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Der Israelit · 1897-09-23 · Heft 76-77 (23.9.1897) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 76-77 (23.9.1897)
Date
1897-09-23
Page
– (sequence 6)
Language
German
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r-^mt T~A ' ‘ "1 ' ‘ " ' ’ * ' - ' V 1430 sitzende des Stadtausschufses, der Landrath, zugleich als Vertreter des Herrn Regierungspräsidenten, der zu seinem lebhaften Bedauern am ^Erscheinen verhindert war, der Stadtkommandant, der Kurator der Universität, der Vertreter des abwesenden Rektormagnificus und die Direktoren der höheren Lehranstalten. Nachdem in feierlicher Weise von dem Gemeindeältesten Herrn Koppel Strauß der Landrath den Schlüssel erhalten hatte, übergab ihn dieser mit einer kurzen Ansprache dem Prov.-Rabb. Dr. Munk. Mit dem Schlüssel stieg nun dieser die Stufen zum Hauptportale empor. Die Worte, die über demselben eingemeißelt sind 'w p-ix »w iw® und die folgenden Verse des Psalms paraphrasierte der Redner in kurzer, markiger Sprache und öffnete das Thor. Ich will nicht die Einzelheiten der Feier im Innern des Gotteshauses, das in Hellem Lichterglanze erstrahlte und dessen Oraun hakaudisch durch die Freigebigkeit des Herrn Louis Erlanger ein Kunstwerk geworden ist, vorführen. Den Mittelpunkt der Feier bildete die Predigt des Herrn Prov. Rabb. Dr. Munk. Beginnend mit einem kurzen Gebete ging er zu seinem T.xte »nu nv W 'S JT2 bs 's m px mn opon über. Mit jesaianischen Worten warf er die Frage aus, wozu dem Allumsasser, dessen Tempel die Natur ist, ein Gotteshaus. Die Antwort gab er in der geistvollen Deutung der Bezeichnungen, die ein jüdisches Gotteshaus führt. FD::* jvq P'nyn pro ,,nSer,n rvo. Meisterhaft war inhaltlich und formell die Ausführung. Begeistert begeisterte der Redner, ergriffen waren die Hörer. Gewaltig wirkten auch die musikalischen Theile der Feier, um die sich Herr Lehrer S t r a u ß ungetheiltes Lob und Verdienst erworben hat. Mit Verständniß für den Geist der hebräischen Poesie wußte er die Compositionen dem von ihm geschulten Chore und Orchester beizubringen, daß es eine vollendete Leistung war. Auf den Gesichtern aller Theilnehmer der Einweihung las man die Begeisterung. Ein Kiddusch haschem war es und bleibt es, wie die obengenannten Vertreter der Behörden, zum Theil Männer mit glänzenden Namen, alle in hervorragenden Stellungen, die wärmste Anerkennung und den innigsten Dank unserem hoch- und allverehrten Prov.-Rabb. Dr. Munk aussprachen. Man sah und hörte, daß es nicht konventionelle Formen waren. Noch heute bildet in diesen Kreisen die erhebende Feier das Gespräch. Ungefähr eine Stunde nach dieser Feier fand ein feierlicher Minchagottesdienst statt. Am späten Nachmittage versammelte sich die gesammte Gemeinde zu einem Festdiner. Thränen traten mir in die Augen, als ich beim Betreten des Saales einen der ältesten Männer, der aus einem alten Marburger Geschlechts stammt, vor Freuden tanzen sah. In diesem Momente ging mir fast ein Jahrhundert der jüdischen Geschichte Marburg'S durch den Kopf. Den Kaiser-Toast brachte der Herr Prov.- Rabbiner au«, indem er den Kaiser als Friedensfürsten, dem die Religion wahre Herzenssache ist, feierte. Auf den Rabbiner toastete Herr Kaufmann, auf die Gemeinde Herr Geh. Regierungsrath Prof. Cohen. Von den anderen Tischreden will ich nur noch die auf den Gemeindeältesten Herrn Koppel Strauß erwähnen. Die Feier war freudig und würdig, eine Feier, wie sie dem jüdischen Geiste und Herzen entspricht. Der Tag aber bleibt ein Ehrentag für die jüdische Gemeinde Marburg's. I. Feuilleton. Die stunde der Vergeltung. Bon Paul Gotthcls. 5) sAlle Rechte Vorbehalten.^ Als Selma nach Hause kam, wartete ihrer eine Ueberrafchung. Sie fand einen Brief von Elsa's Mutter vor, welcher folgenden Inhalt hatte: „Sehr geehrtes Fräulein! Nach dem Auftritt, der heute zwischen Ihnen und meiner Tochter stattfand, scheint es mir fraglich, ob Sie mit Ihren Ansichten der rechte Verkehr für meine Tochter sind. Ein Verkehr, der solche Ansichten hegt, ist uns jedenfalls nicht erwünscht, und ich bitte Sie, sich für die Folge darnach zu richten und Ihre Freundinnen im Lager Israels zu suchen. Wir sind und bleiben gute Christen und wollen mit den Juden und ihren Freunden nichts zu thun haben. Ergebenst Frau Reif." Selma las den Brief immer wieder von Neuem. Sie wollte ihren Augen nicht trauen; war es möglich, daß es solch fanatische Menschen gab! Es that ihr leid, denn sie hatte Elsa lieb und der Verkehr mit ihr machte ihr Freude. Trotzdem war es besser, nachdem sich Elsa also entpuppt hatte, sie blieben von einander. Laut lachend nahm sie Hut und Mantel ab, band sich eine Schürze vor und ging, ein Liedchen vor sich hinträllernd, ins Wohnzimmer, woselbst sie ihre Mutter traf. Sie eilte auf dieselbe zu, küßte sie auf die Stirne und umschlang sie zärtlich. „Etwas ganz Funkelnagelneues, Mamachen! rathe einmal!" sagte das junge Mädchen. „Wie kann ich wiffen, was Du meinst; Dein Kleid wird sehr schön!" „Aber das ist ja nichts Neues, Mamachen; etwas Neues!" „Ein Glück oder ein Unglück?" fragte die Mutter lächelnd.

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