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Der Israelit · 1897-09-23 · Heft 76-77 (23.9.1897) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
38 (1897)
Issue
Heft 76-77 (23.9.1897)
Date
1897-09-23
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1477 Frieden und Glück und wahre Freude hatte der gütige Vater unseren Voreltern verheißen, wenn sie nach seinen Worten handeln und in seinen Wegen gehen, aber Trübsal und Krieg und Noth und Trauer ihnen angedroht, wenn Israel seine Thora verläßt und den Gott seines Heiles nicht ehret. Und dennoch, wenn die Zuchtruthe von des Herrn Hand geschwungen wurde, wenn der Feind das Land bedrohte, und das reuige Volk den zitternden Schall der Teruoh hören ließ und dadurch zu erkennen gab, daß cs fick wieder seines Hortes erinnerte und zu ihm seine Hoffnung lenkte, von ihm Rettung aus der Gefahr ersehnte; da wurde des Volkes, der abtrünnigen Söhne, am Throne ewiger Barmherzigkeit zum Guten gedacht, un) der gute Gott half uns und gab uns den Sieg über unsere Feinde. Wohl! auch uns hat der gütige Vater Glück und Wohlstand verliehen, auch uns hat er gesegnet mit seiner unendlichen Huld und Treue. Wenn wir zurückblicken auf die früheren Jahrhunderte, wie sie so finster waren für unsere armen, geplagten Voreltern; wenn wir mit Schauerund Schrecken zurückdenken an jene Foltern, denen man sie unterworfen, wie man sie verfolgt und gepeinigt und getöotet hat, um ihres Glaubens halber. Wenn wir mit Schrecken uns in jene Zeiten versetzen, wo wir in der Gewalt des Pöbels waren und ein Hetzrus genügte, um die Armen dem Scheiterhaufen zu überliefern; dann sollten wir ausrufen voll Druck und Lob: ow rtj&o "pia „Gelobt sei Gott, der die Zeiten ändert." Dann sollten wir den Herrn lobpreisen, daß er uns durch Nacht dem Lichte entgegenführt. Aber der Hochmuth hat uns verblendet, des Goldes Glanz unsere Sinne umnebelt, rin 'b ntpy n> taon ns nrr Vnn „Unsere eigene Kraft, unser eigenes Schaffen hat uns zu dieser Höhe einporgehoben." So dachten gar viele von uns und wähnten sich schon im gelobten Lande der Verheißung und glaubten die alte Lehre abgethan und die Sitten und Gebräuche unserer heiligen Religion für veraltet. Und das Werkzeug Gottes, es kam hervor aus den finsteren Gewölben des mittelalterlichen Glaubenshaffes. Der alte Feind, welcher einstens in Pharao und Haman verkörpert gewesen, er gewann wieder Gestalt und holte hervor seine schrecklichen Waffen, aus Neid und Habsucht geschmiedet aus der Rüstkammer alter Vorurtheile. Unter dem Namen Antisemitismus überschwemmte er die Welt und trieb und jagte seine schmutzigen Fluthen über die gottgesegneten Gefilde menschlichen Denkens und Wirkens. Und heute hört man wieder jene alten Vorurtheile, jene Schmähungen gegen uns, wie sie einst ein Pharao ersonnen und ein Haman erdacht hat. Und vernichten und verderben möchte man uns, zerstören unser Andenken von der Erde. Da mögen wir dann wie ehemals, wenn der Feind an unsere Thore klopfte, den Teruoh Schall ertönen laffen und zeigen, daß wir nicht der Menschheit Zorn fürchten, sondern nur aus Gott vertrauen und ihn anflehen, daß er uns erhöre und uns wieder seine Gnade zutheil werden laffe. Dann wird unserer gedacht werden von unserem Gotte, und es wird uns geholfen vor unseren Feinden. Betet zu Gott, thuet so ruft der Teruoh-Schall uns zu, und das Recht wird Euch werden von Eurem himmlischen Vater. Und ferner heißt es im dritten Buche Capitel 25, Verö 9. Tiwo vaen r-ra ny-nn ibw maym MXIK IW TTOWn CT MH w'2 ttHH1?. „Und DU sollst die Posaune der Truoh ertönen laffen im siebenten Monat am zehnten des Monats, am Versöhnungstage nämlich sollt ihr die Posaune hindurchziehen laffen durch euer ganzes Land." Der himmlische Vater, der Geber aller Güter, er hat dem Menschen die Arbeit anempfohlen zum Segen und Heile. Der Mensch, er soll das Seinige thun zu seiner Veredelung und Vervollkommnung, er soll den Boden bebauen und mit Fleiß bearbeiten, dann läßt der allgütige Vater den Segen aus der Erde ersprießen und die Nahrung ihr entwachsen. Jahr für Jahr soll gesäet und geerntet werden, geackert und gepflügt. Aber in jedem siebenten Jahre, da sollte die Arbeit auf dem Felde ruhen, und was da nachwächft von der vorigen Ernte, das soll frei sein zum Cffen für Jeden, für unsere Knechte, unsere Mägde, für den Fremden, der unsere Gastfreundschaft sucht und für das Thier auf dem Felde. Nach sieben mal sieben Jahren aber, da sollte die Teruoh im ganzen Lande ertönen, am Versöhnungstage, da soll Freiheit ausgerufen werden im Lande allen Einwohnern, es sollte ein Jubeljahr sein, an welchem jedermann zu seinem Eigenthume zurückkehre. Alles was verpfändet war, es ging wieder zurück an seinen ehemaligen Besitzer, der leibeigene Knecht, er freute sich wieder seiner Freiheit. Das Feld blieb unbebaut liegen und was da Nachwuchs, an ihm konnte Jeder seinen Hunger stillen und sich sättigen. Erscholl der Teruoh-Schall, wurde der Geknechtete erlöset, der Bedrückte frei, der arme Gedemüthigte, er durfte sich erfreuen der Freiheit, die Gott seinen Geschöpfen allen geschenket. So soll dieser mahnende Schofar-Ruf uns daran auch heute erinnern, daß wir Menschen alle Brüder, alle Kinder eines Vaters sind, daß wir alle gleichberechtigt sind, und Vorrang und Vorzug vor Gott keine Geltung haben. Alles Eigenthum ist nicht von Dauer. Wer heute oben, ist vielleicht morgen unten, wer heute reich, ist morgen vielleicht arm. Und wer heute seine Nebenmenschen beherrscht, morgen wird er vielleicht bedrückt werden. Liebet eure Nebenmenschen, lastet sie mit euch genießen, wenn ihr besitzet, strebt darnach zu befreien und zu erlösen, helfet, wo ihr helfen könnt:

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