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Der Israelit · 1897-09-23 · Heft 76-77 (23.9.1897) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 76-77 (23.9.1897)
Date
1897-09-23
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1484 Selbst wenn wir darüber vollkommen beruhigt sein könnten, daß wir unter der unerbittlichstenJnto!eranz,der des Unglaubensnämlich,imLandeunsererVäternichtzu leiden hätten, selbst wenn die Antwort, die Dr. Herzl dem Baseler Rabbiner gegeben hat, nicht so überaus diplomatisch und nichtssagend wäre und selbst wenn das bloße Versprechen eines Mannes, der erst für sich und seine Gesinnungsgenossen die Macht erstrebt, Sicherheit genug bieten würde, um unser Heiligstes unter seinen Schutz zu stellen, selbst dann würde sich das Wort der Erbauer des zweiten Tempels in unserem Munde finden, “i? n'Z rassb Dato r^. Um der heiligen und erhabenen Gedanken willen, die das Bet Hamikvosch, Zion und Jerusalem uns verkörpert, dürften wir nicht anders sprechen. Und um Zion und Jerusalems willen dürfen wir nicht schweigen und nicht ruhen, bis wir gezeigt haben, daß im Zionismus keine Förderung, sondern eine furchtbare Gefahr für unsere heilige Religion liegt. Dank den verbesserten Verkehrsmitteln unserer Zeit erleben wir jedes Jahr eine ganze Reihe internationaler Congresse, die oft den unwichtigsten oder bedenklichsten Dingen gewidmet sind. Im Lande des größten Fremdenverkehrs, in der Schweiz, haben sich nun an zweihundert Anhänger des Zionismus zusammengefunden; man stößt nun in dre Ruhmesposaune, ein solches Stelldichein von Juden aus verschiedenen Ländern und Erdtheilen habe noch nicht stattgefunden. Wir können darin nichts Merkwürdiges sehen. Wenn über die Kleidung der Radfahrer internationale Besprechungen ftattfinden, wie uns die„Welt" berichtet, warum sollen in einer schönen Stadt in der Schwyz nicht zweihundert schwärmerische Juden zusammenkommen können? Aber doch, der Congreß zu Basel bot uns eine Erscheinung zwar tieftranriger Art, die aber, und wir sagen G. f. D. in der Geschichte des JudenthumS noch nicht beobachtet wurde. Zweihundert Juden waren drei Tage zur Berathung versammelt und noch dazu zur Berathung, wie das Land und die Stadt des Heiligthums wiedererworben werden solle; und der Name „Gott" wurde aus dieser Versammlung heraus nicht gehört. Unseres Wissen findet sich in den Berichten über die Verhandlung des Kongresses eine Erwähnung Gottes nur in einer Zuschrift eines Rabbiners, die verlesen wurde. Während sie als Juden sich gewöhnt haben sollen, auch bei kleinen Unternehmungen und selbst geringen Plänen für die Zukunft die Worte Gott sei Dank, mit Gottes Hilfe nicht zu vergessen, planen die Herren schwierige und große Dinge ohne sich den Beistand des Heiligen gelobt sei Er auch nur mit einem Worte zu erflehen. Unter den Gründen, warum Bar Kochba fallen mußte, wird sein sündhaftes Gebet erwähnt: „Hilf nur unseren Feinden nicht, uns brauchst Du nicht zu helfen." Die Zionisten von Bafel gehen noch weiter und erflehen nicht einmal, daß ihren Feinden nicht geholfen werde. Kann das gelingen? Kann ein Mann, dem die Religion mehr ist, um ein Gleichniß Herrn Nordau's zu gebrauchen, als ein Piano, das oer Nichtmusiker als Parade- und Modestück in seinen Salon stellt, kann er ohne, daß ihm die Schamröthe in die Wangen steigt, Zion und Jerusalem in Gemeinschaft mit solchen Leugnern des Judenthums fördern wollen? Einige Frommen waren in Basel anwesend, aber kein Wort des Taoels oder Mißfallens wurde gehört, wenn Reden gehalten wurden, die an den Grundpfeilern unseres Glaubens rüttelten. Hatte die Begeisterung diese Herren schon in jene Zeit versetzt, wo religionslose Schriftsteller im Judenstaat das Szepter schwingen, und wo man froh sein muß, als religiöser Jude auch nur geduldet zu werden? Wenn wir lesen, daß die Anhänger Sabbatai Zebi's selbst dann den Glauben an ihn nicht verloren, als er den Turban genommen hatte, erscheint uns die damalige Verwirrung der Geister unverständlich. Was wird einst die Nachwelt sagen, wenn berichtet werden wird, daß treue Anhänger des Judenthnms am Ende des neunzehnten Jahrhunderts in dem Irrwahn besangen waren, unter der Fahrung von Alheisten, die noch dazu mit ihrem Unglauben prunkten, der Erlösung entgegengehen zu können! Als der Antisemitismus in Deutschland wieder wach wurde, da hoffte man, daß diese tieftraurige Strömung das eine &ute haben würde, unsere irregehenden Brüder wieder zu treuen Anhängern unseres heiligen Gesetzes zu machen. Diese Erwartung wurde nach vielen Seiten hin getäuscht. Viele haben zwar mit der Rückkehr zum alten Judenthum begonnen, blieben aber nach den ersten Schritten schon stehen. Die jüdische Wohlthätigkeit wurde wieder lebendig, die Synagogen wurden mehr besucht, die Abneigung gegen die Reform des Gottesdienstes wurde allgemeiner. Aber das war so ziemlich Alles. Daß die Mahnung, welche in dem unerwarteten Wiedererwachen der Judenfeindschaft lag, aufs Reue Sabbat und Feiertage, Ehegesetze und Speisegesetze achten lehrte, davon hörte man taum. Es trat im Gegentheil eine gefahrbringende Unsicherheit und Verschwommenheit ein. Man gewöhnte sich daran die kaum halbwegs Zurückgekehrten schon vollkommene Juden zu nennen und die Ehrfurcht vor der Strenge des Gesetzes begann selbst bei vielen, die stets gefetzestreu waren, ins Wanken zu kommen. Gesellige Vereine wurden gegründet, die jüdische Zwecke fördern sollten, ohne daß von Religion gesprochen werden dürfe. Von vielen Seiten erhoben sich, und mit Recht, warnende Stimmen gegen diese Vereinsgründungen, die trotz manchem guten Zwecke, die große Gefahr in sich bergen, bei ihren frommen

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