStreuer Antisemit ist der Chocolavensabrikant Laube in Kolzig bei Grüneberg in Schlesien. Er war einer der E feigsten gewesen, in Versammlungen wie im 'Privatgespräch den Satz: „Kauft bei keinem Juden!" als eine heilige Pflicht eines jeden Christen und Deutschen zu verkünden. Jetzt hat er seine Fabrik und Conditorei an einen jüdischen Kaufmann verkauft ** München, 23. Sept. Sechs jüdische Kaufleute hatten gegen den Antisemitensührer Wengg Beleidigungsklage erhoben, weil er zu Weihnachten seinem „Deutschen Volksblatt" ein Flugblatt beigelegt hatte, in dem das Publikum aufgeforderl worden war, nichts bei Juaen, sondern bei christlichen deutschen Geschäftsleuten, zu kaufen. Das Schöffengericht hat seinerzeit Wengg freigesprochen. Die dagegen von den Klägern erhobene Berufung wurde heute vom Landgericht verworfen. In der Urtheilsbegründung heißt es, das Flugblatt fei allgemein gegen die Juden, nicht gegen die Münchener Juden im besonderen gerichtet, und es sei auch nicht erkennbar, daß es jeden Juden gemeint habe oder gegen bestimmte Personen gerichtet sei. Durch das Flugblatt mag der einzelne Jude erregt worden sein; aber diese Erregung vermöge nicht den Thatbestand der Beleidigung für eine Verurtheilung zu ersetzen, wie es vielleicht auf anderem Wege (grober Unfug?) möglich wäre. Verschiedene politische Blätter nichtantisemitischer Tendenz sprechen den Wunsch aus, ihre Parteigenossen möchten ebenso scharfsinnige Richter bei ihren Prozeffen finden. Oe st e rr.- Un gar. M o narch ie. ** Wien Am 12. d. stellte die Budapester Stadthauptmannschaft an die hiesige Polizei-Behörde das Ersuchen, festzustellen, ob sich Ilona Schönhauser hier aufhaltc. Es wurde bald eruirt, daß sich das Mädchen seit Februar dieses Jahres in dem erwähnten Kloster in Wien befinde. Wie nun das „Jllustrirte Wiener Extrablatt" meldet, ist das Mädchen, nach seinen eigenen Miltheilungen, im Alter von zwölf Jahren aus Wunsch der Mutter in das Raaber Kloster zur Erziehung gekommen und habe sich nach zwei Jahren, imAlter von vierzehn Jahren, mit Zustimmung der Mutter taufen lassen. Hieraus sei Ilona Schönhauser ins Marienkloster in Budapest eingetreten und als Barmherzige Schwester auf der Klinik im Rochnsspitale thätig gewesen. Als aber später das Mädchen die Absicht aussprach, sich entkleiden zu lassen, widersetzte sich die Mutter der Absicht ihrer Tochter, indem sie ein Heiratsproject für dieselbe halte. Hierauf entfloh Ilona Schönhauser, zuerst nach Raab und dann im Februar dieses Jahres nach Wien zu den Barniherzigeit Schwestern in die Gumpendorferstraße. Das Mädchen ist nach seiner eigenen Aussage fest entschlossen, sich einkleiden zu lassen. Bor einigen Tagen habe sie ihrer Mutter von ihrem gegenwärtigen Aufenthalte brieflich Kenntniß gegeben. Rußland. ** Petersburg Wenn die russischen Blätter gut unterrichtet sind, so dürfte sich innerhalb der Jewisli Colonisation Association in nächster Zeit eine Wandlung vollziehen. An die Thatsache der Berufung des Herrn D. Feinberg nach Paris knüpfen jene Blätter nämlich die Mittheilung, daß unter den russischen Juden selbst zwei verschiedene Richtun-