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Der Israelit · 1897-09-30 · Heft 78 (30.9.1897) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 78 (30.9.1897)
Date
1897-09-30
Page
– (sequence 4)
Language
German
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angenommene Theil der Thesen hat folgenden Wortlaut : Der obligatorische Besuch der allgemeinen Volksschule ist unerläßliche Pflicht für die Gesammtheit der Kinder beiderlei Geschlechts. Zu den Begriffsmerkmalen der allgemeinen Volksschule gehören nach der historisch - genetischen Entwickelung sonst noch: Oeffentlichkeit und Unentgeltlichkeit. So bildet als sogenannte Einheitsschule, unter Ausschluß der insonderheit den höheren Schulen angehängten Vorschulen, die gemeinsame Grundlage aller Schulgattungen, insofern sich auf ihr organisch jede weiterführende Bildung lückenlos aufbaut. Die Forderung der allgemeinen Volksschule stützt sich auf folgende Erwägungen: 1. Sie soll dazu beitragen, die vorhandenen Standesvorurtheile zu beseitigen und Verständniß der gegenseitigen Lebensinteressen zu erwecken. 2. Für den Unterricht in den Elementarfächern kann es nur eine Methodik geben. 3. Begabung und Fleiß der Kinder sind unabhängig von der sozialen Stellung der Eltern. 4. Der sich entwickelnde Wetteifer kommt beiden Theilen zu gute. 5. Durch den Besuch von Kindern aus besser situirter Gesellschaftsklasse wird das Niveau der Schule gehoben. 6. Sittlich verwahrloste und geistig zurückgebliebene Kinder bedürfen ihrer Eigenart entsprechende Erziehung und sind deßhalb aus der allgemeinen Volksschule auszuschließen. 7. Der Besuch der Volksschule ist billiger bei gleichen Leistungen und deßhalb vorzuziehen. Die Mittel der Steuerzahler dürfen nicht zu Gunsten der Reichen in Anspruch genommen werden. Berlin, 28. Sept. (Zur Abwehr.) Eine Reihe antisemitischer Zeitungen, darunter Me „Deutsche Ztg." vom 8. September und die „D. Tagesztg.", veröffentlichte eine Notiz, derzufolge das Kuratorium der Rohr'schen Stiftung zur Unterstützung jüdischer Handwerker in der Provinz Posen beschlossen habe, in Ermangelung von Bewerbern die Zinsen des Stiftungskapitals von 200,000 M. anderen Zwecken zuzuführen. Die Juden hätten keine Lust, Handwerker zu werden, obwohl sie in diesem Falle erhebliche Unterstützungen zu erwarten hätten. Auf Anfrage wird nun Folgendes geschrieben: „Dieser Notiz lag eine unrichtige und ungeschickte Mittheilung zu Grunde, welche nicht allzu klar berichtigt wurde. Die Rohr'sche Stiftung zur Ausbildung von Handwerkern hat natürlich nicht alle Juden im Auge, sondern nur die Gemeinde Jarotfchin, welche wohl gegen 80 Familien zählt, und die Gemeinde Bojanowo, welche etwa 15 Familien enthält, deren bedürftige Jugend dem Handwerk zugeführt werden und dadurch etwas Tüchtiges auf diesem Gebiet lernen soll; die jüdische Gemeinde Posen ist dabei wohl bedacht worden, aber aus Gründen, die nicht hierher gehören, nur spärlich. Für Jarotfchin in erster Reihe ist für diesen Zweck ein beträchtlicher Grundfonds ausgesetzt, während für Posen nur eine kleine Summe bestimmt ist. Die an Posen fallenden Zinserträge reichen nicht aus, und es sind stets wert mehr Bewerber als Mittel vorhanden. Anders stellt sich natürlich daS Verhältniß in dem kleinen Jarotschin; aber auch hier fehlt es niemals an Lehrlingen, von denen gegenwärtig zwei die Klempnerei, einer die Schneiderei, einer die Uhrmacherei erlernen. Auch Mädchen von Jarotfchin wurden in dieser Weise erwerbsfähig gemacht; von diesen lagen immer Gesuche vor, sie waren zahlreicher als die von Lehrlingen, und doch schienen hierbei dem inzwischen verstorbenen Stifter die Resultate nicht günstig. Er trug sich daher mit der Absicht, die Mädchen überhaupt aus dem Genuß der Stiftung auszufchließen und dieselbe nur aus Knaben zu beschränken; da indeß die Gemeinde Jarotfchin schon ohnedies den auf sie entfallenden Zinsantheil nicht aufbrauchte, so hatte der verstorbene Moritz Rohr vor, noch andere Gemeinden der Provinz Posen in die Stiftung einzubeziehen. Dazu indeß bedurfte es einer Statutenänderung, gegen welche die Gemeinde Jarotfchin, als ihre Interessen schädigend, mit Erfolg Verwahrung einlegte. Daraus sind nun die unrichtigen und verworrenen Gerüchte entstanden, welche in einer Berliner Jüdischen Zeitung sich niedergeschlagen und aus denen die „Deutsche Tageszeitung" und andere Blätter ihren antisemitischen Honig sogen. Diese Thatiachen sind mir aus eigener Anschauung bekannt, da ich Mitkurator der Stiftung bin." Aus Bayern, im Sept. In einer der Nummern Ihres geschätzten Blattes wurde im Laufe dieses Sommers von Reisenden eine Anfrage gestellt, betreffs Nestaurateure, die dp nna an ihre Kunden geben. Soviel wir wissen, gibt eS in Bayern zwei orth. Nitual-Commissionen und zwar in Fürth und Nürnberg, beide haben aber keinerlei Aufsicht über Restaurationen übernommen. Uns ist bekannt, daß in Frankfurt Restaurateure, die unter orth. Aufsicht sind, keinen dp nno ausschenken dürfen, und daraus sollten alle orthodoxen Rabbiner mit aller Energie bestehen oder erklären, daß die betreffenden Restaurationen nicht zuverlässig seien. Wir wünschen durchaus nicht, daß die Zahl der wenigen Restaurationen die noch Vertrauen genießen, verkleinert werde, aber wir sind fest überzeugt, daß wenn von Seiten der Herren Rabbiner ernstlich und energisch aufgetreten wird, sie leicht D*m rrato sein werden. Es wurde auch die Beobachtung gemacht, daß Restaurateure durch ihr nichtjüdisches Personal Essen orthodoxen Familien senden und Fleisch holen lassen und damit gegen pyn;d D^n:*^ und den ganzen -p rpp pm verstoßen. Es wäre nothwendig, daß maßgebende Personen sich der Sache annehmen, da-

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