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Der Israelit · 1897-09-30 · Heft 78 (30.9.1897) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 78 (30.9.1897)
Date
1897-09-30
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1507 mit man wenigstens an den wenigen bekannten Orten beruhigt essen kann. Das wäre auch ein Wirkungskreis für die „Freie Vereinigung". Straubing, 16. Sept. (Line herrliche Feier hat am H. und 4. d. Mts. hier ftattgefunden. Seit kurzer Zeit besteht hier wieder eine israelitische Cultusgemeinde. Bekanntlich hat s. Z. auf der ersten Generalversammlung des „Landesvereins" Herr Dr. M e 9 c t aus Regensburg die Errichtung einer solchen Gemeinde beantragt. Durch die Bemühungen des Herrn Salomon Lippmann dahier, welcher bereitwilligst aus diesen Plan einging, kam die Gemeinde zu Stande. Am Freitag nun wurde der sehr schön ausgestattete Betsaal feierlich eingeweiht. Unter Theilnahme der ganzen Gemeinde fand die erhebende Feier stall. Der Bürgermeister v. Leistner, ein rechtskundiger Rath und zwei bürgerliche Räthe des Stadlmagistrats nahmen an derselben Theil. Dies beweist, welcher Geist bei dieser h. Behörde herrscht. Den gesanglichen Theil der Feier exccutirte Herr Lehrer und Cantor Stern. Die Festpredigt hielt Herr Districts-Rabbiner Dr. Mey er aus Regens bürg. Am Samstag fand zugleich die Bar-Mizwah-Feier des Sohnes des Herrn Lippmann, der erster Vorstand der Eultusgemeinde ist, (zweiter Vorstand ist Herr S e l i g in a n n) statt, wobei Herr Dr. Meyer abermals eine Predigt hielt. Ein Festessen einigte Nachmittags die Theilnehmer. Ernste und heitere Reden würzten das Mahl. Die schöne Feier wird allen einheimischen und fremden Theilnehmern unvergeßlich sein. Möge die Eultusgemeinde Straubing wachsen, blühen und gedeiben. Wir zweifeln nicht daran, daß sie sich durch Zuzug bald wesentlich vermehren wird. Das Leben ist hier billig und angenehm. Bei den Israeliten herrscht schöne Eintracht und sie leben mit den Andersgläubigen in schönstem Frieden. ** Aus Baden, 2l. Sepl. Die offiziellen „Nachrichten der Vereinigung badischer Israeliten" bringen eine Erklärung gegen den Zionismus, folgenden Inhalts: „In der Zeit seit der Ausgabe der letzten und der heute vorliegenden 'Nummer der „Nachrichten" hat in Basel ein Zionistenkongreß getagt. Wir hätten kaum Anlaß, uns mit den höchst seltsamen Ergebnissen des Congresses zu beschäftigen, wenn dessen Wortführer sich darauf beschränkt hätten, ihre persönlichen Anschauungen und die der Anhänger der Zioniften-„Bewegung" zum Ausdruck zu bringen. Die in Basel versammelt gewesenen Herren sind aber über die ihren Berechtigungen naturgemäß gezogenen Grenzen hinausgegangen, indem sie ihre Bestrebungen nicht als Sonderziele der Zionisten, vielmehr als den Ausdruck der innersten Herzenswünsche der gesummten Judenschaft und ihrer Hoffnungen darzustellen gewagt haben. Im Einklang mit vielfachen, aus der Mitte unserer Vereinigung wie auch aus den ihr zur Zeit noch fernstehenden Kreisen unserer Glaubensgenoffen uns zugegangenen Meinungsäußerungen fühlen wir uns berufen und verpflichtet, den auf dem Zionisten-Congreß wiederholt hervorgetretenen Versuchen, auch den Deutschen israelitischen Glaubens die nationale Gemeinschaft mit ihren christlichen Mitbürgern abzuerkennen, in aller Entschiedenheit entgegenzutreten." Oesterr.- Ungar. Monarchie. § <Sörz, 2. Sept. Unsere Gemeinde ist zwar bedeutend jünger als unsere Schwestergemeindc Triest, denn sie wurde erst im vorigen Jahrhundert unter Kaiser Josef 11., der die von der Republik Venedig aus ihrem Gebiete vertriebenen Juden in sein Reich anfnahin und ihnen das Küstengebiet zur Ansiedelung darauf anwies, gegründet. Sie besaß aber schon Ende des vergangenen Jahrhunderts ein eigenes Statut, das dann in den Jahren 1850 und 1853 erneuert und bedeutend erweitert wurde. 1890 wurde, als auch die Bezirke Tolurein und Gradisca unserer Gemeinde zugetheilt wurden, abermals ein neues Statut entworfen, das nun im vergangenen Juli von der hohen Negierung auch sanctionirt wurde. Dasselbe tritt schon mit Beginn des neuen Synagogenjahres in Kraft. Rußland. £ Wladiwostok Aus Rußland respective Sibirien werden die Juden verbannt und vertrieben, dafür finden sic aber im chinesischen Reiche Ausnahme und Unterkunft. Viele Juden von hier und anderen Städten Sibiriens, denen der weitere Aufenthalt in diesem Lande untersagt wurde, haben sich nach der benachbarten Mandschurei, die schon zum chinesischen Reiche gehört, gewendet und w.rrde ihnen von den Behörden daselbst die Ansiedelung gcgestattet. Die Mandschurei ist eigeiltlich nicht von Chinesen, sondern von Mongolen (oder wie man in Europa sagt, von Tataren) bewohnt, die zwar noch Heiden, dabei aber sehr gastfreundlich sind. Diese chinesische Provinz wird aber bald eine große Rolle im Weltverkehre spielen, denn die sibirische Wellbahn, die zum stillen Ocean führen und 1903 vollendet wird, wird die Mandschurei von West nach Oft ditrchschneiden und hier in Wladiwostok ihren Endpunkt haben. Der Betrieb dieser Bahn wird zwar in den Händen der Ruffen ruhen, doch wird China als Souverän der Mandschurei die Oberaufsicht über dieselbe führen. Die chinesischen Behörden in der Mandschurei zeigen sich äußerst zuvorkommend gegen diese jüdischen Einwanderer, da sie von ihnen hoffen, daß sie dem Handel dieser Provinz — der Mongole ist nur für den Ackerbau und die Viehzucht geeignet —■ einen gehörigen Aufschwung geben werden.

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