Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1897-09-23 · Heft 76-77 (23.9.1897) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 76-77 (23.9.1897)
Date
1897-09-23
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2448705-2448778--44649-2493755
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1479 niederliegt, Nutrose vorzüglich vertragen und vom Organismus gut ausgenutzt wird, kann man wohl dem Urtheil der Aerzte glauben, daß in den zahlreichen Fällen, bei welchen der Gesammtorganismus geschwächt, der Verdauungsapparat aber nicht besonders erkrankt ist, die Aufnahme von Nutrose nicht die geringsten Schwierigkeiten bietet. Nutrose ist daher mit größtem Erfolg angewandt worden zur Keätigung von Kindern, von Vleichsüchtigen, von Reconvalescenten re. Die einzigen Fabrikanten diese- Stärkungsmittels sind die weltbekannten Farbwerke vorm. Meister Lucius u. Brunning, Höchst a. M. und es ist Herrn David Bauer in Frankfurt a. M. gelungen, dieses auf dem Gebiete der Medizinalmittel bedeutendste Werk Deutschlands zu veranlassen, unter Aufsicht des Rabbinates der isr. Religionsgesellschaft (Herrn Rabbiner Dr. Breuer,) zu Frankfurt a. M., aus rituell erlaubter Milch die Nutrose herzustellen. Wir brauchen wohl nicht hervorzuheben, welche großen Vortheile unseren strenggläubigen Glaubensgenoffen aus dieser Einrichtung erwachsen. Für die jüdischen Recmwalescenten, Magen- und Darmkranke, Bleichsüchtige und in Ernährung zurückgebliebene Personen ist dieselbe geradezu eine Wohlthat, der jüdische Reisende hat ein vorzügliches Ersatzmittel für die entbehrende Koscherkost, da der Nährwerth sogar noch ein höherer wie andere Nährmittel ist. Dazu kommt, daß das Präparat nicht Iheurer ist, wie das nichtrituell hergestellte und so dem Gesetzestreuen damit keine besonderen Opfer auferlegt werden. Wie Manchem, der genöthigt ist, an dem herannahenden heiligen Bersöhnungstage „Schiur" zu halten, mag diese Mittheilung hochwillkommen sein. Herr David Bauer, dein durch seine Rührigkeit und Energie es gelungen ist, die Leitung der Farbwerke zu solchem Entgegenkommen dem gesttzestreuen Judenlhum gegenüber zu veranlassen, hat sich den Dank aller guten Jehudim erworben. Marburg, Wh »*n bildet einen Wendepunkt in der Geschichte der jüdischen Gemeinde Marburg. Es ist der Tag, an dem die neue Synagoge eingeweiht wurde. Wenn schon für jede jüdische Gemeinde ein solcher Tag von Bedeutung ist, so muß dies für die unsrige ganz besonders der Fall sein. Marburg, die Stadt im herrlichen Lahnthale, darf nicht nach ihrer numerischen Einwohnerzahl gemessen werden. Durch die Universität gewinnt sie eine Wichtigkeit, die nicht unterschätzt werden darf. Junge Leute, die hier ihren Studien obliegen, lernen auch hier zum ersten Mal das Leben kennen. Die Eindrücke, die sie empfangen, tragen sie mit sich für alle Zeit fort. Sie nehmen die verschiedenen Jnstituie der menschlichen Gesellschaft in Augenschein und schenken ihren inneren Einrichtungen die größte Aufmerksamkeit. In unserer Zeit gewinnt ja wieder das religiöse Leben an Boden und wird demselben mannigfaches Jntereffe entgegengebracht. Der nichtjüdische Student sehnt sich oft danach auch unsere Kultusstätte und unser» Kultus kennen zu lernen. Die irrigsten Vorstellungen herrschen ja über denselben selbst in den Kreisen, von denen man es nicht erwarten sollte. In Marburg gab es zwar eine jüd. Kultusstätte, aber kein Mensch ahnte, wenn er vor derselben stand, was es sei. Das Bestreben unseres hochverehrten Herrn Prov.- Rabb. Dr. Munk, der erst jüdisches Leben hier gepflanzt hat, indem er jüdische Institute mannigfacher Art erst schuf, ging auch dahin, daß ein würdiges Gotteshaus in der Gemeinde errichtet würde. Es ist ihm und dem Vorstande, an dessen Spitze seit Jahren Herr Koppel Strauß steht, gelungen. In einer der schönsten Straßen „ist die Synagoge", so schildert die Festschrift des Herrn Prov.-Rabb. Dr. Munk den Bau, „in spät romanischem Styl mit Anklängen an den byzantinischen aus rothem Sandsteinmaterial gebaut. Der Grundriß ist aus dem Quadrat konstruüt. Der Almemor befindet sich in der Mitte des Raumes und wird die Lage desselben durch eine von vier Säulen getragene Kuppel bethürmt. Zwischen dem die vorgenannten Säulen unterstützenden Pfeilern wölben sich Gurtbogen, welche die Frauenempore tragen. An den Männerraum schließt sich nach Osten die Estrade an, mit dem Oraun hakaudesch und der Kanzel; der Fußboden der Estrade ist urn «d0 Ctm. gegen den des Männerraums erhöht." Doch bevor ich die Einweihungsfeier des imposanten Baues vorfübre, will ich den Abschied von dem schlichen alten Gebethause schildern. Die ganze Gemeinde hatte sich zum Morgengottesdienst in diesem vereinigt. Das Gebet ging in üblicher Weise vor sich, da plötzlich ertönt beim p:nn aus dem Munde unseres Rabbiners das Wiv" Wer die antisemitischen Irrungen und Wirrungen der letzten Jahren kennt, wird begreifen, welchen Eindruck dieses Bekenntnißgebet aus Hörer Marburgs machte. Rach Beendigung des Gottesdienstes sprachHerr Prov.-Rabb. Dr. Munk der Gemeinde die r-n vor, worauf dieser in einer kurzen, aber ergreifenden Ansprache an die Gemeinde sich wandte. Fast niemand blieb thränrnleer, als er das Gotteshaus selbst apostrophirte, dasselbe um nd'nv bat und seiner Würde und Weise dann gleichsam entkleidete. Hierauf erschallten zum letzten Male die Schofartöne an dieser Stelle. Um l(212 Uhr begann die Einweihungsfeier der neuen Synagoge. Im Vorgarten hatte sich die gesammte Gemeinde mit ihren Gästen versammelt. Als Ehrengäste waren unter Anderen anwesend: Der Oberbürgermeister, der Vicebürgermeister, der Vor

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.